Huế entdecken: Kaiserstadt am Parfümfluss
Reiseführer · redaktionellVon 1802 bis 1945 regierten in Huế die Kaiser der Nguyễn-Dynastie, und noch heute spürt man den Glanz des alten Hofes zwischen Zitadellenmauern, Lotusteichen und Kaisergräbern. Eine Reise nach Huế ist ruhiger als in Hanoi oder Saigon und kulinarisch eine der spannendsten Vietnams.
Hauptstadt der letzten Dynastie
Gia Long, der erste Nguyễn-Kaiser, einte Vietnam und machte Huế 1802 zur Hauptstadt. Nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking, aber nach den Regeln der Geomantie ausgerichtet am Parfümfluss, ließ er eine gewaltige Zitadelle anlegen. Dreizehn Kaiser regierten hier, ab 1885 unter französischer Kontrolle. 1945 dankte Bảo Đại am Mittagstor ab. Im Vietnamkrieg wurde Huế bei der Tết-Offensive 1968 schwer umkämpft, große Teile der Zitadelle wurden zerstört. Seit 1993 ist der Monumentenkomplex UNESCO-Welterbe, und die Restaurierung schreitet stetig voran. Seit 2025 ist Huế eine regierungsunmittelbare Stadt, die heutigen Phường Phú Xuân und Thuận Hóa umfassen die Altstadt beiderseits des Flusses.
Sehenswürdigkeiten in Huế: Zitadelle und Kaiserstadt
Hinter Wassergräben und dicken Mauern im Norden des Flusses liegt die Zitadelle. Durch das Mittagstor mit dem Fünf-Phönix-Pavillon gelangt man in die Kaiserstadt mit der Thronhalle Thái Hòa, restaurierten Palästen, Galerien in Lackrot und Gold und dem Theater Duyệt Thị Đường, wo Hofmusik aufgeführt wird. Innerhalb der Zitadelle liegt die Purpurne Verbotene Stadt, einst den Kaisern vorbehalten, heute vor allem Ruinen und Gärten. Ein Rundgang dauert leicht einen halben Tag. Das Museum der königlichen Antiquitäten zeigt Gewänder, Porzellan und Möbel des Hofes. Am Abend wird die Kaiserstadt an manchen Tagen beleuchtet.
Gräber und Pagoden am Parfümfluss
Die Kaiser ließen sich südlich der Stadt in weitläufigen Grabanlagen bestatten, die eher Landschaftsparks gleichen. Das Grab von Tự Đức mit Teich, Pavillons und Frangipanibäumen diente dem Kaiser schon zu Lebzeiten als Rückzugsort. Das Grab von Minh Mạng ist streng symmetrisch angelegt, das von Khải Định aus Beton mischt europäische und asiatische Stilelemente und funkelt innen mit Mosaiken aus Glas und Porzellan. Am Flussufer steht die siebenstöckige Thiên-Mụ-Pagode, Wahrzeichen der Stadt. Dort ist auch das Auto ausgestellt, mit dem der Mönch Thích Quảng Đức 1963 nach Saigon fuhr, wo er sich aus Protest verbrannte. Bootsfahrten auf dem Parfümfluss verbinden mehrere Stätten, die man auch gut mit dem Fahrrad erreicht.
Essen in Huế
Die Hofküche hat Huế zu einer Feinschmeckerstadt gemacht. Weltbekannt ist Bún bò Huế, eine scharfe Rindfleisch-Nudelsuppe mit Zitronengras. Hinzu kommen kleine Reisgerichte wie Bánh bèo, gedämpfte Reisküchlein in Schälchen, Bánh nậm und Bánh bột lọc mit Garnelen in Bananenblättern. Cơm hến, Reis mit Flussmuscheln, isst man am besten auf der Insel Cồn Hến. Durch die buddhistische Tradition gibt es zahlreiche vegetarische Restaurants. Auf dem Đông-Ba-Markt am Fluss kauft man Sesamkekse, Kegelhüte und Mè xửng, eine Sesam-Süßigkeit.
Viertel und Stadtleben
Südlich des Flusses, im Bereich von Thuận Hóa, liegt das französisch geprägte Viertel mit Hotels, Cafés und der Lê-Lợi-Straße. Die Trường-Tiền-Brücke, eine Stahlkonstruktion aus der Kolonialzeit, wird abends farbig beleuchtet. Rund um die Phạm-Ngũ-Lão-Straße, abends teilweise Fußgängerzone, laden Bars und Garküchen zum Ausgehen ein. Ruhiger ist Kim Long im Westen mit alten Gartenhäusern, sogenannten Nhà vườn, in denen Familien seit Generationen leben und Gäste empfangen. Vỹ Dạ am östlichen Ufer ist für seine Cafés und Gärten bekannt. Alle zwei Jahre verwandelt das Festival Huế die Stadt mit Hofzeremonien, Theater und Musik in eine Bühne.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Phú Bài liegt rund 15 Kilometer südlich mit Flügen nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Bahn verbindet Huế mit Hanoi und, über den spektakulären Hải-Vân-Pass, mit Đà Nẵng, das man auch per Bus in gut zwei Stunden erreicht. Die beste Reisezeit ist von Februar bis Mai, wenn es warm und überwiegend trocken ist. Im Sommer wird es sehr heiß, von September bis Dezember regnet es viel, und Überschwemmungen sind keine Seltenheit.








