Hoa Lư entdecken: Karstberge und alte Hauptstadt
Reiseführer · redaktionellZwischen Reisfeldern ragen Kalksteinberge senkrecht in den Himmel, Ruderinnen steuern Boote mit den Füßen durch Grotten: Hoa Lư, das Zentrum der Stadt Ninh Bình, ist das Tor zu einer der eindrucksvollsten Landschaften Vietnams. Eine Reise nach Hoa Lư verbindet die erste Hauptstadt des Landes mit Bootsfahrten durch Tràng An und Tam Cốc.
Die erste Hauptstadt Vietnams
Im Jahr 968 gründete Đinh Bộ Lĩnh hier die Hauptstadt des unabhängigen Đại Việt. Die Karstberge boten natürlichen Schutz, Mauern verbanden die Felsen zu einer Festung. Bis 1010, als Lý Thái Tổ die Hauptstadt nach Thăng Long, dem heutigen Hanoi, verlegte, regierten von hier die Đinh- und die frühe Lê-Dynastie. 2014 erklärte die UNESCO den Landschaftskomplex Tràng An, zu dem die alte Hauptstadt gehört, zum Welterbe – eines der wenigen gemischten Natur- und Kulturerbe Südostasiens. Mit der Verwaltungsreform 2025 wurde die frühere Stadt Ninh Bình zur Phường Hoa Lư, die Provinz Ninh Bình wurde mit Hà Nam und Nam Định zusammengelegt.
Sehenswürdigkeiten in Hoa Lư
In der alten Hauptstadt stehen die Tempel der Könige Đinh Tiên Hoàng und Lê Đại Hành, Holzbauten aus dem 17. Jahrhundert an der Stelle der früheren Paläste, mit Drachen-Steinschnitzereien und ruhigen Höfen. Bei Tràng An fahren Ruderboote rund zwei bis drei Stunden durch Höhlen, unter Felsbögen und zu Tempeln auf kleinen Inseln. In Tam Cốc führt die Bootsfahrt auf dem Ngô-Đồng-Fluss durch drei Höhlen und Reisfelder, die im Mai und Juni goldgelb leuchten. Für den Blick von oben steigt man die rund 500 Stufen zum Aussichtspunkt Hang Múa hinauf, an dessen Gipfel eine steinerne Drachenfigur liegt. Die Bái-Đính-Pagode, eine der größten buddhistischen Anlagen Vietnams, beeindruckt mit langen Galerien voller Arhat-Statuen und einer riesigen Bronzeglocke.
Natur und Ausflüge
Im Vogelpark Thung Nham und im Naturreservat Vân Long nisten Reiher und Störche, in Vân Long leben zudem seltene Delacour-Languren an den Felswänden. Mit dem Fahrrad lassen sich die Wege zwischen Tam Cốc, Bích-Động-Pagode und den Dörfern gut erkunden. Rund 45 Kilometer westlich liegt der Nationalpark Cúc Phương, Vietnams ältester Nationalpark, mit jahrhundertealten Bäumen und einem Schutzzentrum für Primaten. Die neugotische Steinkathedrale von Phát Diệm, eine eindrucksvolle Verbindung von europäischer Kirche und vietnamesischer Pagodenarchitektur, ist ein lohnender Abstecher im Südosten.
Essen in Hoa Lư
Spezialität der Region ist Thịt dê, Ziegenfleisch von den Karstbergen, das gegrillt, gedämpft oder als Salat mit Kräutern und Sesamreispapier serviert wird. Dazu gibt es Cơm cháy, knusprig gebratene Reiskruste mit Fleischsauce. In Kim Sơn wird Reisschnaps gebrannt. Die Restaurants in Hoa Lư und Tam Cốc reichen von einfachen Ziegenfleischlokalen bis zu Cafés mit Reisfeldblick.
Anreise und beste Reisezeit
Ninh Bình liegt rund 100 Kilometer südlich von Hanoi; Bus und Limousinen-Kleinbusse brauchen etwa zwei Stunden, der Zug ähnlich lang. Viele Besucher kommen als Tagesausflug aus Hanoi, doch eine Übernachtung in Tam Cốc lohnt sich, um die Landschaft am frühen Morgen zu erleben. Die beste Reisezeit liegt im Mai und Juni zur Reisernte sowie im Herbst. Im Winter ist es oft grau und kühl, im Sommer heiß und schwül.
