Stadt · Ebene 3

Gent

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Region
Flandern, Belgien
Einwohner
272.657
Zentrum
51.0538° N · 3.7250° E
Stadtteile
2
Gent – Stadtansicht
Gent · © unbekannt · CC BY-SA 3.0
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Karte von Gent

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§ 4

Gent entdecken: Lammaltar, Grachten und Studentenleben

Reiseführer · redaktionell

Im Halbdunkel einer Kapelle der St.-Bavo-Kathedrale leuchtet ein Altarbild, das als eines der wichtigsten Werke der europäischen Malerei gilt und mehrfach gestohlen wurde. Eine Städtereise nach Gent führt zu den Brüdern van Eyck, zu mittelalterlichen Gildehäusern an der Leie, in eine Ritterburg mitten in der Stadt und in das Nachtleben einer der größten Studentenstädte Belgiens.

Eine Stadt der Tuchmacher

Im Mittelalter war Gent nach Paris eine der größten Städte nördlich der Alpen. Die Tuchweber verarbeiteten englische Wolle, und das Selbstbewusstsein der Bürger zeigte sich in Belfried, Kirchen und Gildehäusern. Kaiser Karl V. wurde 1500 in Gent geboren, ließ die rebellischen Bürger aber später mit einer Schlinge um den Hals um Gnade bitten; deshalb heißen die Genter bis heute Stroppendragers, Schlingenträger. Im 19. Jahrhundert wurde Gent mit Baumwollspinnereien zur ersten Industriestadt des Kontinents. Heute prägen die Universität und eine junge, grüne Stadtpolitik das Leben, die Altstadt ist weitgehend autofrei.

Sehenswürdigkeiten in Gent

Die St.-Bavo-Kathedrale bewahrt den Genter Altar der Brüder Hubert und Jan van Eyck von 1432, die „Anbetung des Lammes Gottes“, deren aufwendig restaurierte Tafeln in einem neuen Besucherzentrum mit Augmented Reality erläutert werden. Gegenüber erhebt sich der Belfried, von dessen Turm man über die drei Türme der Stadt blickt. Die Burg Gravensteen mit Zinnen und Wassergraben stammt aus dem 12. Jahrhundert und zeigt eine Ausstellung über Waffen und Folter. Am schönsten ist der Blick von der Sint-Michielsbrug auf Graslei und Korenlei, wo sich Gildehäuser aus verschiedenen Jahrhunderten am Wasser spiegeln. Im Citadelpark liegen das Museum der Schönen Künste MSK und das Museum für zeitgenössische Kunst S.M.A.K., im ehemaligen Kloster des STAM wird die Stadtgeschichte erzählt.

Viertel und Ausgehen

Das Patershol, ein Labyrinth aus Kopfsteinpflastergassen hinter der Burg, ist das Restaurantviertel der Stadt. Am Vrijdagmarkt, dem großen Marktplatz mit Kneipen, versammelten sich früher Aufständische. Die Werregarenstraat ist eine Gasse, deren Wände ständig neu besprüht werden dürfen. Im Stadtteil Sint-Amandsberg liegt der Große Beginenhof, eine stille Anlage mit Häuschen und Garten, die zum UNESCO-Welterbe gehört; Ledeberg im Süden ist ein lebendiges Wohnviertel. Studenten feiern rund um die Overpoortstraat, die als dichteste Kneipenstraße Belgiens gilt.

Essen und Feste

Typisch ist Waterzooi, ein cremiger Eintopf mit Huhn oder Fisch, dazu kommen Stoverij, Rindfleisch in Biersauce, und Cuberdons, kegelförmige violette Bonbons mit Himbeersirup, die die Genter Neuzekes nennen. Senf aus dem Laden Tierenteyn wird seit dem 18. Jahrhundert aus Holzfässern abgefüllt. 2009 führte Gent als erste Stadt der Welt einen offiziellen vegetarischen Donnerstag ein, und viele Restaurants bieten fleischlose Küche. Im Juli verwandeln die Gentse Feesten die Stadt zehn Tage lang in eine Bühne mit Konzerten, Straßentheater und Kneipen unter freiem Himmel.

Anreise und beste Reisezeit

Vom Bahnhof Gent-Sint-Pieters fahren Züge in rund 30 Minuten nach Brüssel und weiter zum Flughafen, die Straßenbahn bringt einen ins Zentrum. Brügge liegt nur eine halbe Stunde entfernt. Die beste Reisezeit sind Frühling, Spätsommer und der Juli für die Feesten.