Shanghai: Bund, Gassen und Skyline am Huangpu
Reiseführer · redaktionellKaum eine Stadt erzählt Chinas jüngere Geschichte so anschaulich wie Shanghai: Kolonialfassaden am Bund, Lane-Häuser in engen Gassen und gegenüber eine Skyline, die vor 35 Jahren noch Ackerland war. Wer Urlaub in Shanghai plant, findet eine Metropole, die Tempo und Stil verbindet, und dazu Wasserstädte vor den Toren. Verwaltungstechnisch ist Shanghai eine eigene Provinzebene – von den Hochhäusern im Zentrum bis zu Dörfern wie Zhuqiao nahe dem Flughafen Pudong.
Lage an der Mündung des Jangtse
Shanghai liegt flach wie ein Tisch auf dem Schwemmland, das der Jangtse über Jahrtausende ins Meer geschoben hat. Der Huangpu teilt die Stadt in das historische Puxi im Westen und das moderne Pudong im Osten. Zum Stadtgebiet gehören auch die Insel Chongming mit Feuchtgebieten und Vogelschutzgebieten sowie weite ländliche Bezirke mit Kanälen, Gemüsefeldern und neuen Satellitenstädten. Das Klima ist feucht-subtropisch: schwülheiße Sommer, im Juni die Pflaumenregenzeit, und Winter, die feuchtkalt um den Gefrierpunkt pendeln. Die Stadt wächst bis heute nach Osten: Rund um den Flughafen Pudong liegen Orte wie Zhuqiao, wo Gemüsefelder und neue Wohnsiedlungen nebeneinander bestehen.
Sehenswürdigkeiten in Shanghai
Der Bund ist der klassische Auftakt: eine Uferpromenade mit Bank- und Handelshäusern aus den 1920er- und 30er-Jahren, darunter das Peace Hotel mit seiner Jazzbar. Abends blickt man von hier auf Lujiazui, wo der Fernsehturm Oriental Pearl, das Jin Mao, das Shanghai World Financial Center und der 632 Meter hohe Shanghai Tower stehen. Im Süden der Altstadt liegt der Yu-Garten aus der Ming-Zeit mit Steingärten und Teichen, daneben der quirlige Basar um das Teehaus im See. Der Jade-Buddha-Tempel, das Shanghai Museum mit Bronzen und Porzellan sowie das Kunstviertel am West Bund mit Galerien in alten Hangars lohnen ebenso. Wer Ruhe sucht, schlendert durch die Platanenalleen der ehemaligen Französischen Konzession um die Wukang Road. Wer die Stadt von oben sehen will, fährt auf die Aussichtsplattform des Shanghai Tower in über 540 Metern Höhe; abends lohnt eine Bootsfahrt auf dem Huangpu, wenn die Fassaden am Bund und die Türme von Lujiazui beleuchtet sind. In Tianzifang, einem Labyrinth aus Shikumen-Gassen, haben sich Ateliers, kleine Läden und Bars eingerichtet.
Geschichte: vom Vertragshafen zur Finanzmetropole
Nach dem Ersten Opiumkrieg wurde Shanghai 1842 für den Außenhandel geöffnet. Briten, Amerikaner und Franzosen richteten Konzessionen ein, und die Stadt wurde zum Finanzzentrum Asiens, berühmt für Jazz, Kino und Glücksspiel, aber auch für Elend und Bandenwesen. Zehntausende jüdische Flüchtlinge fanden hier in den 1930er- und 40er-Jahren Zuflucht; das Jüdische Flüchtlingsmuseum in Hongkou erinnert daran. 1921 wurde in einem Steinhaus der Französischen Konzession die Kommunistische Partei Chinas gegründet. Seit der Erschließung Pudongs ab 1990 ist Shanghai wieder das wirtschaftliche Schaufenster des Landes, mit dem größten Containerhafen der Welt.
Shanghai Reiseziele vor der Stadt
Die Wasserstädte des Jangtsedeltas sind leicht als Tagesausflug zu erreichen. Zhujiajiao im Bezirk Qingpu hat Steinbogenbrücken, Kanäle und eine Postamt-Geschichte aus der Qing-Zeit; Fengjing im Süden ist ruhiger. Songjiang, die älteste Siedlung im heutigen Stadtgebiet, besitzt eine quadratische Pagode aus der Song-Zeit. Auf Chongming locken Radwege, Orangenhaine und das Dongtan-Vogelschutzgebiet, wo im Winter Kraniche rasten. Für Familien gibt es das Disney Resort in Pudong.
Essen und Trinken
Die Shanghaier Küche ist süßlich und reich an Sojasauce. Xiaolongbao, mit Brühe gefüllte Teigtaschen, sind das bekannteste Gericht; dazu kommen Shengjianbao, unten knusprig gebratene Teigtaschen, rot geschmortes Schweinefleisch und im Herbst die begehrte Wollhandkrabbe aus dem Yangcheng-See. Morgens stehen die Menschen nach Cifan an, Klebreisrollen mit frittiertem Teig. Daneben ist die Stadt Chinas Hauptstadt der internationalen Gastronomie und Cafékultur, mit unzähligen Bars in umgebauten Shikumen-Häusern.
Anreise, Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Pudong ist Drehkreuz für Langstrecken, Hongqiao bedient Inlandsflüge und liegt direkt am gleichnamigen Fernbahnhof. Der Transrapid fährt von Pudong mit bis zu 300 km/h in die Stadt, das U-Bahn-Netz zählt zu den längsten der Welt. Hochgeschwindigkeitszüge bringen Reisende in rund einer halben Stunde nach Suzhou und in etwa einer Stunde nach Hangzhou. Die beste Reisezeit sind April und Mai sowie Oktober und November; die Feiertagswochen Anfang Mai und Anfang Oktober sind allerdings sehr voll.





