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Tschechien

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Tschechien entdecken: Prag, Böhmen und Mähren

Reiseführer · redaktionell

Ein Urlaub in Tschechien beginnt für viele mit Prag, doch das Land zwischen Erzgebirge und Weißen Karpaten hat deutlich mehr zu zeigen: Kurorte in Westböhmen, Sandsteinfelsen an der Elbe, Weinkeller in Südmähren und kleine Renaissancestädte. Vieles liegt nur zwei, drei Stunden von der deutschen Grenze entfernt.

Prag: Burg, Brücke und Kleinseite

Die Altstadt von Prag hat Kriege weitgehend unbeschadet überstanden und zeigt Bauten aus fast tausend Jahren. Auf dem Hradschin thront die Prager Burg mit dem Veitsdom, darunter die Kleinseite mit barocken Palästen und Gärten. Über die Moldau führt die Karlsbrücke, gesäumt von 30 Heiligenfiguren; wer sie ohne Gedränge sehen will, kommt früh am Morgen. Am Altstädter Ring zeigt die astronomische Uhr am Rathaus zu jeder vollen Stunde den Umzug der Apostel. Die Josefstadt, das frühere jüdische Viertel, bewahrt mehrere Synagogen und den Alten Jüdischen Friedhof mit seinen dicht gedrängten Grabsteinen. Abseits der Hauptrouten lohnen der Vyšehrad mit dem Friedhof, auf dem Dvořák und Smetana begraben sind, das Viertel Vinohrady mit seinen Weinstuben und der Letná-Park mit Biergarten und Blick über die Dächer.

Brünn, Olmütz und Mähren

Brünn, die zweitgrößte Stadt, ist entspannter als Prag und Studentenstadt. Die Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe ist ein Schlüsselwerk der Moderne und UNESCO-Welterbe; Tickets sollte man Wochen im Voraus reservieren. Unter der Jakobskirche liegt ein Beinhaus, auf dem Spielberg eine Festung, in der einst Gefangene der Habsburger saßen. Olmütz hat einen weiten Marktplatz mit der Dreifaltigkeitssäule, ebenfalls Welterbe, und ist bekannt für Olmützer Quargel, einen kräftig riechenden Sauermilchkäse. Südmähren ist das Weinland Tschechiens: In Mikulov, Valtice und rund um das Schlosspark-Ensemble Lednice-Valtice reihen sich Kellergassen, in denen Winzer Grünen Veltliner, Welschriesling und Pálava ausschenken. Ostrau im Nordosten war Zentrum von Kohle und Stahl; das stillgelegte Hüttenwerk Dolní Vítkovice ist heute ein Kultur- und Veranstaltungsgelände.

Sehenswürdigkeiten in Tschechien jenseits der Städte

Zu den schönsten Tschechien Reisezielen gehört Krumau an der Moldau, ein Städtchen, das sich in mehreren Schleifen um den Fluss legt, überragt von einem Schloss mit barockem Theater. Budweis in der Nähe hat einen quadratischen Marktplatz mit Laubengängen und die Brauerei Budvar. In Westböhmen liegen die Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad, seit 2021 gemeinsam mit anderen europäischen Bädern Welterbe. In Karlsbad trinkt man das warme Mineralwasser aus Porzellanbechern mit Schnabel und isst dazu Oblaten. Pilsen ist die Heimat des Pils; in der Brauerei Pilsner Urquell kann man in den alten Kellern unfiltriertes Bier aus Eichenfässern probieren. Im Norden ragen in der Böhmischen Schweiz und im Böhmischen Paradies Sandsteintürme aus dem Wald, das Prebischtor ist die größte natürliche Felsbrücke Europas. Kutná Hora mit dem Dom der heiligen Barbara und dem Beinhaus von Sedlec ist ein einfacher Tagesausflug von Prag aus, ebenso wie die Burg Karlštejn.

Kultur und Geschichte

Tschechien war über Jahrhunderte Teil des Habsburgerreichs, Prag unter Karl IV. Residenz des Heiligen Römischen Reiches. 1918 entstand die Tschechoslowakei, 1938 und 1939 wurde das Land von Hitler-Deutschland zerschlagen und besetzt. Nach dem Krieg folgten die Vertreibung der Deutschen, der Kommunismus, der Prager Frühling 1968 und 1989 die Samtene Revolution. 1993 trennten sich Tschechien und die Slowakei friedlich. Literatur hat einen hohen Stellenwert: Kafka, Hašek mit seinem „Braven Soldaten Schwejk“ und Václav Havel prägen das Bild. Puppentheater, Marionetten und Animationsfilm haben eine lange Tradition, und die Prager Philharmonie und das Festival Prager Frühling im Mai ziehen Klassikfreunde an.

Essen und Bier

Tschechien hat den höchsten Bierkonsum pro Kopf weltweit, und das Bier wird mit Sorgfalt gezapft, etwa als „Mlíko“, fast nur Schaum. Zur Küche gehören Svíčková, Rinderlende in Sahnesoße mit Knödeln, Preiselbeeren und einem Klecks Schlagsahne, außerdem Schweinebraten mit Kraut und Knödeln, Gulasch und gebratener Käse. Als Bierbegleiter gibt es eingelegte Würstchen, die „Ertrunkenen“, und Brimsen-Aufstrich. Süß sind Obstknödel mit Quark und zerlassener Butter sowie Kolatschen. In Südmähren trinkt man im Herbst Burčák, jungen, gärenden Wein.

Unterwegs in Tschechien

Der Flughafen Prag (PRG) wird von vielen deutschen Städten aus angeflogen, Brünn (BRQ) hat wenige Verbindungen. Oft ist die Bahn die bessere Wahl: Eurocity-Züge fahren von Berlin über Dresden durch das Elbtal nach Prag, von München und Nürnberg gibt es direkte Verbindungen. Im Land ist das Bahnnetz dicht, Fernbusse ergänzen es günstig. Für Autobahnen braucht man eine elektronische Vignette, die man online kauft. Bezahlt wird mit Kronen; Kartenzahlung ist verbreitet, in Kellergassen und kleinen Gasthäusern ist etwas Bargeld nützlich.

Beste Reisezeit für Tschechien

Die beste Reisezeit für Tschechien liegt zwischen April und Oktober. Im Mai und Juni blühen die Gärten unterhalb der Prager Burg, die Temperaturen liegen bei 18 bis 24 Grad. Juli und August sind mit bis zu 30 Grad die wärmsten Monate, Prag ist dann am vollsten. September und Oktober sind ideal für Wanderungen in der Böhmischen Schweiz und für die Weinlese in Mähren. Im Winter wird es kalt, im Riesengebirge fährt man Ski, und in der Adventszeit stehen Weihnachtsmärkte auf dem Altstädter Ring und dem Wenzelsplatz.