Schweiz Reise: Berge, Seen und vier Sprachen
Reiseführer · redaktionellEine Schweiz Reise ist eine Reise durch vier Sprachregionen, die auf einer Fläche kleiner als Niedersachsen zusammenleben. Wer Urlaub in der Schweiz macht, frühstückt vielleicht in Zürich, isst mittags Rösti im Berner Oberland und trinkt abends einen Merlot an der Seepromenade von Lugano, ohne dabei mehr als ein paar Stunden im Zug zu sitzen.
Alpen, Gletscher und Seen
Rund 60 Prozent des Landes liegen in den Alpen, und das sieht man fast überall. Im Wallis ragen mehr als 40 Viertausender auf, darunter das Matterhorn über Zermatt und die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv, mit 4.634 Metern der höchste Gipfel der Schweiz. Der Aletschgletscher, der größte der Alpen, schiebt sich über rund 20 Kilometer durch das UNESCO-Gebiet Jungfrau-Aletsch. Im Berner Oberland stehen Eiger, Mönch und Jungfrau so nah beieinander, dass man sie von Interlaken aus wie eine Kulisse betrachtet, und eine Zahnradbahn führt hinauf zum Jungfraujoch auf 3.454 Meter.
Zwischen den Bergen liegen Seen in allen Farben: der Genfersee mit den Weinterrassen des Lavaux, der Vierwaldstättersee mit seinen verwinkelten Armen rund um Luzern, der türkisfarbene Brienzersee, im Süden der Lago Maggiore und der Luganersee mit Palmen am Ufer. Im Engadin reihen sich die Oberengadiner Seen bei St. Moritz aneinander, und im Nordwesten zieht sich der Jura mit Hochmooren, Uhrmacherdörfern und weiten Weiden bis an die französische Grenze.
Städte und Sehenswürdigkeiten in der Schweiz
Zürich ist die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum. Die Altstadt mit Grossmünster und Fraumünster, in dem Fenster von Marc Chagall leuchten, liegt direkt am See, und im Sommer schwimmen die Zürcher in der Mittagspause in der Limmat. Genf am anderen Ende des Landes ist französischsprachig und international geprägt: Hier sitzen der europäische Sitz der Vereinten Nationen, das Rote Kreuz und das CERN, und der Jet d’Eau schießt seine Fontäne 140 Meter in die Höhe.
Bern, die Bundesstadt, besitzt mit sechs Kilometern Laubengängen eine der längsten gedeckten Einkaufspromenaden Europas, die gesamte Altstadt ist Welterbe. Basel am Rheinknie hat eine enorme Museumsdichte, von der Fondation Beyeler bis zum Kunstmuseum, und im Sommer lässt man sich hier im wasserdichten Schwimmsack den Rhein hinuntertreiben. Luzern mit der hölzernen Kapellbrücke ist der Ausgangspunkt für Rigi und Pilatus, Lausanne liegt steil über dem Genfersee und beherbergt das Olympische Museum. Im Tessin zeigt Lugano mediterranes Flair, in der Ostschweiz besitzt Sankt Gallen eine Stiftsbibliothek mit einem der schönsten barocken Lesesäle der Welt, und Winterthur hat sich mit Sammlungen wie der Oskar Reinhart einen Namen als Kunststadt gemacht.
Kultur, Sprachen und Traditionen
Die Schweiz ist eine Willensnation, zusammengehalten nicht durch eine gemeinsame Sprache, sondern durch direkte Demokratie und ein ausgeprägtes Föderalismusprinzip. Mehrmals im Jahr stimmt das Volk über Sachfragen ab, in Appenzell Innerrhoden und Glarus versammeln sich die Bürger noch zur Landsgemeinde unter freiem Himmel. Deutsch wird in der Mehrheit der Kantone gesprochen, im Alltag allerdings fast immer als Schweizerdeutsch, Französisch in der Romandie, Italienisch im Tessin, und in Graubünden hat sich das Rätoromanische gehalten.
Bräuche gibt es viele. Beim Basler Morgestraich am Montag nach Aschermittwoch gehen um vier Uhr früh alle Lichter aus, und Tausende Trommler und Pfeifer ziehen mit Laternen durch die Stadt. In Zürich wird beim Sechseläuten im April der Böögg verbrannt, ein Schneemann aus Watte, dessen explodierender Kopf den Sommer vorhersagen soll. Im Herbst feiern die Alpdörfer den Alpabzug, und am 1. August, dem Nationalfeiertag, brennen auf den Bergen Höhenfeuer.
Essen und Trinken
Käse spielt die Hauptrolle. Fondue moitié-moitié aus Gruyère und Vacherin, Raclette, das direkt vom Laib auf Kartoffeln geschabt wird, und die Älplermagronen mit Apfelmus gehören zum Winter wie der Schnee. Zürich steht für das Geschnetzelte mit Rösti, Graubünden für Capuns und Bündnerfleisch, das Tessin für Polenta und Risotto in den einfachen Grotti im Wald. Schokolade hat in der Schweiz eine lange Tradition, und auch die Basler Läckerli und die Engadiner Nusstorte sind beliebte Mitbringsel. Kaum bekannt ist, dass die Schweiz gute Weine produziert, vor allem Chasselas aus dem Lavaux und dem Wallis sowie Merlot aus dem Tessin. Da nur ein kleiner Teil exportiert wird, trinkt man sie am besten vor Ort.
Unterwegs in der Schweiz
Wichtigste Drehkreuze sind die Flughäfen Zürich (ZRH) und Genf (GVA), dazu der EuroAirport Basel-Mulhouse (BSL) auf französischem Boden. Aus Deutschland fahren ICE und EC direkt nach Basel, Zürich und Bern. Das Bahnnetz gilt als eines der besten der Welt: Züge, Postautos und Schiffe sind im Taktfahrplan aufeinander abgestimmt. Panoramastrecken wie der Glacier Express zwischen Zermatt und St. Moritz oder die Berninalinie der Rhätischen Bahn, die zum Welterbe gehört, sind ein Erlebnis für sich. Für Besucher lohnt sich oft der Swiss Travel Pass. Autofahrer brauchen eine Autobahnvignette, die es inzwischen auch als E-Vignette gibt. Die Preise sind hoch, mit Supermärkten und Picknicks am See lässt sich das Budget aber schonen.
Beste Reisezeit für die Schweiz
Die beste Reisezeit für die Schweiz zum Wandern liegt zwischen Ende Juni und Ende September, wenn auch die hohen Pässe wie Furka, Grimsel und Susten geöffnet sind. Im Mittelland erreichen die Temperaturen im Sommer 22 bis 28 Grad, im Tessin wird es noch etwas wärmer. Die Skisaison dauert in den meisten Gebieten von Dezember bis April, in Zermatt und Saas-Fee lässt sich auf dem Gletscher teils sogar ganzjährig fahren. Mai und Oktober sind ruhigere Monate, ideal für Städtereisen, die Weinlese im Lavaux und Seeuferwege, wenn in den Bergen schon oder noch Schnee liegt.

















