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Ukraine

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Ukraine: Porträt eines Landes im Krieg

Reiseführer · redaktionell

Für die gesamte Ukraine gilt wegen des russischen Angriffskriegs eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts, Raketen- und Drohnenangriffe treffen landesweit auch zivile Ziele. Dieser Text ist deshalb keine Einladung zu einer Ukraine Reise, sondern ein Porträt des Landes, seiner Städte und seiner Kultur, für die Zeit, in der Urlaub in der Ukraine wieder möglich sein wird.

Die Lage im Land

Seit dem 24. Februar 2022 führt Russland einen großflächigen Krieg gegen die Ukraine, nachdem es bereits 2014 die Halbinsel Krim völkerrechtswidrig annektiert und Teile des Donbas unter seine Kontrolle gebracht hatte. Der zivile Luftraum ist gesperrt, in vielen Regionen gelten Ausgangssperren, Luftalarm gehört zum Alltag. Millionen Menschen sind geflohen oder wurden innerhalb des Landes vertrieben. Wer aus beruflichen oder humanitären Gründen dennoch einreisen muss, sollte sich eng an die aktuellen Hinweise der Behörden halten. Gleichzeitig geht das Leben in vielen Städten weiter: Theater spielen, Cafés öffnen, Konzerte finden in Schutzräumen statt. Diese Widerstandskraft ist inzwischen selbst Teil des Selbstverständnisses des Landes geworden.

Kyjiw: Kuppeln über dem Dnipro

Die Hauptstadt liegt auf hohen Hügeln am Westufer des Dnipro. Ihr ältestes Wahrzeichen ist die Sophienkathedrale aus dem 11. Jahrhundert mit goldenen Kuppeln und byzantinischen Mosaiken, gemeinsam mit dem Höhlenkloster Kyjiw-Petschersk, dessen unterirdische Gänge Mönchsgräber bergen, gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Der Andreassteig, eine steile Kopfsteinpflastergasse mit Galerien und Ständen, führt hinunter in das alte Händlerviertel Podil. Der Chreschtschatyk, der breite Prachtboulevard, und der Maidan Nesaleschnosti sind Orte, an denen sich die jüngere Geschichte des Landes verdichtet hat, von der Orangen Revolution 2004 bis zur Revolution der Würde 2014. In Friedenszeiten waren Kyjiws Kaffeehäuser, Clubs und Märkte wie der Bessarabska-Markt Anziehungspunkte für junge Reisende aus ganz Europa.

Lwiw, Czernowitz und der Westen

Lwiw, deutsch Lemberg, war lange Teil Polen-Litauens und später der Habsburgermonarchie, und das sieht man: Rund um den Marktplatz Rynok stehen Renaissance- und Barockhäuser, Kirchen dreier Konfessionen liegen nur wenige Schritte auseinander, und die Kaffeehauskultur erinnert an Wien. Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe. Weiter südlich ist Czernowitz, ukrainisch Tscherniwzi, die frühere Hauptstadt der Bukowina, eine Stadt mit deutsch-jüdischer Literaturgeschichte, in der Paul Celan und Rose Ausländer aufwuchsen. Die Residenz der Bukowiner Metropoliten aus rotem Backstein beherbergt heute die Universität. In den Karpaten bewahren die Huzulen ihre Holzkirchen, Schnitzereien und das Spiel auf der Trembita, einem bis zu drei Meter langen Alphorn. Winnyzja in Zentralukraine war vor dem Krieg für ihre große Lichtfontäne auf dem Südlichen Bug bekannt.

Odessa und der Süden

Odessa wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Hafenstadt am Schwarzen Meer gegründet und von Kaufleuten aus halb Europa geprägt. Die Potemkinsche Treppe führt vom Boulevard hinunter zum Hafen, das Opernhaus gilt als eines der schönsten Europas, und das historische Zentrum wurde 2023 zum UNESCO-Welterbe erklärt und zugleich als gefährdet eingestuft; Angriffe haben seither auch Baudenkmäler wie die Verklärungskathedrale beschädigt. Der Odessaer Humor, die Hinterhöfe mit Weinranken und die Strände von Arkadia gehörten einst ebenso zum Bild wie Fischmärkte und Sommerkonzerte. Im Osten und Süden liegen Industriestädte wie Dnipro, Charkiw und Saporischschja mit ihren Universitäten, konstruktivistischer Architektur und einer lebendigen Kunstszene; gerade Charkiw ist jedoch seit Kriegsbeginn immer wieder schweren Angriffen ausgesetzt. Die Krim mit Sewastopol und den Palästen an der Südküste ist seit 2014 von Russland besetzt.

Kultur, Geschichte und Bräuche

Die ukrainische Identität hat tiefe Wurzeln, von der Kiewer Rus im Mittelalter über die Kosakenrepublik am Dnipro bis zur Unabhängigkeit 1991. Bestickte Hemden, die Wyschywanka, werden zu Feiertagen getragen, jede Region hat eigene Muster. Zu Ostern bemalt man Eier in aufwendigen Pysanky-Mustern, an Weihnachten singt man Koljadky von Haus zu Haus. Die Erinnerung an den Holodomor, die von Stalin verursachte Hungersnot der Jahre 1932 und 1933, ist ein zentraler Teil des Geschichtsbewusstseins, ebenso Tschernobyl, wo sich 1986 die Reaktorkatastrophe ereignete.

Essen und Trinken

Die ukrainische Küche ist bäuerlich und üppig. Borschtsch aus Roter Bete, Kohl und Fleisch, mit Schmand und Knoblauchbrötchen namens Pampuschky, wurde 2022 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt, das dringend geschützt werden muss. Wareniki, gefüllte Teigtaschen mit Kartoffeln, Quark oder Kirschen, Holubzi, Kohlrouladen, und Salo, gesalzener Speck, gehören auf jede Festtafel. Dazu kommen Horilka, der ukrainische Wodka, oft mit Honig und Chili angesetzt, und Kwas aus Brot. In Lwiw wird Schokolade und Kaffee mit fast zeremoniellem Ernst zubereitet.

Beste Reisezeit für die Ukraine, wenn es die Lage zulässt

Sobald Reisen wieder möglich sind, eignen sich Mai, Juni und September am besten, mit Temperaturen von 18 bis 25 Grad. Der Sommer ist warm, in Odessa und an der Schwarzmeerküste oft über 30 Grad, ideal für Strandtage. Die Winter sind lang und kalt, in den Karpaten liegt dann viel Schnee. Bis dahin gilt: Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts ist eindeutig, und von touristischen Reisen in die Ukraine ist dringend abzusehen.