Polen entdecken: Städte, Ostsee und Tatra
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in Polen ist von Deutschland aus oft nur wenige Autostunden entfernt und trotzdem überraschend vielfältig: Backsteingotik in Danzig, Renaissance in Krakau, Dünen an der Ostsee und Granitgipfel in der Tatra. Dazu kommen Städte, die sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert haben, und eine Küche, die weit mehr kann als Pierogi.
Krakau und der Süden
Krakau war bis 1596 Hauptstadt und blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört. Der Rynek Główny, einer der größten mittelalterlichen Marktplätze Europas, wird von den Tuchhallen und der Marienkirche beherrscht, von deren Turm stündlich ein Trompeter das Hejnał bläst und mitten in der Melodie abbricht. Auf dem Wawel-Hügel stehen Königsschloss und Kathedrale. Das frühere jüdische Viertel Kazimierz ist heute voller Cafés und Bars, die alten Synagogen erinnern an die Geschichte. Etwa 70 Kilometer westlich liegt die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, ein Ort, für den man sich Zeit und Ruhe nehmen sollte; Führungen sind ratsam und rechtzeitig zu buchen. Näher an Krakau liegt das Salzbergwerk Wieliczka mit unterirdischen Kapellen, deren Kronleuchter aus Salzkristallen bestehen. Weiter südlich, unterhalb der Hohen Tatra, ist Zakopane der Ausgangspunkt für Wanderungen zum Bergsee Morskie Oko oder auf den Kasprowy Wierch. Die Holzhäuser im Zakopane-Stil und der geräucherte Schafskäse Oscypek, den man an jedem Straßenstand bekommt, gehören zum Bild der Region.
Danzig, Breslau, Posen: Polen Reiseziele mit Geschichte
Danzig an der Ostsee bildet mit Sopot und Gdynia die Dreistadt. Die Lange Gasse mit dem Neptunbrunnen, das hölzerne Krantor an der Mottlau und die Marienkirche prägen die Rechtstadt, die nach 1945 aufwendig wieder aufgebaut wurde. Auf der Werft begann 1980 die Solidarność-Bewegung; das Europäische Solidarność-Zentrum erzählt davon ebenso eindrucksvoll wie das Museum des Zweiten Weltkriegs. Breslau, polnisch Wrocław, ist eine Stadt der Brücken und Inseln an der Oder. Auf dem Marktplatz steht ein gotisches Rathaus, und überall in der Stadt verstecken sich kleine Bronzezwerge, inzwischen mehrere Hundert, nach denen Kinder und Erwachsene gleichermaßen suchen. In Posen stoßen jeden Mittag um zwölf Uhr zwei mechanische Ziegenböcke am Rathausturm die Hörner aneinander. Stettin an der Oder liegt kaum 150 Kilometer von Berlin entfernt, Kattowitz im oberschlesischen Industrierevier hat sich mit einer neuen Konzerthalle und dem Schlesischen Museum in einer ehemaligen Zeche neu erfunden.
Warschau: die wiederaufgebaute Hauptstadt
Warschau wurde im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört. Die Altstadt wurde nach Gemälden, Fotografien und Plänen rekonstruiert und steht heute als Beispiel eines gelungenen Wiederaufbaus auf der UNESCO-Liste. Daneben ist die Stadt ein Ort der Hochhäuser, angefangen beim Kulturpalast, einem Geschenk Stalins, bis zu den Glastürmen im Bezirk Wola. Das Museum des Warschauer Aufstands und das POLIN-Museum der Geschichte der polnischen Juden gehören zu den besten Museen des Landes. Am Wochenende zieht es die Warschauer in den Łazienki-Park, wo im Sommer sonntags kostenlose Chopin-Konzerte am Denkmal des Komponisten stattfinden.
Ostsee, Masuren und Nationalparks
Die polnische Ostseeküste ist rund 500 Kilometer lang und fast durchgehend Sandstrand. Auf Usedom liegt Świnoujście, im Słowiński-Nationalpark bei Łeba wandern bis zu 40 Meter hohe Dünen. Die Halbinsel Hel ist ein Revier für Kitesurfer. Im Nordosten liegen die Masuren mit mehr als 2.000 Seen, verbunden durch Kanäle, auf denen man mit dem Hausboot oder dem Kajak unterwegs ist. Im Białowieża-Urwald an der Grenze zu Belarus leben frei lebende Wisente. Zu den weniger bekannten Sehenswürdigkeiten in Polen gehören die Holzkirchen Kleinpolens und die Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer, beide UNESCO-Welterbe.
Polnische Küche
Pierogi gibt es mit Kartoffel-Quark-Füllung, mit Sauerkraut und Pilzen oder im Sommer süß mit Blaubeeren. Żurek, eine säuerliche Mehlsuppe mit Wurst und Ei, wird oft im ausgehöhlten Brotlaib serviert. Bigos, ein Eintopf aus Sauerkraut, Fleisch und Pilzen, schmeckt am dritten Tag am besten. In Milchbars, den Bar mleczny, isst man solche Gerichte bis heute zu günstigen Preisen. Zum Frühstück gibt es frische Brötchen und Quark mit Schnittlauch, in Krakau am Straßenstand den Kringel Obwarzanek. Polen hat eine starke Tradition beim Wodka, von Kräuterwodka mit Büffelgras bis zu Kirschlikör, doch in den Städten haben sich auch Craft-Bier und Weinbars etabliert. Weingüter gibt es inzwischen in Niederschlesien und um Zielona Góra.
Anreise und Unterwegs in Polen
Die großen Flughäfen sind Warschau-Chopin (WAW), Krakau (KRK), Danzig (GDN), Breslau (WRO) und Kattowitz (KTW). Von Berlin fahren Eurocity-Züge nach Warschau und Danzig, von Dresden nach Breslau. Innerhalb des Landes ist die staatliche Bahn PKP Intercity schnell und preiswert, die Pendolino-Züge verbinden Warschau mit Krakau in gut zwei Stunden. Autobahnen und Schnellstraßen sind teils mautpflichtig, auf einigen Abschnitten wird elektronisch abgerechnet. Bezahlt wird mit Złoty, Euro werden selten akzeptiert, Kartenzahlung ist aber nahezu überall möglich.
Beste Reisezeit für Polen
Die beste Reisezeit für Polen sind die Monate Mai bis September. Im Juli und August liegen die Temperaturen meist bei 22 bis 27 Grad, an der Ostsee und in den Masuren ist Hauptsaison. Für Städtereisen nach Krakau, Danzig oder Breslau eignen sich Mai, Juni und September besonders, weil es dann angenehm warm und weniger voll ist. In der Tatra beginnt die Wandersaison im Juni, ab Dezember wird Zakopane zum Wintersportort. In der Adventszeit lohnen die Weihnachtsmärkte, etwa auf dem Krakauer Marktplatz, wo auch die bunten Krippen, die Szopki, ausgestellt werden.

















