Vietnam: Von der Halong-Bucht bis ins Mekongdelta
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in Vietnam folgt meist der langen Küstenlinie von Norden nach Süden: von den Kalkfelsen der Halong-Bucht über die Kaiserstadt Hue und die Laternengassen von Hội An bis zu den schwimmenden Märkten im Mekongdelta. Unterwegs isst man vermutlich so gut und so günstig wie selten, und eine Vietnam Reise lässt sich trotz der Länge des Landes gut organisieren.
Regionen von den Bergen bis zum Delta
Vietnam erstreckt sich über mehr als 1.600 Kilometer in Nord-Süd-Richtung, an der schmalsten Stelle ist es kaum 50 Kilometer breit. Der Norden wird vom Delta des Roten Flusses und den Bergen an der Grenze zu China und Laos geprägt, wo Reisterrassen um Sa Pa und Mù Cang Chải die Hänge hinaufsteigen und Volksgruppen wie die Hmong und Dao in ihren eigenen Trachten auf die Märkte kommen. Im Nordosten ragen in der Halong-Bucht und der Lan-Ha-Bucht Tausende Kalksteininseln aus dem grünen Wasser, landeinwärts wiederholt sich das Bild in Ninh Bình, wo Ruderboote zwischen Reisfeldern und Felsen hindurch gleiten. Zentralvietnam besteht aus einem schmalen Küstenstreifen mit Stränden und dem Truong-Son-Gebirge im Rücken, im Phong-Nha-Nationalpark liegen einige der größten Höhlen der Welt. Das zentrale Hochland um Dalat ist kühl und grün, mit Kiefernwäldern und Kaffeeplantagen, und im Süden verzweigt sich der Mekong in ein Netz aus Kanälen, Obstgärten und Reisfeldern.
Hanoi, Hue und Hội An
Hanoi ist die Hauptstadt und wirkt trotz Millionen Mopeds überraschend gemächlich. In der Altstadt tragen die Gassen noch die Namen der Zünfte, die hier einst Seide, Silber oder Papier verkauften, am Hoàn-Kiếm-See treffen sich morgens Menschen zum Tai-Chi, und an Wochenendabenden wird das Seeufer zur Fußgängerzone. Der Literaturtempel, Vietnams erste Universität aus dem 11. Jahrhundert, das Ho-Chi-Minh-Mausoleum und das Ethnologische Museum geben Einblick in die Geschichte. Die Hafenstadt Hải Phòng ist Ausgangspunkt für die Insel Cát Bà und die Lan-Ha-Bucht. Hue war von 1802 bis 1945 Sitz der Nguyễn-Kaiser; die Zitadelle mit der Verbotenen Purpurnen Stadt und die Kaisergräber am Parfümfluss gehören zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Vietnam. Südlich davon führt der Wolkenpass mit spektakulären Ausblicken nach Đà Nẵng, einer modernen Küstenstadt mit langem Strand und den Marmorbergen. Eine halbe Stunde weiter liegt Hội An, deren alte Handelshäuser, chinesische Versammlungshallen und die japanische Brücke abends im Licht von Seidenlaternen leuchten. Schneider fertigen hier innerhalb eines Tages Anzüge und Kleider nach Maß.
Ho-Chi-Minh-Stadt und der Süden
Ho-Chi-Minh-Stadt, im Alltag noch oft Saigon genannt, ist die größte und wirtschaftlich stärkste Stadt des Landes. Französische Kolonialbauten wie die Kathedrale Notre-Dame und das Hauptpostamt stehen neben Hochhäusern, das Kriegsrestemuseum zeigt eindringlich die Folgen des Vietnamkriegs, und auf dem Bến-Thành-Markt und in den Garküchen von Distrikt 4 kann man sich durch die südvietnamesische Küche essen. Ein Tagesausflug führt zu den Tunneln von Củ Chi, die Guerillakämpfer über Hunderte Kilometer gegraben hatten. Im Mekongdelta ist Cần Thơ der beste Standort: Frühmorgens legen Boote am schwimmenden Markt von Cái Răng an, beladen mit Ananas, Kürbissen und Wassermelonen, die Händler hängen eine Probe ihrer Ware an eine Stange. Die Insel Phú Quốc im Golf von Thailand hat sich zum wichtigsten Badeziel des Südens entwickelt, mit Sandstränden, Pfeffergärten und der Fischsauce, für die die Insel berühmt ist. Dalat im Hochland war einst Sommerfrische der Franzosen und ist heute beliebt für Wanderungen, Blumenzucht und Erdbeeren, Nha Trang an der Küste für Tauchen und lange Strände.
