Solothurn: Barockstadt am Jurasüdfuß
Reiseführer · redaktionellDer Kanton Solothurn ist zerklüftet wie kaum ein anderer: Seine Grenzen ziehen sich über Jurahöhen, Aaretal und bis fast vor die Tore Basels. Eine Reise nach Solothurn führt in die schönste Barockstadt der Schweiz, in eine Uhrenstadt und auf den Weissenstein, von dem man die ganze Alpenkette überblickt.
Zwischen Jura und Aare
Der Kanton liegt am Südfuß des Juras, wo die Aare in einem breiten Tal von Grenchen über Solothurn nach Olten fließt. Darüber erheben sich die Ketten des Weissensteins und des Passwangs, auf deren Weiden im Sommer Kühe grasen. Im Norden gehören das Schwarzbubenland und das Thierstein zum Kanton, getrennt vom Rest durch das Gebiet von Basel-Landschaft. Dort steht das Kloster Mariastein, ein Wallfahrtsort mit einer Grottenkapelle.
Städte und Orte
Solothurn war von 1530 bis 1792 Sitz der französischen Botschafter bei der Eidgenossenschaft, und dieser Einfluss erklärt die Paläste, Brunnen und Kirchen im Barock- und Régencestil. Die Stadt hat eine eigentümliche Vorliebe für die Zahl Elf: Die St.-Ursen-Kathedrale besitzt elf Altäre und elf Glocken, die Treppe zu ihr hat Absätze mit je elf Stufen, und es gibt elf Brunnen und elf Kirchen und Kapellen. Olten ist der wichtigste Bahnknoten der Schweiz, mit einer überdachten Holzbrücke über die Aare und einem lebendigen Kunstmuseum. Grenchen ist Uhrenstadt, Standort von Uhrenmarken und Zulieferern, und verfügt über einen kleinen Flugplatz.
Sehenswürdigkeiten im Kanton Solothurn
Zu den Sehenswürdigkeiten in Solothurn zählen die Kathedrale St. Urs und Viktor, das Zeughaus mit einer der größten Rüstungssammlungen Europas und das Schloss Waldegg in Feldbrunnen, ein barocker Sommersitz. Mit der Gondelbahn erreicht man von Oberdorf den Weissenstein, von wo der Blick bei klarem Wetter vom Säntis bis zum Mont Blanc reicht. Die Verenaschlucht bei Rüttenen führt zu einer Einsiedelei, die bis heute bewohnt ist.
Thal, Gäu und Schwarzbubenland
Östlich der Hauptstadt liegt das Thal um Balsthal, ein abgeschiedenes Juratal mit der Burg Neu-Falkenstein und der Klus, einem engen Durchbruch der Dünnern. Das Gäu zwischen Olten und Oensingen ist flach und landwirtschaftlich geprägt, durchzogen von der Aare. Im Schwarzbubenland jenseits des Juras, einem Exklavengebiet zur Grenze nach Frankreich hin, stehen die Burgruine Dorneck in Dornach und das Goetheanum, ein monumentaler Betonbau, Zentrum der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie. Wanderwege führen über die Jurakette zu Bergrestaurants mit Blick über das Mittelland.
Wer die Stadt Solothurn erkunden will, beginnt am Baseltor, schlendert durch die Hauptgasse zur Kathedrale und endet an der Aare, wo im Sommer Bars am Landhausquai öffnen.
Essen, Feste und beste Reisezeit
Die Solothurner Torte, eine Haselnuss-Meringue-Torte mit Buttercreme, ist die Spezialität der Stadt. Im Januar finden die Solothurner Filmtage statt, im Frühling die Literaturtage, und die Fasnacht heißt hier „Chesslete“, eröffnet mit Lärm und weißen Zipfelmützen. Olten ist von Zürich, Basel und Bern in rund einer halben Stunde erreichbar. Die beste Reisezeit für Wanderungen auf den Jurahöhen ist von Mai bis Oktober, wenn auch die Aareschiffe zwischen Solothurn und Biel fahren.

