Breslau entdecken: Zwerge, Dominsel und Brücken
Reiseführer · redaktionellÜberall in Breslau, polnisch Wrocław, verstecken sich kleine Bronzezwerge: an Laternen, vor Banken, an Geldautomaten und auf Fensterbänken. Über 600 sollen es inzwischen sein, und die Suche nach ihnen ist zu einem Spiel für Besucher geworden. Die niederschlesische Hauptstadt an der Oder ist eine Stadt der Inseln und Brücken, mit einem der schönsten Marktplätze Polens. Eine Städtereise nach Breslau ist entspannt, preiswert und voller Geschichte.
Eine Stadt mit vielen Namen
Breslau gehörte im Laufe der Jahrhunderte zu Polen, Böhmen, Österreich und Preußen. Bis 1945 war es eine deutsche Großstadt. Im Frühjahr 1945 wurde es als „Festung Breslau“ schwer zerstört, die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben, und Polen aus den an die Sowjetunion gefallenen Ostgebieten, vor allem aus Lemberg, siedelten sich an. Die Zwerge erinnern an die „Orangene Alternative“, eine Protestbewegung der 1980er-Jahre, die mit Zwergen-Graffiti das kommunistische Regime verspottete. 2016 war Breslau Kulturhauptstadt Europas.
Sehenswürdigkeiten in Breslau
Der Rynek, der Marktplatz, ist von bunten Bürgerhäusern gesäumt, in der Mitte steht das gotische Rathaus mit seinen Giebeln und der astronomischen Uhr. Im Keller befindet sich der Schweidnitzer Keller, einer der ältesten Gaststätten Europas. Auf der Dominsel, dem ältesten Teil der Stadt, stehen die Kathedrale Johannes des Täufers und weitere Kirchen; abends zündet ein Laternenanzünder die Gaslaternen von Hand an. Die Universität besitzt mit der Aula Leopoldina einen der prachtvollsten Barocksäle Mitteleuropas. Die Jahrhunderthalle, ein Pionierbau des Stahlbetons von Max Berg aus dem Jahr 1913, ist UNESCO-Welterbe; daneben liegt ein Japanischer Garten.
Museen und Kultur
Das Panorama von Racławice, ein riesiges Rundgemälde, zeigt die Schlacht von 1794 gegen die russische Armee. Das Nationalmuseum besitzt eine bedeutende Sammlung schlesischer Kunst. Das Hydropolis ist ein interaktives Museum rund ums Wasser, und der Zoo mit dem Afrykarium gehört zu den größten Polens. Das Nationale Musikforum ist ein moderner Konzertsaal.
Essen und Ausgehen
Pierogi, Żurek und schlesische Gerichte wie Klöße mit Rouladen und Rotkohl prägen die Restaurants in Breslau. Rund um den Rynek und den Salzmarkt reihen sich Lokale, Bars und Cafés aneinander, in der Passage Niepolda gibt es Nachtleben auf engem Raum. Die Studenten der vielen Hochschulen sorgen für ein lebhaftes Ausgehleben bis spät in die Nacht.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen liegt rund zehn Kilometer westlich und ist per Bus mit dem Zentrum verbunden. Straßenbahnen und Busse erschließen die Stadt, die Altstadt ist gut zu Fuß zu entdecken. Die beste Reisezeit ist von Mai bis September, wenn man an der Oder sitzen und Boot fahren kann; im Advent lockt der große Weihnachtsmarkt auf dem Rynek. Ausflüge führen ins Riesengebirge, zum Schloss Fürstenstein und zu den Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer, riesigen Fachwerkkirchen aus dem 17. Jahrhundert, die UNESCO-Welterbe sind. Breslau hat über hundert Brücken und Stege und zwölf Oderinseln; eine Bootsfahrt oder ein Spaziergang über die Sandinsel und die Dominsel zeigt die Stadt von ihrer schönsten Seite.












