Thái Nguyên entdecken: Grüner Tee und Hồ Núi Cốc
Reiseführer · redaktionellPhan Đình Phùng ist der zentrale Stadtteil von Thái Nguyên, der „Teehauptstadt“ Vietnams. Eine Reise nach Thái Nguyên führt zu sanften Teehügeln, zu einem See voller Inseln und in eines der besten ethnologischen Museen des Landes – nur gut eine Stunde von Hanoi entfernt.
Stahl, Studenten und Revolution
Thái Nguyên war im Indochinakrieg Teil des Việt Bắc, des Rückzugsgebiets der Việt Minh in den Bergen nördlich von Hanoi. In Định Hóa im Norden der Provinz befand sich die geheime Kommandozentrale von Ho Chi Minh, heute eine Gedenkstätte. Nach 1954 baute Nordvietnam mit chinesischer Hilfe in Thái Nguyên das erste große Stahlwerk des Landes, das die Stadt lange prägte. Heute ist sie ein wichtiger Universitätsstandort, und Industrieparks mit Elektronikfabriken haben neue Arbeitsplätze gebracht. Der Stadtteil, der den Namen des Unabhängigkeitskämpfers Phan Đình Phùng trägt, umfasst seit der Verwaltungsreform 2025 die Innenstadt; zudem wurde die Bergprovinz Bắc Kạn mit Thái Nguyên zusammengelegt.
Sehenswürdigkeiten in Thái Nguyên
Das Museum der Kulturen Vietnams im Zentrum präsentiert in einem großen Gebäude Trachten, Werkzeuge, Musikinstrumente und Wohnformen der 54 Volksgruppen, mit Schwerpunkt auf den Bergvölkern des Nordens wie Tày, Nùng, Dao und H’Mông. Im Stadtzentrum liegen Märkte, Parks und die Brücken über den Cầu-Fluss. Etwa 15 Kilometer westlich erstreckt sich der Stausee Hồ Núi Cốc mit über 80 kleinen Inseln, Bootsfahrten und einer Legende um ein unglückliches Liebespaar. Im Sommer baden hier Familien, Ausflugsboote fahren zu Tempeln und Höhlen.
Tân Cương: Vietnams Teeanbaugebiet
Der Tee aus Tân Cương westlich der Stadt gilt als der beste Grüntee Vietnams. Auf hügeligen Plantagen pflücken Bäuerinnen die jungen Blätter von Hand, in kleinen Familienbetrieben werden sie in heißen Pfannen geröstet. Man kann Teeplantagen besuchen, beim Pflücken zusehen und die Teezeremonie erleben, bei der grüner Tee in kleinen Tassen gereicht wird. Tee ist hier Lebenseinstellung: Man trinkt ihn zum Empfang von Gästen, nach dem Essen und bei jeder Verhandlung. Die besten Blätter stammen aus der Frühjahrsernte, wenn die Knospen besonders zart sind; Kenner achten auf die feinen, gekräuselten Blätter und den süßlichen Nachgeschmack. Im Zentrum verkaufen Teehändler die Ernte in Dosen und Tüten, oft mit einer Kostprobe am niedrigen Tisch.
Essen in Thái Nguyên
Neben Tee bietet die Region die Küche der Bergvölker: Bánh chưng Bờ Đậu, Klebreiskuchen aus dem gleichnamigen Dorf, Cơm lam aus Bambusrohren, Bánh cuốn und gegrilltes Fleisch nach Art der Tày. Auf den Märkten der Innenstadt gibt es Kräuter, Bambussprossen und Pilze aus den Bergen. Die Restaurants in Thái Nguyên sind einfach, abends treffen sich Studenten an Garküchen und in Cafés.
Anreise, Ausflüge und beste Reisezeit
Thái Nguyên liegt rund 80 Kilometer nördlich von Hanoi, über die Autobahn ist man in gut einer Stunde dort. Busse fahren regelmäßig von den Busbahnhöfen in Hanoi. Von Thái Nguyên aus erreicht man den Ba-Bể-See im ehemaligen Bắc Kạn, einen Bergsee inmitten von Karstbergen und Wäldern, mit Homestays in Tày-Dörfern. Die beste Reisezeit liegt zwischen September und April; im Frühjahr ist die Teeernte besonders sehenswert, im Sommer ist es heiß und regnerisch.