Belgien Reise: Städte, Küste und Ardennen
Reiseführer · redaktionellBelgien ist klein genug, um es in einer Woche von der Nordseeküste bis zu den Ardennen zu durchqueren, und doch so vielschichtig, dass man nach jedem Besuch das Gefühl hat, erst angefangen zu haben. Eine Belgien Reise führt zu gotischen Rathäusern, Kanälen und Brauereien, und wer Urlaub in Belgien macht, isst ohnehin besser als in vielen größeren Ländern.
Flandern, Wallonie und die Hauptstadt
Belgien ist ein Bundesstaat aus drei Regionen. Im Norden liegt das niederländischsprachige Flandern, flach, dicht besiedelt und geprägt von den alten Handelsstädten des Mittelalters. Im Süden erstreckt sich die französischsprachige Wallonie mit den waldreichen Ardennen, tief eingeschnittenen Flusstälern von Maas, Ourthe und Semois und Burgen wie in Bouillon. Dazwischen liegt die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt. Ganz im Osten, rund um Eupen und Sankt Vith, lebt zudem eine deutschsprachige Gemeinschaft mit eigenem Parlament.
Landschaftlich überrascht das Land mit seiner Bandbreite. An der knapp 70 Kilometer langen Küste ziehen sich breite Sandstrände und Dünen entlang, die Küstentram verbindet alle Badeorte von De Panne bis Knokke. Im Hohen Venn, einer Hochmoorlandschaft an der deutschen Grenze, führen Holzstege über Torfmoose und Wollgras, und in den Ardennen locken Kajaktouren auf der Lesse und Tropfsteinhöhlen wie die Grotte von Han.
Sehenswürdigkeiten in Belgien: die Städte
Brüssel ist Sitz der wichtigsten EU-Institutionen und der NATO, doch der Alltag spielt sich anderswo ab. Die Grand-Place mit ihren vergoldeten Zunfthäusern gilt als einer der schönsten Plätze Europas, ein paar Ecken weiter steht das winzige Manneken Pis. Das Atomium im Norden der Stadt stammt von der Weltausstellung 1958, die Jugendstilhäuser von Victor Horta gehören zum Welterbe. Viertel wie Ixelles mit seinen Cafés, afrikanischen Läden im Matongé und Flohmärkten zeigen die multikulturelle Seite der Stadt.
Antwerpen ist die Stadt der Diamanten, der Mode und des Barockmalers Rubens, dessen Wohnhaus und Werke in der Liebfrauenkathedrale zu sehen sind. Der Hauptbahnhof mit seiner Kuppelhalle gehört zu den schönsten Bahnhöfen der Welt, und das Museum aan de Stroom bietet vom Dach einen weiten Blick über den Hafen. Brügge wirkt mit Kanälen, Beginenhof und Belfried wie ein Freilichtmuseum des Mittelalters und ist entsprechend gut besucht. Gent ist lebendiger und studentischer, besitzt aber mit dem Genter Altar der Brüder van Eyck in der Sankt-Bavo-Kathedrale eines der bedeutendsten Kunstwerke Europas.
Zu den weiteren Belgien Reisezielen zählen Löwen mit seiner gotischen Rathausfassade und der ältesten Universität des Landes, Lüttich mit dem spektakulären Bahnhof Guillemins und dem Sonntagsmarkt La Batte, Namur mit seiner Zitadelle über dem Zusammenfluss von Sambre und Maas sowie Ostende, wo der Maler James Ensor lebte. Charleroi, lange als graue Industriestadt verschrien, hat sich mit Street Art und Industriekultur neu erfunden.
Geschichte und Kultur
Das Gebiet des heutigen Belgien war über Jahrhunderte Schauplatz europäischer Machtkämpfe, von den Burgundern über die Spanier und Österreicher bis zu Napoleon, der 1815 bei Waterloo südlich von Brüssel seine letzte Schlacht verlor. Erst 1830 entstand der unabhängige Staat. Im Ersten Weltkrieg verlief die Westfront durch Flandern, und rund um Ypern erinnern Soldatenfriedhöfe und das Menenpoort an die Toten. Dort wird bis heute jeden Abend um 20 Uhr der Last Post gespielt.
Belgien hat eine besondere Beziehung zum Comic. Tim und Struppi, die Schlümpfe und Lucky Luke stammen von hier, und in Brüssel schmücken großformatige Comic-Wandbilder ganze Hausfassaden. In der Malerei reicht die Linie von Jan van Eyck und Pieter Bruegel bis zu René Magritte. Zu den Festen gehört der Karneval von Binche, bei dem die Gilles mit Wachsmasken und Straußenfedern durch die Straßen tanzen und Orangen in die Menge werfen.
Essen und Trinken
Belgien nimmt sein Essen ernst. Pommes frites, die hier frieten oder frites heißen, werden zweimal frittiert und in einer Papiertüte mit Mayonnaise oder Sauce andalouse verkauft. Moules-frites, Miesmuscheln mit Pommes, sind ein Klassiker an der Küste und in Brüssel. Flämisches Rindfleischragout, das in Bier geschmort wird, Waterzooi aus Gent und Chicorée mit Schinken und Käse überbacken gehören zur Hausmannskost. Waffeln gibt es in zwei Varianten: die rechteckige Brüsseler und die süßere, karamellisierte Lütticher.
Dazu kommt das Bier. Belgische Bierkultur zählt zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO, und kaum ein Land hat so viele Sorten: Trappistenbiere aus Abteien wie Westvleteren, Chimay oder Orval, saure Lambic- und Geuze-Biere aus dem Pajottenland, Kriek mit Kirschen, kräftige Tripel. Jedes Bier hat sein eigenes Glas. Pralinen von Chocolatiers aus Brüssel, Antwerpen und Brügge runden den Genuss ab.
Anreise und Unterwegs
Der wichtigste Flughafen ist Brussels Airport (BRU) in Zaventem, Billigflieger landen meist in Brussels South Charleroi (CRL), daneben gibt es Lüttich (LGG) und Antwerpen (ANR). Aus Deutschland ist die Bahn bequem: ICE und Eurostar verbinden Köln über Aachen und Lüttich in weniger als zwei Stunden mit Brüssel. Das Zugnetz ist dicht und die Wege sind kurz, Brügge, Gent und Antwerpen liegen von Brüssel aus jeweils rund eine Stunde oder weniger entfernt. Autobahnen sind mautfrei, in Brüssel, Antwerpen und Gent gelten jedoch Umweltzonen, für die ausländische Fahrzeuge vorab registriert werden müssen.
Beste Reisezeit für Belgien
Die beste Reisezeit für Belgien liegt zwischen Mai und September, wenn die Tagestemperaturen bei 18 bis 24 Grad liegen und Straßencafés und Strände voll sind. Regen gibt es zu jeder Jahreszeit, ein Schirm gehört immer ins Gepäck. Der Frühling bringt Blumenpracht, etwa im Hallerbos südlich von Brüssel, wo im April der Waldboden blau von Hasenglöckchen ist. Im Herbst sind die Ardennen besonders schön, und im Dezember locken Weihnachtsmärkte in Brüssel, Gent und Brügge. Die Städte lassen sich ganzjährig besuchen.

















