Kanton Bern: Bundesstadt, Seen und Berner Oberland
Reiseführer · redaktionellKaum ein Kanton spannt einen so weiten Bogen wie Bern: von den Juraweiden um Biel über das Mittelland mit der Bundesstadt bis zu den Gletschern von Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein Urlaub in Bern kann deshalb Stadtbummel unter Laubengängen, Schifffahrt auf dem Thunersee und Hochtour an einem Tag verbinden.
Landschaft vom Jura bis zu den Alpen
Der zweisprachige Kanton erstreckt sich über drei Landschaftszonen. Im Norden liegen der Berner Jura und der Bielersee mit der St. Petersinsel, auf der Jean-Jacques Rousseau einige Wochen verbrachte. Das Mittelland mit dem Emmental ist sanft und bäuerlich: Hier stehen breite Bauernhäuser mit tief gezogenen Dächern, und im Seeland wird Gemüse für halb die Schweiz angebaut. Im Süden ragt das Berner Oberland auf, mit dem Thuner- und dem Brienzersee, mit Tälern wie dem Haslital, dem Simmental und dem Saanenland und mit dem UNESCO-Welterbe Jungfrau-Aletsch, dem größten vergletscherten Gebiet der Alpen.
Bern und die Städte des Kantons
Die Stadt Bern ist Sitz von Bundesrat und Parlament, wirkt aber eher gemächlich als hauptstädtisch. Ihre Altstadt auf einer Halbinsel in einer Aareschlaufe gehört zum UNESCO-Welterbe: rund sechs Kilometer Lauben, Figurenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert, der Zytglogge-Turm mit seinem Figurenspiel und das Münster mit dem höchsten Kirchturm der Schweiz. Im Sommer lassen sich Einheimische die Aare hinabtreiben und steigen beim Marzili-Bad wieder aus.
Biel/Bienne ist die größte zweisprachige Stadt der Schweiz und Zentrum der Uhrenindustrie, mit Hauptsitzen von Swatch und Omega. Thun empfängt Besucher mit einem Schloss über der Altstadt und der Aare, die hier aus dem See strömt. Interlaken liegt zwischen den beiden Oberländer Seen und ist Ausgangspunkt für die Bergbahnen, während Grindelwald und Lauterbrunnen mit seinen 72 Wasserfällen direkt unter den großen Gipfeln liegen. Im Westen sind Saanen und Gstaad für Chalets und Wintergäste bekannt, Adelboden für das Weltcup-Riesenslalom am Chuenisbärgli.
Kleiner, aber ebenso reizvoll sind Spiez mit seinem Schloss und der Rebbergbucht am Thunersee, Brienz mit seiner Holzschnitzerschule und Meiringen am Fuß des Hasliberg. Im Emmental lohnen Burgdorf mit seiner Schlossanlage und die Schaukäserei in Affoltern einen Abstecher.
Sehenswürdigkeiten in Bern und im Oberland
Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bern gehören neben der Altstadt das Zentrum Paul Klee von Renzo Piano, das Einsteinhaus in der Kramgasse und der Bärenpark am Aareufer. Im Oberland führt die Jungfraubahn bis zum Jungfraujoch auf 3.454 Metern, dem höchstgelegenen Bahnhof Europas. Von Mürren und dem Schilthorn öffnet sich das Panorama über das Lauterbrunnental, der First über Grindelwald lockt mit Klippenweg und Seilrutsche. Ruhiger sind die Aareschlucht bei Meiringen, die Giessbachfälle am Brienzersee und das Freilichtmuseum Ballenberg, das historische Bauernhäuser aus der ganzen Schweiz versammelt.
Kultur und Geschichte
Bern wurde 1191 von den Zähringern gegründet und stieg im Spätmittelalter zum größten Stadtstaat nördlich der Alpen auf. Seit 1848 ist es Bundesstadt – ein offizielles Hauptstadtrecht gibt es in der Schweiz nicht. Der Zibelemärit, der Zwiebelmarkt am vierten Montag im November, ist das Volksfest schlechthin. Im Oberland pflegt man Jodel, Schwingfeste und Alpaufzüge, und im Emmental hat Jeremias Gotthelf das bäuerliche Leben des 19. Jahrhunderts literarisch festgehalten.
Essen und Trinken
Die Berner Platte ist ein üppiges Gericht mit Würsten, Speck, Rippli, Sauerkraut und Bohnen, das an den Sieg bei Neuenegg 1798 erinnern soll. Im Emmental entsteht der Käse mit den großen Löchern, in Trubschachen backt Kambly feine Butterbiscuits, und Meringues aus Meiringen sollen dem Ort ihren Namen verdanken. Am Bielersee wachsen Chasselas und Pinot Noir, die man in Weindörfern wie Twann und Ligerz probiert.
Anreise und beste Reisezeit
Bern ist ein zentraler Knoten im Schweizer Bahnnetz: Von Zürich und Basel dauert die Fahrt rund eine Stunde, von Genf knapp zwei. Der kleine Flughafen Bern-Belp (BRN) wird nur saisonal angeflogen, die meisten Gäste reisen über Zürich oder Genf an. Im Oberland verbinden Zahnradbahnen, Postautos und Schiffe die Orte. Die beste Reisezeit für Wanderungen ist von Juni bis September, Skifahrer kommen zwischen Dezember und März nach Grindelwald, Wengen oder Adelboden. Herbst bringt goldene Lärchen und klare Fernsicht, Frühjahr die Kirschblüte am Thunersee.








