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Irland

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§ 4

Irland entdecken: Grüne Insel am Atlantik

Reiseführer · redaktionell

Ein Urlaub in Irland handelt vom Wetter, das sich alle halbe Stunde ändert, von Steinmauern auf grünen Weiden und von Pubs, in denen am Abend jemand eine Fiedel auspackt. Die Republik nimmt rund fünf Sechstel der Insel ein und ist kleiner als Bayern, doch die Westküste allein füllt mühelos zwei Wochen. Zwischen Dublin und den Klippen am Atlantik liegen Landschaften, die man so schnell nicht vergisst.

Landschaften der grünen Insel

Irlands Westen ist rau und windgepeitscht. Die Cliffs of Moher in der Grafschaft Clare stürzen bis zu 214 Meter in den Atlantik, gleich daneben liegt der Burren, eine Kalksteinwüste, in deren Spalten im Frühjahr Enziane und Orchideen blühen. Der Wild Atlantic Way, eine ausgeschilderte Küstenroute von rund 2.500 Kilometern, führt von der Halbinsel Inishowen im Norden bis nach Kinsale im Süden. Unterwegs liegen Connemara mit Mooren, Seen und den Twelve Bens, die Aran-Inseln mit ihren prähistorischen Steinforts und Donegal mit den Klippen von Slieve League.

Im Südwesten ragen die Halbinseln Kerry und Dingle wie Finger ins Meer. Der Ring of Kerry ist die bekannteste Panoramastraße des Landes, der Nationalpark von Killarney mit Seen, Eichenwäldern und Rotwild liegt an ihrem Anfang. Vor der Küste erhebt sich Skellig Michael, eine Felsinsel mit frühmittelalterlichen Mönchszellen, die im Sommer per Boot erreichbar ist. Das Landesinnere ist flacher, mit dem Fluss Shannon, Torfmooren und den Wicklow Mountains südlich von Dublin, deren Klostersiedlung Glendalough in einem Gletschertal liegt.

Dublin, Galway, Cork und die Städte

Dublin ist die mit Abstand größte Stadt und zugleich der Ausgangspunkt fast jeder Irland-Reise. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Irland gehören hier das Trinity College mit dem Book of Kells, die georgianischen Plätze mit ihren bunten Haustüren, die St. Patrick's Cathedral und das Guinness Storehouse, wo man den Blick über die Stadt bei einem Pint genießt. Das Viertel Temple Bar ist touristisch, echte Pubs findet man eher in den Seitenstraßen. Mit der Vorortbahn DART erreicht man in einer halben Stunde Küstenorte wie Howth oder Dún Laoghaire mit seinem Pier.

Cork im Süden versteht sich als heimliche Hauptstadt, mit dem überdachten English Market und dem nahen Hafen Cobh, letzter Anlaufpunkt der Titanic. Galway an der Westküste ist eine bunte Studentenstadt, in der Straßenmusiker die Shop Street füllen und im Juli ein großes Kunstfestival stattfindet. Limerick am Shannon hat eine mittelalterliche Burg aus der Zeit König Johns, Waterford ist die älteste Stadt des Landes, von Wikingern gegründet und bekannt für Kristallglas. Kilkenny mit seiner Burg und Brauereitradition und das touristische Killarney runden die Liste der Irland Reiseziele ab.

Kultur und Geschichte

Ganggräber wie Newgrange im Boyne-Tal sind über 5.000 Jahre alt, zur Wintersonnenwende fällt die aufgehende Sonne durch einen Lichtschlitz in die Grabkammer. Später brachten Mönche Klöster und Hochkreuze ins Land, Wikinger gründeten Städte, Normannen bauten Burgen. Jahrhunderte britischer Herrschaft, die Große Hungersnot der 1840er Jahre und die Auswanderung von Millionen nach Amerika prägen das kollektive Gedächtnis. Seit 1922 ist der Süden unabhängig, Nordirland gehört weiterhin zum Vereinigten Königreich.

Musik und Erzählkunst sind allgegenwärtig. In vielen Pubs finden abends Sessions statt, bei denen Musiker mit Fiedel, Tin Whistle und Bodhrán zusammen spielen. Gälische Sportarten wie Hurling und Gaelic Football füllen große Stadien, und in der Gaeltacht, vor allem in Connemara, Donegal und Kerry, wird im Alltag Irisch gesprochen. Der St. Patrick's Day am 17. März wird landesweit mit Paraden gefeiert, Dublin pflegt mit dem Bloomsday im Juni die Erinnerung an James Joyce.

Essen und Trinken in Irland

Die irische Küche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Klassiker bleiben Irish Stew mit Lamm, Kartoffeln und Zwiebeln, Soda Bread und das Full Irish Breakfast mit Black und White Pudding. An der Küste werden Austern aus Galway, Muscheln und Räucherlachs serviert, Weidebutter und Rindfleisch haben Weltruf. Zum Pint Guinness oder einem Smithwick's passt ein Whiskey aus einer der vielen neuen Brennereien. Irish Coffee soll übrigens in den 1940er Jahren im Wasserflughafen Foynes an der Shannon-Mündung erfunden worden sein.

Unterwegs in Irland

Aus Deutschland fliegt man direkt nach Dublin, teils auch nach Cork, Shannon und Knock. Wer mit dem eigenen Auto kommen möchte, nimmt eine Fähre aus Frankreich nach Rosslare oder Dublin. Im Land verbinden Züge Dublin mit Cork, Galway, Limerick und Waterford, Überlandbusse erreichen auch kleinere Orte. Für den Westen und die Halbinseln ist ein Mietwagen aber fast unverzichtbar. Es herrscht Linksverkehr, die Landstraßen sind schmal und kurvig, und hinter jeder Kurve kann eine Schafherde stehen.

Beste Reisezeit für Irland

Die beste Reisezeit für Irland liegt zwischen Mai und September. Dann sind die Tage lang, im Juni wird es erst gegen 22 Uhr dunkel, und die Temperaturen liegen bei 15 bis 20 Grad. Mai und Juni sind oft die trockensten Monate, Juli und August die wärmsten und vollsten. Regen gehört zu jeder Jahreszeit dazu, ebenso Regenbogen und plötzliche Sonnenfenster. Der Golfstrom sorgt für milde Winter um 8 Grad, Schnee ist selten. Wer die Ruhe sucht, reist im April oder Oktober, wenn sich die Ausflugsziele leeren.