Kanada: Weite Wildnis und weltoffene Städte
Reiseführer · redaktionellWer an Urlaub in Kanada denkt, hat meist Seen mit Kanus vor Augen, Elche am Straßenrand und Berge, die sich im Wasser spiegeln. Das stimmt, erzählt aber nur die halbe Geschichte, denn zu einer Kanada Reise gehören ebenso französische Bistros in Montreal, die Food Halls von Toronto und die Fischerdörfer an der Atlantikküste.
Regionen von British Columbia bis Neufundland
Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde, und die meisten Menschen leben in einem schmalen Streifen nahe der Grenze zu den USA. Im Westen liegt British Columbia mit einer zerklüfteten Pazifikküste, Regenwäldern auf Vancouver Island und Fjorden, in denen Orcas und Buckelwale ziehen. Östlich davon steigen die Rocky Mountains auf, dahinter beginnen die Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba mit Weizenfeldern, Rinderfarmen und einem Himmel, der kaum zu enden scheint. Ontario und Québec bilden das bevölkerungsreiche Zentrum, durchzogen vom Sankt-Lorenz-Strom und unzähligen Seen. Ganz im Osten folgen die Atlantikprovinzen Nova Scotia, New Brunswick, Prince Edward Island und Neufundland, wo Leuchttürme auf Granitklippen stehen und im Frühsommer Eisberge vor der Küste treiben. Der hohe Norden mit Yukon, den Northwest Territories und Nunavut ist dünn besiedelt, dort wird im Winter das Polarlicht zum eigentlichen Programm.
Toronto, Montreal und Vancouver
Toronto ist die größte Stadt des Landes und eine der vielfältigsten der Welt; rund die Hälfte der Einwohner ist im Ausland geboren. Vom CN Tower blickt man auf den Ontariosee, im Kensington Market gibt es jamaikanische Patties neben portugiesischen Bäckereien, und im St. Lawrence Market wird das berühmte Peameal-Bacon-Sandwich serviert. Mississauga und Scarborough gehören zum Großraum und sind vor allem für ihre asiatische Küche bekannt. Montreal fühlt sich europäischer an: Wendeltreppen an den Fassaden des Plateau, Bagels aus dem Holzofen, im Sommer ein Festival nach dem anderen und der Mont Royal als grüner Hausberg. Die Stadt Québec mit ihren Stadtmauern und dem Château Frontenac über dem Strom gehört zum UNESCO-Welterbe und ist im Winter, wenn der Karneval stattfindet, besonders stimmungsvoll. Ottawa, die Hauptstadt, punktet mit Nationalmuseen und dem Rideau-Kanal, auf dem man im Januar und Februar kilometerweit Schlittschuh laufen kann. Im Westen liegt Vancouver zwischen Meer und Bergen; morgens Kajak in der False Creek, nachmittags Spaziergang durch den Stanley Park, abends Sushi, das hier besonders frisch und günstig ist. Calgary und Edmonton sind die Tore zu den Rockies, Calgary feiert jeden Juli mit der Stampede ein riesiges Rodeo-Fest, und Winnipeg überrascht mit dem Canadian Museum for Human Rights.
Nationalparks und Sehenswürdigkeiten in Kanada
Zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Kanada zählen die Nationalparks Banff und Jasper. Der Icefields Parkway verbindet beide auf rund 230 Kilometern, vorbei an Gletschern, türkisfarbenen Seen wie dem Lake Louise und dem Peyto Lake und Bergziegen an den Hängen. In der Hochsaison sind Parkplätze knapp, am Moraine Lake ist die Zufahrt nur noch mit Shuttlebussen möglich. Weniger überlaufen ist der Pacific Rim National Park auf Vancouver Island mit Surfstränden bei Tofino. An der Grenze zu New York stürzen die Niagarafälle in die Tiefe, am besten vom Boot aus zu erleben. In Ontario lädt der Algonquin Park zu Kanutouren mit Übernachtung auf Inseln ein, und in der Bay of Fundy steigt und fällt der Tidenhub bis zu 16 Meter, sodass man bei Ebbe zwischen den Felsformationen am Meeresboden spazieren kann. Im Norden Manitobas, in Churchill, lassen sich im Herbst Eisbären und im Sommer Belugawale beobachten.
