China: Kaiserstädte, Reisterrassen und Metropolen
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in China ist für deutsche Reisende so einfach geworden wie lange nicht: Seit Ende 2023 ist für kurze Aufenthalte kein Visum mehr nötig, und Hochgeschwindigkeitszüge verbinden die großen Städte in wenigen Stunden. Eine China Reise führt von der Großen Mauer über die Wolkenkratzer Shanghais bis zu Teehäusern in Chengdu und Karstbergen am Li-Fluss.
Regionen zwischen Hochland und Küste
China ist etwa so groß wie Europa, und die Unterschiede zwischen den Regionen sind entsprechend groß. Der Osten mit den Mündungsgebieten von Jangtse und Perlfluss ist flach, dicht besiedelt und wirtschaftlich das Zentrum. Im Norden liegt die Ebene um Peking, die im Winter trocken und kalt ist, darüber erstrecken sich die Steppen der Inneren Mongolei. Der Westen steigt auf zum Hochland von Tibet mit Pässen über 5.000 Metern und zu den Wüsten Xinjiangs, durch die einst die Seidenstraße führte. Im Süden prägen Reisterrassen, Bambuswälder und die bizarren Kalksteinkegel um Guilin und Yangshuo die Landschaft, in Yunnan leben zahlreiche ethnische Minderheiten in Bergdörfern zwischen Teeplantagen und Schneegipfeln. Die Insel Hainan schließlich ist Chinas tropisches Badeziel mit Palmenstränden bei Sanya.
Peking, Shanghai und die großen Metropolen
Peking verbindet Kaiserzeit und Gegenwart. Die Verbotene Stadt mit ihren rund 900 Gebäuden war fast 500 Jahre lang Sitz der Kaiser, der Himmelstempel ist frühmorgens voller älterer Menschen, die Tai-Chi üben, Karten spielen oder singen. In den Hutongs, den alten Gassenvierteln um den Houhai-See, leben noch Familien in Hofhäusern, und man kann mit dem Fahrrad zwischen Teestuben und kleinen Bars umherfahren. Shanghai ist die Bühne des modernen China: Am Bund stehen Kolonialbauten aus den 1920er Jahren, gegenüber in Pudong ragt der Shanghai Tower über 600 Meter in den Himmel. Schöner zum Spazieren ist die ehemalige Französische Konzession mit Platanenalleen und Shikumen-Häusern. Guangzhou im Süden gilt als Hauptstadt der kantonesischen Küche, Shenzhen ist in wenigen Jahrzehnten vom Fischerdorf zur Technologiemetropole mit über 17 Millionen Einwohnern gewachsen, und von beiden Städten ist Hongkong schnell erreichbar. Chengdu in Sichuan ist entspannter, als die Größe vermuten lässt, die Menschen sitzen stundenlang in Teehäusern im Volkspark, und am Stadtrand werden in einer Forschungsstation Große Pandas aufgezogen.
Sehenswürdigkeiten in China: Mauer, Armee, Kanäle
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in China gehört die Große Mauer. Bei Badaling herrscht großer Andrang, weniger voll und landschaftlich reizvoller sind die Abschnitte von Mutianyu, Jinshanling oder Simatai, wo die Mauer über steile Bergrücken läuft. In Xi'an, dem östlichen Endpunkt der Seidenstraße, bewachen über 7.000 Terrakotta-Krieger das Grab des ersten Kaisers, die vollständig erhaltene Stadtmauer lässt sich mit dem Fahrrad umrunden, und im muslimischen Viertel duftet es abends nach Lammspießen. Hangzhou liegt am Westsee, dessen Dämme, Pagoden und Lotusfelder seit Jahrhunderten Dichter inspirieren, in den Hügeln dahinter wächst der Longjing-Tee. Suzhou ist berühmt für seine klassischen Gärten, die zum UNESCO-Welterbe zählen, und für Kanäle, an denen alte Häuser mit weißen Wänden und schwarzen Ziegeln stehen. Nanjing, mehrfach Hauptstadt, besitzt eine der längsten erhaltenen Stadtmauern und das Mausoleum von Sun Yat-sen. Xiamen an der Küste von Fujian lockt mit der autofreien Insel Gulangyu und den runden Lehmburgen der Hakka, den Tulou, im Hinterland. Hinzu kommen Naturwunder wie die Sandsteinsäulen von Zhangjiajie und die Kalkbecken von Jiuzhaigou.
