Niederschlesien: Breslau, Riesengebirge und Bäderland
Reiseführer · redaktionellNiederschlesien ist eine Region voller Schlösser, Kurorte und Berge, und an der Oder liegt mit Breslau eine der schönsten Städte Polens. Ein Urlaub in Niederschlesien führt von bunten Bürgerhäusern am Ring zu den Kämmen des Riesengebirges, von Friedenskirchen aus Fachwerk zu Heilbädern im Glatzer Kessel.
Von der Oder zu den Sudeten
Die Woiwodschaft liegt im Südwesten Polens und grenzt an Deutschland und Tschechien. Die Oder durchfließt das fruchtbare Flachland im Norden, wo Breslau und Liegnitz liegen. Nach Süden steigen die Sudeten an: das Isergebirge um Bad Flinsberg, das Riesengebirge mit der Schneekoppe, 1.603 Meter hoch, das Waldenburger Bergland, das Eulengebirge und der Glatzer Kessel mit dem Glatzer Schneeberg bei Seitenberg. Rund 2,9 Millionen Menschen leben hier. Die Region war über Jahrhunderte böhmisch, habsburgisch und preußisch, bevor sie 1945 an Polen fiel und die deutsche Bevölkerung vertrieben wurde. Viele neue Bewohner kamen aus den an die Sowjetunion gefallenen Ostgebieten, etwa aus Lemberg.
Breslau: Stadt der hundert Brücken
Breslau liegt auf mehreren Inseln der Oder und ihrer Arme, verbunden durch rund hundert Brücken. Der Ring, einer der größten Marktplätze Europas, wird vom gotischen Rathaus beherrscht, um das sich farbige Giebelhäuser drängen. Auf der Dominsel steht der Dom Johannes des Täufers, abends zünden Laternenanzünder hier noch Gaslaternen an. Die Universität besitzt mit der Aula Leopoldina einen prachtvollen Barocksaal. Die Jahrhunderthalle von Max Berg, 1913 eröffnet, ist UNESCO-Welterbe und ein Meilenstein des Stahlbetonbaus. Überall in der Stadt verstecken sich kleine Bronzezwerge, mehrere Hundert inzwischen, die an die oppositionelle „Orangene Alternative“ der 1980er-Jahre erinnern. Das Panorama von Racławice, ein gewaltiges Rundgemälde, kam mit den Lembergern nach Breslau.
Sehenswürdigkeiten in Niederschlesien
Die Friedenskirchen von Schweidnitz und Jauer, nach dem Dreißigjährigen Krieg aus Holz und Lehm errichtet, gehören zu den größten Fachwerkkirchen Europas und sind UNESCO-Welterbe. Schloss Fürstenstein bei Waldenburg ist das größte Schloss Schlesiens, im Eulengebirge führen Stollen des NS-Projekts „Riese“ in den Berg. Krzeszów, das Kloster Grüssau, beeindruckt mit barocker Pracht. Liegnitz mit seinem Piastenschloss war lange Residenz schlesischer Herzöge. Im Hirschberger Tal stehen Dutzende Schlösser und Herrenhäuser, viele heute als Hotels genutzt. Bei Seitenberg lohnt die Bärenhöhle mit Tropfsteinen.
Die Festung Glatz thront mächtig über der Stadt Kłodzko, unter der sich ein Labyrinth aus Gängen verbirgt. Bunzlau, polnisch Bolesławiec, ist seit Jahrhunderten für sein blau getupftes Steinzeug bekannt; Manufakturen öffnen ihre Werkstätten, und im August feiert die Stadt ein Keramikfest. Nördlich von Breslau liegt Trebnitz mit dem Grab der heiligen Hedwig, der Schutzpatronin Schlesiens.
Berge und Kurorte
Krummhübel und Schreiberhau sind die Ferienorte des Riesengebirges, mit Sesselliften, Skipisten und Wanderwegen auf den Kamm. In Krummhübel steht die Stabkirche Wang, die 1842 aus Norwegen hierher versetzt wurde. Der Nationalpark Riesengebirge reicht bis zur Schneekoppe, auf deren Gipfel die tschechisch-polnische Grenze verläuft. Im Glatzer Land reihen sich Kurorte wie Bad Kudowa, Bad Reinerz und Bad Landeck mit Trinkhallen und Kurparks aneinander. Bei Bad Kudowa liegen der Heuscheuer mit bizarren Sandsteinfelsen und die Schädelkapelle von Tscherbeney.
Essen und Trinken
Die Küche verbindet polnische und schlesische Traditionen: Schlesische Klöße mit Mulde, Rouladen mit Rotkohl, Pierogi aus der Lemberger Küche. Im Riesengebirge gibt es Forellen aus den Bergbächen, und rund um Breslau haben sich viele Craft-Bier-Brauereien etabliert. In Bad Kudowa und Bad Reinerz probiert man das mineralreiche Heilwasser direkt an der Quelle.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Breslau (WRO) wird aus mehreren deutschen Städten bedient, und von Dresden oder Berlin ist Breslau mit Zug und Bus in wenigen Stunden erreichbar; über die Autobahn A4 dauert die Fahrt von Dresden etwa drei Stunden. Ins Riesengebirge fährt man von Hirschberg aus mit Regionalzügen oder Bussen. Die beste Reisezeit ist Mai bis Oktober; der Herbst färbt die Wälder des Hirschberger Tals bunt. Im Winter locken die Skigebiete von Schreiberhau und Seitenberg.













