Montreal entdecken: Mont Royal, Bagels und Festivals
Reiseführer · redaktionellIn Montreal sagt man „Bonjour-Hi“, isst Bagels aus dem Holzofen und feiert den Sommer mit einem Festival nach dem anderen. Eine Städtereise nach Montreal verbindet europäisches Flair, nordamerikanische Lässigkeit und eine der lebendigsten Kulturszenen Kanadas.
Eine Insel im Sankt-Lorenz-Strom
Montreal liegt auf einer Insel im Sankt-Lorenz-Strom. Hier stand das Irokesendorf Hochelaga, das Jacques Cartier 1535 besuchte. 1642 gründeten französische Missionare Ville-Marie, das bald zum Zentrum des Pelzhandels wurde. Nach der britischen Eroberung 1760 blieb die Stadt mehrheitlich französischsprachig, während englischsprachige Kaufleute die Wirtschaft dominierten. Bis in die 1970er-Jahre war Montreal die größte Stadt Kanadas; die Weltausstellung 1967 und die Olympischen Spiele 1976 hinterließen markante Bauwerke. Heute ist sie die zweitgrößte frankophone Stadt der Welt nach Paris, wenn man nur Muttersprachler zählt.
Sehenswürdigkeiten in Montreal
Im Vieux-Montréal, der Altstadt im Bezirk Ville-Marie, erhebt sich die neugotische Basilika Notre-Dame mit einem Innenraum in Blau und Gold, in dem Licht- und Klangshows stattfinden. Die Place Jacques-Cartier und die Rue Saint-Paul mit ihren Steinhäusern führen hinunter zum Alten Hafen, wo im Sommer Riesenrad, Zipline und Bootstouren locken. Das Museum Pointe-à-Callière zeigt die Ursprünge der Stadt in archäologischen Ausgrabungen. Über der Stadt liegt der Mont Royal, ein von Frederick Law Olmsted gestalteter Park; vom Kondiaronk-Aussichtspunkt blickt man über die Skyline. An seinem Hang thront das Oratorium Saint-Joseph mit einer der größten Kirchenkuppeln der Welt. Im Osten stehen das Olympiastadion mit seinem schiefen Turm und das Biodôme.
Viertel: Plateau, Mile End und Petite-Italie
Das Plateau-Mont-Royal ist für seine bunten Reihenhäuser mit außenliegenden Wendeltreppen bekannt, die Rue Saint-Denis und der Boulevard Saint-Laurent sind gesäumt von Cafés und Boutiquen. Im angrenzenden Mile End wohnen Künstler und Musiker, in der Petite-Patrie liegt der Marché Jean-Talon, einer der größten Freiluftmärkte Nordamerikas. Le Sud-Ouest mit dem Lachine-Kanal, Verdun mit seinem Stadtstrand am Fluss und das multikulturelle Côte-des-Neiges zeigen weitere Seiten. Unter der Innenstadt verbindet die Ville souterraine Metrostationen, Einkaufszentren und Bürotürme über rund 30 Kilometer – im Winter ein beliebter Weg, um der Kälte zu entgehen. Jenseits des Flusses liegen der Parc Jean-Drapeau auf den Inseln Sainte-Hélène und Notre-Dame mit der Biosphère, der geodätischen Kuppel der Expo 67, und der Formel-1-Rennstrecke Circuit Gilles-Villeneuve. Habitat 67, eine Wohnanlage aus übereinandergestapelten Betonwürfeln von Moshe Safdie, ist am Hafen ein architektonischer Klassiker.
Essen in Montreal
Montreal ist eine Stadt für Feinschmecker. Klassiker sind Poutine, Pommes frites mit Käsebruch und Bratensoße, das geräucherte Rindfleisch-Sandwich, das in Delis wie Schwartz’s seit 1928 serviert wird, und die kleinen, süßlichen Bagels aus dem Holzofen, für die Mile End berühmt ist. Im Frühjahr lädt die Cabane à sucre im Umland zu Ahornsirup-Festessen ein. Die Restaurants in Montreal reichen von Bistros nach französischem Vorbild bis zu libanesischen, portugiesischen und haitianischen Lokalen. Viele kleine Restaurants sind „Apportez votre vin“ – man bringt den Wein selbst mit.
Festivals und Ausgehen
Im Sommer reiht sich ein Festival an das nächste: Das Festival International de Jazz ist eines der größten der Welt, dazu kommen „Juste pour rire“, das Comedy-Festival, die Francofolies und das Feuerwerksfestival La Ronde. Das Quartier des Spectacles im Zentrum bietet kostenlose Konzerte und Lichtinstallationen. Selbst im Winter feiert Montreal: Bei Igloofest wird unter freiem Himmel im Schnee getanzt, Montréal en Lumière bringt Licht und Kulinarik in die kälteste Zeit. Abends füllen sich die Bars am Boulevard Saint-Laurent, im Village und im Plateau.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Montréal-Trudeau liegt rund 20 Kilometer westlich; der Bus 747 fährt rund um die Uhr ins Zentrum, eine Anbindung an das automatische Bahnnetz REM ist im Bau. Die Métro mit ihren vier Linien und gummibereiften Zügen ist schnell und zuverlässig, das Leihradsystem BIXI wird im Sommer stark genutzt. Züge fahren nach Québec, Ottawa und Toronto. Die beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober; im Herbst leuchten die Wälder der nahen Laurentides. Der Winter ist lang und kalt, aber schneesicher und voller Leben.















