Portugal entdecken: Von Lissabon bis an die Algarve
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in Portugal führt an den westlichsten Rand des europäischen Festlands, wo der Atlantik die Küste formt und die Küche bestimmt. Auf rund 800 Kilometern Küstenlinie folgen Surfstrände, Felsalgarve und Fischerdörfer, im Hinterland liegen Weinberge, Korkeichenwälder und Granitdörfer. Dazu kommen Madeira und die Azoren, zwei Inselwelten mitten im Ozean.
Regionen von Minho bis Algarve
Der Norden ist grün und hügelig. Im Minho ranken Reben für den spritzigen Vinho Verde an Pergolen, im Nationalpark Peneda-Gerês stehen Granitdörfer mit steinernen Kornspeichern. Östlich von Porto schneidet der Douro ein tiefes Tal in den Schiefer, an dessen Hängen terrassierte Weinberge den Portwein liefern. Das Zentrum mit der Serra da Estrela, dem höchsten Gebirge des Festlands, ist eine Gegend für Wanderer und Käseliebhaber.
Südlich des Tejo beginnt der Alentejo, eine weite Ebene mit Korkeichen, Olivenhainen und weiß gekalkten Städten wie Évora und Monsaraz. Hier ist es im Sommer heiß und still. Ganz im Süden liegt die Algarve, deren Felsküste rund um Lagos und die Grotte von Benagil zu den meistfotografierten Motiven Portugals gehört. Westlich davon, an der Costa Vicentina, ist die Küste wilder und windiger. Madeira mit seinen Levadas, den alten Bewässerungskanälen, und die neun Azoreninseln mit Kraterseen und Walbeobachtung sind eigene Reiseziele für sich.
Lissabon, Porto und die Städte
Lissabon liegt auf Hügeln über der Mündung des Tejo, und gelbe Straßenbahnen wie die Linie 28 klettern durch die Gassen der Alfama. Zu den Sehenswürdigkeiten in Portugals Hauptstadt gehören das Hieronymitenkloster und der Turm von Belém, die Aussichtspunkte, die man hier Miradouros nennt, und das Ausgehviertel Bairro Alto. Ein Tagesausflug führt nach Sintra mit seinen märchenhaften Palästen im Nebelwald, ein anderer an die Küste von Cascais und Estoril, wo sich schon Könige und Spione in den Villen erholten.
Porto, die zweite große Stadt, wirkt etwas rauer und ehrlicher. Die Häuserfronten der Ribeira stapeln sich am Ufer des Douro, auf der anderen Seite in Vila Nova de Gaia lagern die Portweinkellereien ihre Fässer. Der Bahnhof São Bento ist mit blau-weißen Azulejos ausgekleidet. Braga gilt als religiöses Zentrum mit der Wallfahrtstreppe des Bom Jesus, Coimbra als Universitätsstadt mit einer der ältesten Hochschulen Europas. An der Algarve sind Albufeira, Portimão, Lagos und Quarteira die bekanntesten Orte, auf Madeira ist Funchal mit seiner Markthalle Mercado dos Lavradores der Ausgangspunkt für Erkundungen der Insel.
Kultur und Geschichte
Portugal gehört zu den ältesten Nationalstaaten Europas, seine Grenzen sind seit dem 13. Jahrhundert weitgehend unverändert. Im 15. und 16. Jahrhundert segelten von hier Seefahrer wie Vasco da Gama nach Indien, und der Reichtum aus dem Gewürzhandel floss in Bauwerke im Stil der Manuelinik mit steinernen Tauen, Muscheln und Armillarsphären. Das große Erdbeben von 1755 zerstörte Lissabon fast vollständig, die Unterstadt Baixa wurde danach im Raster neu errichtet. Die Nelkenrevolution von 1974 beendete fast unblutig die Diktatur, und der 25. April ist bis heute Feiertag.
Musikalisch steht der Fado für das portugiesische Lebensgefühl, die Saudade, eine Mischung aus Sehnsucht und Wehmut. In den kleinen Fadohäusern der Alfama und der Mouraria wird abends gesungen, in Coimbra pflegen Studenten eine eigene, männliche Fado-Tradition. Im Juni feiern Lissabon und Porto ihre Stadtheiligen mit gegrillten Sardinen, Basilikumtöpfen und Straßenfesten bis zum Morgen.
Essen und Trinken
Bacalhau, getrockneter Kabeljau, ist der Nationalfisch, obwohl er aus dem Nordatlantik stammt. Es heißt, es gäbe so viele Rezepte wie Tage im Jahr, etwa Bacalhau à Brás mit Strohkartoffeln und Ei. An der Küste wird Fisch einfach gegrillt, dazu gibt es Kartoffeln und Salat. Porto ist berühmt für die Francesinha, ein üppiges Sandwich mit Fleisch, geschmolzenem Käse und Biersoße, Lissabon für die Pastéis de Nata, die in Belém seit 1837 nach Geheimrezept gebacken werden. Im Alentejo kommen Schweinefleisch mit Muscheln und Brotsuppen auf den Tisch.
Neben Portwein und Vinho Verde wachsen im Douro, im Dão und im Alentejo kräftige Rotweine, auf Madeira entsteht der gleichnamige Likörwein. Ein Espresso heißt in Lissabon Bica und in Porto Cimbalino, und in fast jeder Pastelaria steht ein Glasschrank voller Gebäck.
Unterwegs in Portugal
Aus Deutschland gibt es Direktflüge nach Lissabon, Porto und Faro sowie nach Funchal und Ponta Delgada auf den Azoren. Die Bahn verbindet Lissabon und Porto mit dem Schnellzug Alfa Pendular in knapp drei Stunden, die Strecke an die Algarve ist ebenfalls gut befahren. Fernbusse erreichen auch kleinere Städte. Wer den Alentejo, das Douro-Tal oder die Westküste der Algarve erkunden möchte, ist mit dem Mietwagen am flexibelsten. Auf vielen Autobahnen wird die Maut elektronisch erfasst, Mietwagen haben dafür meist ein Gerät an Bord.
Beste Reisezeit für Portugal
Die beste Reisezeit für Portugal sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni und im September und Oktober liegen die Temperaturen in Lissabon bei angenehmen 20 bis 27 Grad, an der Algarve ist es oft noch etwas wärmer. Im Juli und August wird es im Alentejo und im Douro-Tal heiß, an der Küste bleibt es dank des Atlantikwinds erträglich. Das Meer ist allerdings kühl, an der Westküste selten über 20 Grad, an der Algarve um 21 bis 23 Grad. Surfer schätzen den Herbst und Winter, wenn in Nazaré gewaltige Wellen anrollen. Madeira ist mit Temperaturen um 18 bis 25 Grad das ganze Jahr über ein mildes Ziel.