Kultur, Geschichte und Alltagsleben
Vietnams Geschichte ist von tausend Jahren chinesischer Herrschaft, dem eigenständigen Königreich Đại Việt, der französischen Kolonialzeit und den Kriegen des 20. Jahrhunderts geprägt. Die Spuren mischen sich im Alltag: konfuzianische Ahnenaltäre in fast jedem Haus, Baguettes aus französischer Tradition, Pagoden neben katholischen Kirchen. Im Süden ist die Cao-Đài-Religion mit ihrem farbenfrohen Haupttempel in Tây Ninh eine Besonderheit. Das wichtigste Fest ist Tết, das Mondneujahr im Januar oder Februar, wenn viele Geschäfte für mehrere Tage schließen, Familien zusammenkommen und Pfirsich- und Kumquatbäume die Straßen schmücken. Wer in dieser Zeit reist, sollte Transporte frühzeitig buchen. Vietnam ist offiziell ein sozialistischer Einparteienstaat, für Reisende ist das jedoch kaum spürbar, man begegnet einer jungen, unternehmungslustigen Bevölkerung.
Essen und Trinken in Vietnam
Die vietnamesische Küche ist frisch, kräuterreich und regional sehr unterschiedlich. Phở, die Nudelsuppe mit Rind- oder Hühnerbrühe, stammt aus dem Norden und wird in Hanoi schon zum Frühstück gegessen, dort gibt es auch Bún chả, gegrilltes Schweinefleisch mit Reisnudeln und süßsaurer Sauce. Hue ist für die scharfe Rindfleischsuppe Bún bò Huế und eine Vielzahl kleiner Reisküchlein aus der kaiserlichen Küche bekannt, Hội An für Cao lầu und das vermutlich beste Bánh mì des Landes. Im Süden wird süßer gekocht, man isst Cơm tấm mit Bruchreis und gegrilltem Kotelett oder Bánh xèo, knusprige Pfannkuchen, die man in Salatblätter wickelt. Gegessen wird oft auf niedrigen Plastikhockern am Straßenrand. Kaffee ist eine Leidenschaft: stark gefiltert mit Kondensmilch, als Eierkaffee in Hanoi oder mit Kokos. Dazu kommen frisches Fassbier für wenige Cent und Zuckerrohrsaft.
Anreise und Unterwegs in Vietnam
Vietnam Airlines fliegt nonstop von Frankfurt und München nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, die Flugzeit beträgt etwa elf bis zwölf Stunden; Umsteigeverbindungen gibt es über Bangkok, Singapur, Doha oder Dubai. Deutsche können für touristische Aufenthalte bis zu 45 Tage ohne Visum einreisen, für längere Reisen steht ein E-Visum für bis zu 90 Tage zur Verfügung; vor der Reise sollten die aktuellen Einreisebestimmungen geprüft werden. Inlandsflüge mit Vietnam Airlines, Vietjet oder Bamboo Airways sind günstig und verbinden Hanoi, Đà Nẵng, Ho-Chi-Minh-Stadt, Phú Quốc und weitere Städte in ein bis zwei Stunden. Die Wiedervereinigungsbahn zwischen Hanoi und Saigon ist langsam, aber reizvoll, besonders der Abschnitt zwischen Hue und Đà Nẵng an der Küste. Für Überlandstrecken gibt es Schlafbusse und Limousinen-Minibusse. Ein Mietwagen zum Selbstfahren ist für Touristen kaum üblich, stattdessen bucht man einen Wagen mit Fahrer oder nutzt Ride-Hailing-Apps wie Grab.
Beste Reisezeit für Vietnam
Wegen der großen Nord-Süd-Ausdehnung ist die beste Reisezeit für Vietnam regional verschieden. Der Norden um Hanoi und die Halong-Bucht ist von Oktober bis April trocken, im Dezember und Januar kann es mit 15 bis 20 Grad und Nieselregen aber recht kühl werden; der Sommer ist heiß und regnerisch. Zentralvietnam mit Hue, Đà Nẵng und Hội An ist von Februar bis August am schönsten, mit Badetemperaturen ab April, während von September bis Dezember starke Regenfälle, Überschwemmungen und Taifune möglich sind. Im Süden mit Ho-Chi-Minh-Stadt, dem Mekongdelta und Phú Quốc herrscht von Dezember bis April Trockenzeit bei 30 bis 34 Grad, von Mai bis November kommen nachmittags kräftige Schauer. Im Hochland um Dalat ist es ganzjährig frühlingshaft mild. Wer das ganze Land bereisen möchte, findet im Februar und März meist die besten Kompromisse.
Vietnam Reiseziele für eine Rundreise
Eine typische Rundreise von zwei bis drei Wochen beginnt in Hanoi, führt zur Halong-Bucht und nach Ninh Bình, dann mit dem Flug oder Nachtzug nach Hue, Hội An und Đà Nẵng, weiter nach Ho-Chi-Minh-Stadt und ins Mekongdelta, und endet mit einigen Tagen am Strand von Phú Quốc. Weniger besuchte Vietnam Reiseziele liegen im äußersten Norden, wo die Schleife von Hà Giang mit dem Motorrad über Pässe und durch tiefe Schluchten führt, sowie an der Küste um Quy Nhơn, wo Fischerdörfer und leere Strände noch das Bild bestimmen.















