Brügge entdecken: Grachten, Flämische Primitive und Bier
Reiseführer · redaktionellDurch die Altstadt von Brügge verläuft unter dem Kopfsteinpflaster eine drei Kilometer lange Bierleitung, die eine Brauerei mit ihrer Abfüllanlage verbindet. Das passt zu einer Stadt, die ihr mittelalterliches Erbe pflegt und zugleich lebendig bleibt. Eine Städtereise nach Brügge führt an Grachten, Giebelhäuser und Meisterwerke der Flämischen Primitiven.
Handelsmetropole des Mittelalters
Im 13. und 14. Jahrhundert war Brügge eines der wichtigsten Handelszentren Europas. Über einen Meeresarm, den Zwin, kamen Schiffe aus Italien, Spanien und der Hanse in die Stadt, Kaufleute tauschten Tuch, Gewürze und Wein, und im Haus der Familie Van der Beurse trafen sich Händler zu Geldgeschäften, worauf das Wort Börse zurückgehen soll. Die Herzöge von Burgund residierten hier, und Maler wie Jan van Eyck und Hans Memling schufen in Brügge ihre Werke. Als der Zwin im 15. Jahrhundert versandete, verlor die Stadt ihre Bedeutung und fiel in einen langen Schlaf, der ihr Stadtbild bewahrte. Im 19. Jahrhundert entdeckten Reisende das „tote Brügge“ wieder, und seit 2000 ist die Altstadt UNESCO-Welterbe.
Sehenswürdigkeiten in Brügge
Am Markt steht der Belfried, 83 Meter hoch, mit einem Glockenspiel aus 47 Glocken; 366 Stufen führen hinauf. Der benachbarte Burgplatz vereint das gotische Rathaus und die Heilig-Blut-Basilika, in der eine Reliquie mit dem Blut Christi bewahrt wird; an Christi Himmelfahrt zieht die Heilig-Blut-Prozession durch die Stadt. In der Liebfrauenkirche steht eine Madonna mit Kind von Michelangelo, eines der wenigen Werke des Künstlers, das zu seinen Lebzeiten Italien verließ. Das Groeningemuseum zeigt Gemälde von Jan van Eyck, Hans Memling und Hieronymus Bosch, und im mittelalterlichen Sint-Janshospitaal hängen weitere Memling-Werke. Der Beginenhof mit weißen Häusern um eine Wiese voller Bäume und der Minnewater-See sind besonders am frühen Morgen still.
Grachten, Mühlen und Viertel
Eine Bootsfahrt auf den Reien, den Grachten, zeigt die Stadt aus einer anderen Perspektive; am Rozenhoedkaai entsteht das bekannteste Fotomotiv. An der Kruisvest stehen noch vier Windmühlen auf dem alten Stadtwall. Abseits der Hauptwege liegt das ruhige Viertel Sint-Anna mit Spitzenzentrum und Jerusalemkirche. Zur Gemeinde gehört auch Seebrügge an der Nordsee, ein großer Hafen, an dem Kreuzfahrtschiffe anlegen, und der Stadtteil Sint-Pieters im Norden.
Essen und Trinken in Brügge
Die Brauerei De Halve Maan, seit dem 16. Jahrhundert in der Altstadt, braut die Biere Brugse Zot und Straffe Hendrik und betreibt die unterirdische Bierleitung. Zu Brügge gehören außerdem Pralinen aus Dutzenden Chocolaterien, Waffeln, Pommes vom Stand am Markt sowie flämische Gerichte wie Stoofvlees mit Bier oder Muscheln. Die Hotelauswahl ist groß, viele Gäste übernachten in restaurierten Patrizierhäusern.
Anreise und beste Reisezeit
Vom Flughafen Brüssel fährt der Zug in rund 90 Minuten nach Brügge, nach Gent sind es 25 Minuten. Die beste Reisezeit sind Frühling und Herbst; im Sommer und an Wochenenden ist die Altstadt sehr voll, Übernachtungsgäste genießen dann die ruhigen Abende, wenn die Tagesbesucher abgereist sind und die beleuchteten Giebel sich in den Grachten spiegeln. Im Dezember verwandeln Weihnachtsmarkt und Eisbahn den Markt in eine Wintermärchenkulisse.













