Shanghai entdecken: Bund, Pudong und Gassen der Altstadt
Reiseführer · redaktionellAuf der einen Seite des Huangpu-Flusses Bankpaläste aus den 1920er-Jahren, auf der anderen eine Skyline aus Glastürmen, die vor drei Jahrzehnten noch Ackerland war: Shanghai ist Chinas weltoffenste Metropole. Eine Städtereise nach Shanghai verbindet Kolonialarchitektur, Gassenviertel, Kunstmuseen und eine der besten Küchen des Landes.
Vom Fischerort zum „Paris des Ostens“
Shanghai war lange ein Handelsstädtchen an der Mündung des Jangtse. Nach dem Ersten Opiumkrieg wurde es 1842 zum Vertragshafen geöffnet, Briten, Franzosen und Amerikaner richteten eigene Konzessionen ein. In den 1920er- und 1930er-Jahren galt Shanghai als glamouröseste Stadt Asiens, mit Jazzclubs, Banken und Filmstudios, aber auch mit Armut und Gangstern. Im Zweiten Weltkrieg fanden hier rund 20.000 jüdische Flüchtlinge aus Europa Zuflucht. Nach 1949 verlor die Stadt ihren internationalen Glanz, bis ab 1990 der Aufbau des Finanzviertels Pudong eine neue Blütezeit einleitete.
Sehenswürdigkeiten in Shanghai
Der Bund im Waitan-Viertel ist eine Uferpromenade mit Dutzenden Prachtbauten im Stil von Neoklassizismus und Art déco, darunter das Peace Hotel und das ehemalige Gebäude der Hongkong and Shanghai Bank. Am schönsten ist der Blick am Abend, wenn auf der anderen Flussseite in Lujiazui die Türme leuchten: der Oriental Pearl Tower mit seinen rosa Kugeln, das Shanghai World Financial Center und der 632 Meter hohe Shanghai Tower, das höchste Gebäude Chinas, mit Aussichtsdeck. Westlich des Bunds führt die Einkaufsstraße Nanjing Lu zum Volksplatz mit dem Shanghai-Museum, das chinesische Bronzen, Keramik und Kalligrafie zeigt. In der Altstadt liegt der Yu-Garten, ein klassischer Garten der Ming-Zeit mit Teichen, Pavillons und Felsen, umgeben von einem belebten Basar. Der Jade-Buddha-Tempel und der Jing’an-Tempel mit goldenen Dächern zwischen Hochhäusern sind buddhistische Ruhepole.
Viertel: Französische Konzession und Xintiandi
Die ehemalige Französische Konzession mit Platanenalleen, Villen und Lane Houses, den typischen Shikumen-Reihenhäusern, gehört zu den schönsten Gegenden zum Flanieren. Rund um die Wukang Lu und im Ruijin-Viertel findet man Cafés, Boutiquen und Galerien. Xintiandi ist ein restauriertes Shikumen-Viertel mit Restaurants, in einem der Häuser fand 1921 der Gründungskongress der Kommunistischen Partei statt. In Tianzifang haben sich Kunsthandwerker in verwinkelten Gassen angesiedelt. Am westlichen Huangpu-Ufer hat sich das West Bund mit Museen wie dem Long Museum und einer Dependance des Centre Pompidou zu einem Kunstviertel entwickelt. Xujiahui mit seiner neugotischen Kathedrale und das Geschäftsviertel an der Nanjing Xilu zeigen die Mischung aus Alt und Neu.
Essen in Shanghai
Shanghais berühmteste Spezialität sind Xiaolongbao, gedämpfte Teigtaschen mit heißer Suppe und Schweinefleisch, die man vorsichtig auf dem Löffel anbeißt. Dazu kommen Shengjianbao, in der Pfanne gebratene Teigtaschen, Hongshao Rou, in Sojasoße geschmortes Schweinefleisch, und im Herbst die begehrten Wollhandkrabben. Die Küche der Region ist eher süßlich und mild. Zum Frühstück gibt es Cifantuan, Klebreisrollen, und Youtiao, frittierte Teigstangen. Die Restaurants in Shanghai reichen von Garküchen bis zu Spitzenlokalen mit internationalen Auszeichnungen.
Ausgehen in Shanghai
Abends trifft man sich in Rooftop-Bars am Bund mit Blick auf Pudong, in Cocktailbars der Französischen Konzession oder bei Livemusik in kleinen Jazzclubs, die an die Tradition der 1930er-Jahre anknüpfen. Eine Bootsfahrt auf dem Huangpu bei Nacht gehört zu den Klassikern. Die Wasserstädte Zhujiajiao und Zhouzhuang mit Kanälen und Steinbrücken sind beliebte Tagesausflüge.
Unterwegs und beste Reisezeit
Shanghai hat zwei Flughäfen: Pudong für internationale Flüge, mit der Transrapid-Magnetschwebebahn, die mit bis zu 300 km/h in Richtung Stadt fährt, und Hongqiao im Westen mit Inlandsflügen und dem großen Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge nach Peking, Hangzhou und Suzhou. Die Metro ist günstig, sauber und gut beschildert. Bezahlt wird fast überall per App wie Alipay oder WeChat Pay, die inzwischen auch ausländische Karten akzeptieren. Deutsche Staatsbürger können derzeit visumfrei für Kurzaufenthalte einreisen; die Regeln sollte man vor der Reise prüfen. Die beste Reisezeit liegt im Frühjahr und Herbst. Der Sommer ist heiß und schwül, im Juni regnet es viel, der Winter ist feucht und kühl.















