Hải Phòng entdecken: Hafenstadt der Flammenbäume
Reiseführer · redaktionellIm Mai färben sich die Alleen von Hải Phòng leuchtend rot, wenn die Flammenbäume blühen. Eine Reise nach Hải Phòng führt in Nordvietnams wichtigste Hafenstadt, zu Kolonialbauten, kräftigen Nudelsuppen und hinaus zur Insel Cát Bà mit der Lan-Hạ-Bucht.
Hafen am Roten Fluss
Die Gegend an der Mündung des Cấm-Flusses war schon früh ein Ankerplatz. Bekannt ist die Generalin Lê Chân, die im 1. Jahrhundert an der Seite der Trưng-Schwestern gegen die Chinesen kämpfte; ein Stadtteil und ein Tempel tragen ihren Namen. Die Franzosen bauten Hải Phòng ab 1874 zum Hafen für Tonkin aus, legten Kanäle, Boulevards und Lagerhäuser an. Im November 1946 beschoss die französische Flotte die Stadt – einer der Auslöser des Indochinakriegs. Im Vietnamkrieg verminten die USA 1972 den Hafen. Heute ist Hải Phòng ein Industrie- und Logistikzentrum mit einem modernen Tiefseehafen. 2025 wurde die Nachbarprovinz Hải Dương eingegliedert, was die Einwohnerzahl stark erhöhte.
Sehenswürdigkeiten in Hải Phòng
Im Zentrum, im Bereich der Phường Hồng Bàng und Lê Chân, steht das 1912 eröffnete Opernhaus mit seiner hellen Fassade, umgeben von einem Platz, auf dem abends Familien flanieren. Die Straßen Điện Biên Phủ und Hoàng Văn Thụ säumen Kolonialvillen, Banken und das Stadtmuseum in einem neugotischen Bau. Der Tempel der Lê Chân und die Dư-Hàng-Pagode mit ihrer Holzschnitzkunst zeigen die ältere Geschichte. Ein Stück außerhalb steht das Gemeinschaftshaus Hàng Kênh, eines der schönsten Đình Nordvietnams mit kunstvollen Drachen aus Holz. Am Nachmittag lohnt ein Spaziergang am Tam-Bạc-Fluss, dessen Ufer zu einer Promenade umgestaltet wurde.
Đồ Sơn und Cát Bà
Rund 20 Kilometer südöstlich ragt die Halbinsel Đồ Sơn ins Meer, ein Badeort mit Hügeln, Strandhotels und dem Wasserbüffelkampf-Fest, das jedes Jahr im Herbst stattfindet. Die größte Attraktion ist aber die Insel Cát Bà, die zum Stadtgebiet gehört. Ein großer Teil ist Nationalpark mit Kalksteinbergen, Höhlen und Wäldern, in denen der vom Aussterben bedrohte Goldkopflangur lebt. Von Cát Bà aus starten Boote und Kajaktouren in die Lan-Hạ-Bucht, die südliche Fortsetzung der Halong-Bucht mit Kalkfelsen, Lagunen und schwimmenden Fischerdörfern. Seit 2023 gehört der Cát-Bà-Archipel gemeinsam mit der Halong-Bucht zum UNESCO-Welterbe.
Essen in Hải Phòng
Hải Phòng ist für seine Küche berühmt. Unbedingt probieren sollte man Bánh đa cua, eine Suppe aus roten, breiten Reisnudeln mit Feldkrabben, Wasserspinat und Schweinefleisch. Ebenso typisch sind Bánh mì cay, kleine, schmale Baguettes mit Pastete und Chili, die man im Dutzend isst, und Nem cua bể, große Frühlingsrollen mit Meereskrabben. Auf den Märkten und in den Gassen um die Phường Ngô Quyền gibt es Muscheln, Schnecken und Seefisch. Viele Einheimische frühstücken an Garküchen auf dem Bürgersteig, abends trifft man sich bei Bia hơi. Wer nach Cát Bà fährt, sollte auf der Insel gegrillten Tintenfisch und Muscheln aus den Fischfarmen der Bucht probieren, die in schwimmenden Restaurants serviert werden.
Ausgehen und Stadtleben
Abends wird es rund um das Opernhaus und an den Ufern des Tam-Bạc-Flusses lebendig. Cafés mit Dachterrassen, Karaoke-Lokale und Bierstuben füllen sich, in den neuen Vierteln von Hải An und um den Flughafen sind Einkaufszentren mit Kinos und Restaurants entstanden. Hải Phòng ist zudem fußballverrückt: Spiele im Lạch-Tray-Stadion sind für ihre lautstarke Atmosphäre bekannt. Im Mai feiert die Stadt das Festival der Flammenbäume mit Umzügen und Konzerten.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Cát Bi liegt nahe dem Zentrum und wird aus Ho-Chi-Minh-Stadt, Đà Nẵng und einigen Städten Asiens angeflogen. Von Hanoi aus erreicht man Hải Phòng mit dem Zug in gut zwei Stunden oder über die Autobahn in rund 90 Minuten. Fähren und Schnellboote verbinden das Festland mit Cát Bà. Die beste Reisezeit liegt im Frühjahr von März bis Mai und im Herbst von September bis November. Im Sommer ist es heiß und feucht, mit Taifunrisiko, im Winter kühl und oft grau.