Kultur, Geschichte und zwei Sprachen
Kanadas Geschichte beginnt lange vor der Ankunft der Europäer. First Nations, Inuit und Métis prägen das Land bis heute, an der Westküste sieht man ihre Totempfähle im Museum of Anthropology in Vancouver oder in Dörfern auf Haida Gwaii. Franzosen gründeten Québec im Jahr 1608, später setzten sich die Briten durch, und dieses doppelte Erbe ist im Alltag präsent: In Québec ist Französisch Amtssprache, Straßenschilder und Speisekarten sind auf Französisch, und viele Menschen sprechen ein ganz eigenes, melodisches Québécois. New Brunswick ist die einzige offiziell zweisprachige Provinz. Eishockey ist mehr Religion als Sport, und an einem Samstagabend in einer Bar in Montreal oder Toronto spürt man schnell, wie ernst es den Fans ist.
Essen und Trinken in Kanada
Das bekannteste Gericht ist Poutine: Pommes frites mit quietschendem Käsebruch und brauner Sauce, ursprünglich aus dem ländlichen Québec, inzwischen überall zu haben. Im Frühjahr laden die Zuckerhütten Québecs zum Ahornsirup-Essen mit Erbsensuppe, Speck und Pfannkuchen, und wer Glück hat, bekommt Ahorntoffee, das auf Schnee gegossen wird. An der Atlantikküste gibt es Hummer, Austern von Prince Edward Island und in Neufundland Kabeljau in allen Variationen. British Columbia ist für Wildlachs und Dungeness-Krabben bekannt, im Okanagan Valley wachsen Weine, die international Beachtung finden, und auf der Niagara-Halbinsel wird Eiswein gekeltert, nach deutschem Vorbild. In Alberta steht Rindfleisch im Mittelpunkt. Die vielen Einwanderergemeinschaften sorgen dafür, dass Toronto und Vancouver zu den besten Städten Nordamerikas für chinesische, indische oder vietnamesische Küche gehören.
Anreise und Unterwegs in Kanada
Direktflüge aus Deutschland führen vor allem nach Toronto, Montreal, Vancouver und Calgary, im Sommer zusätzlich nach Halifax und Edmonton. Nach Toronto ist man etwa achteinhalb Stunden unterwegs, nach Vancouver rund zehn. Deutsche benötigen für die Einreise per Flugzeug einen gültigen Reisepass und eine elektronische Reisegenehmigung (eTA), die online beantragt wird und meist innerhalb von Minuten erteilt ist; vor der Reise lohnt ein Blick auf die aktuellen Bestimmungen. Innerhalb Kanadas sind Inlandsflüge wegen der Distanzen oft unvermeidlich. Die Bahngesellschaft VIA Rail verbindet Québec, Montreal, Ottawa und Toronto im Korridor recht zuverlässig, der Langstreckenzug „The Canadian“ braucht von Toronto nach Vancouver dagegen vier Nächte und ist eher Erlebnis als Transportmittel. Für Rundreisen durch die Rockies oder die Atlantikprovinzen ist ein Mietwagen oder Camper die beste Wahl, Fähren verbinden das Festland mit Vancouver Island, Prince Edward Island und Neufundland.
Beste Reisezeit für Kanada
Die beste Reisezeit für Kanada liegt für die meisten Ziele zwischen Juni und September. Im Juli und August werden in Toronto und Montreal oft 25 bis 30 Grad erreicht, in den Rockies ist es tagsüber angenehm warm, nachts aber frisch, und die Bergseen sind meist erst ab Mitte Juni eisfrei. Der September bringt weniger Besucher und in Ontario und Québec ab Ende des Monats die Laubfärbung, den „Indian Summer“, der bis Mitte Oktober anhält. Vancouver hat ein mildes, aber regenreiches Klima, der Sommer ist dort meist trocken. Der Winter ist lang und kalt: In Montreal und Ottawa liegen die Temperaturen im Januar oft bei minus 10 bis minus 20 Grad, in den Prärien noch darunter. Für Skifahrer in Whistler, Banff oder Mont-Tremblant ist die Zeit von Dezember bis März ideal, und für Polarlichter im Yukon empfehlen sich die Monate September bis März.
Kanada Reiseziele abseits der Klassiker
Neben Rockies, Niagara und den großen Städten gibt es Kanada Reiseziele, die weniger bekannt sind und doch viel bieten: der Cabot Trail auf Cape Breton Island, eine Panoramastraße mit Walbeobachtung und keltischer Fiddlemusik in den Pubs, die Gaspésie-Halbinsel in Québec mit dem Felsentor von Percé, der Gros-Morne-Nationalpark in Neufundland mit seinen Fjorden oder Dawson City im Yukon, wo die Holzhäuser aus der Goldrauschzeit noch stehen. Wer Zeit mitbringt, erlebt hier ein Land, in dem man stundenlang fahren kann, ohne einer Ampel zu begegnen.

