Kultur, Geschichte und Alltag
Die chinesische Zivilisation reicht über dreitausend Jahre zurück, und im Alltag begegnet man ihr ständig: in den Lehren des Konfuzius, deren Geburtsort Qufu besucht werden kann, in buddhistischen Grotten wie Longmen bei Luoyang, in der Kalligrafie an Tempeln und Restaurants. Das wichtigste Fest ist das Frühlingsfest zum chinesischen Neujahr im Januar oder Februar, wenn Hunderte Millionen Menschen zu ihren Familien reisen und Züge und Flüge ausgebucht sind; ähnlich voll ist es in der Nationalfeiertagswoche Anfang Oktober. Abends tanzen auf Plätzen in fast jeder Stadt Gruppen älterer Frauen zu Lautsprechermusik. Englisch wird außerhalb großer Hotels selten gesprochen, eine Übersetzungs-App hilft enorm. Für den Alltag entscheidend sind die Bezahl-Apps Alipay und WeChat Pay, die sich inzwischen auch mit ausländischen Kreditkarten verknüpfen lassen. Viele westliche Dienste wie Google, WhatsApp oder Instagram sind gesperrt, ohne Vorbereitung ist man ohne Karten und Suchmaschine unterwegs.
Essen und Trinken in China
Die chinesische Küche gibt es nicht, es gibt Dutzende. In Sichuan und Chongqing wird mit Chili und betäubendem Sichuanpfeffer gekocht, etwa beim Mapo Tofu oder dem Feuertopf, in den man Fleisch und Gemüse selbst eintaucht. Die kantonesische Küche in Guangzhou setzt auf Frische und feine Texturen, morgens gehen Familien zum Yum Cha und bestellen Dim Sum mit Garnelen-Teigtaschen und gedämpften Schweinefleischbrötchen. Peking ist bekannt für Ente, deren knusprige Haut in dünnen Pfannkuchen mit Lauch und Pflaumensauce gegessen wird. In Shanghai gibt es Xiaolongbao, Teigtaschen mit heißer Brühe im Inneren, in Xi'an handgezogene Nudeln und Fladenbrot mit geschmortem Fleisch. Tee wird überall getrunken, von grünem Longjing über rauchigen Oolong aus Fujian bis zum gereiften Pu-Erh aus Yunnan. Zum Essen kommt oft Baijiu auf den Tisch, ein kräftiger Hirsebrand, mit dem zu Trinksprüchen angestoßen wird.
Anreise und Unterwegs in China
Nonstopflüge von Frankfurt und München nach Peking und Shanghai dauern etwa zehn bis elf Stunden, chinesische Fluggesellschaften verbinden weitere Städte wie Chengdu, Guangzhou oder Shenzhen mit Deutschland. Deutsche Staatsangehörige können im Rahmen einer verlängerten Pilotregelung für touristische Aufenthalte bis zu 30 Tage ohne Visum einreisen; da die Regelung befristet ist, sollten die aktuellen Einreisebestimmungen vor der Reise geprüft werden. Innerhalb des Landes ist das Hochgeschwindigkeitsnetz mit über 45.000 Kilometern das größte der Welt. Peking und Shanghai liegen nur gut vier Stunden auseinander, von Shanghai nach Hangzhou oder Suzhou ist man in weniger als einer Stunde. Tickets bucht man mit dem Reisepass online oder an den Bahnhöfen, zu Feiertagen frühzeitig. Inlandsflüge sind für weite Strecken wie nach Yunnan, Tibet oder Xinjiang sinnvoll. Einen Mietwagen können Ausländer nur mit chinesischem Führerschein fahren, stattdessen nutzt man U-Bahnen, die in den Metropolen modern und günstig sind, sowie Fahrdienst-Apps.
Beste Reisezeit für China
Die beste Reisezeit für China sind April und Mai sowie September und Oktober, wobei man die Feiertagswochen Anfang Mai und Anfang Oktober meiden sollte. In Peking ist es im Frühjahr und Herbst sonnig bei 18 bis 25 Grad, der Sommer wird heiß mit über 30 Grad, im Winter fällt das Thermometer oft unter minus 5 Grad. Shanghai, Hangzhou und Nanjing erleben im Juni und Juli die Pflaumenregenzeit, danach folgen schwülheiße Wochen mit 35 Grad. Der Süden um Guangzhou, Shenzhen und Xiamen ist von Oktober bis Dezember am angenehmsten, im Sommer drohen dort Taifune. Yunnan mit Kunming, der Stadt des ewigen Frühlings, lässt sich ganzjährig bereisen, für Tibet sind Mai bis Oktober geeignet, Hainan ist im Winter mit Temperaturen um 25 Grad am beliebtesten.
China Reiseziele für die erste Rundreise
Die klassische erste Route verbindet Peking, Xi'an und Shanghai, ergänzt um Hangzhou oder Suzhou. Wer mehr Zeit hat, kann weitere China Reiseziele anhängen: Guilin und Yangshuo mit einer Bambusfloßfahrt auf dem Li-Fluss, Chengdu mit einem Abstecher zum Großen Buddha von Leshan, oder Yunnan mit den Altstädten Lijiang und Dali, vor denen die Gipfel des Jadedrachen-Schneebergs aufragen. Auf solchen Reisen wird deutlich, wie unterschiedlich sich ein Land anfühlen kann, in dem überall dieselbe Uhrzeit gilt.















