Stadt · Ebene 3

Brünn · Brno

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Region
Jihomoravský kraj, Tschechien
Einwohner
402.739
Zentrum
49.2021° N · 16.5827° E
Stadtteile
8
Brünn – Stadtansicht
Brünn · © Harold · CC BY-SA 3.0
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Karte von Brünn

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Brünn entdecken: Villa Tugendhat, Spilberk und Kaffee

Reiseführer · redaktionell

Brünn steht im Schatten von Prag und überrascht gerade deshalb: Die zweitgrößte Stadt Tschechiens besitzt eine Ikone der modernen Architektur, ein Beinhaus unter der Altstadt und eine der lebendigsten Café- und Barszenen Mitteleuropas. Eine Städtereise nach Brünn lässt sich gut mit Wien verbinden.

Mährische Metropole

Brünn entwickelte sich im Mittelalter um die Burg Spilberk und wurde Hauptstadt Mährens. 1645 widerstand die Stadt einer schwedischen Belagerung im Dreißigjährigen Krieg. Im 19. Jahrhundert machte die Textilindustrie Brünn zum „österreichischen Manchester“, deutsch- und tschechischsprachige Bewohner lebten Seite an Seite. Im Augustinerkloster führte der Mönch Gregor Mendel seine Kreuzungsversuche mit Erbsen durch und begründete damit die Vererbungslehre. In der Zwischenkriegszeit entstanden zahlreiche Bauten des Funktionalismus. Heute ist Brünn mit seinen Universitäten eine Studentenstadt und Sitz der höchsten Gerichte Tschechiens.

Sehenswürdigkeiten in Brünn

Hoch über der Altstadt in Brno-střed thront die Kathedrale St. Peter und Paul auf dem Petrov-Hügel, deren Glocken mittags bereits um elf Uhr läuten – der Legende nach eine List, die 1645 die Schweden zum Abzug bewegte. Die Festung Spilberk diente lange als gefürchtetes Gefängnis der Habsburger und beherbergt heute das Stadtmuseum. Am Krautmarkt, dem Zelný trh, steht der barocke Parnass-Brunnen, darunter führen Gänge in das Labyrinth unter dem Krautmarkt. Das Beinhaus von St. Jakob ist das zweitgrößte Europas nach Paris. Im Alten Rathaus hängt der „Brünner Drache“, ein ausgestopftes Krokodil. Die Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe im Viertel Černá Pole ist UNESCO-Welterbe; Führungen sollte man lange im Voraus buchen.

Viertel, Kultur und Ausgehen

Brünn ist überschaubar und zu Fuß gut zu erkunden. Rund um den Freiheitsplatz, das Náměstí Svobody, und die Straßen der Innenstadt reihen sich Cafés mit eigener Rösterei und Cocktailbars, darunter einige, die international Preise gewonnen haben. Das Mendel-Museum im Augustinerkloster in Staré Brno erzählt vom Vater der Genetik. Das Janáček-Theater und das Mahen-Theater, eines der ersten Theater Europas mit elektrischer Beleuchtung durch Edisons Firma, stehen für die Musiktradition der Stadt, in der Leoš Janáček lebte. Viertel wie Královo Pole und Žabovřesky wirken grün und ruhig, am Stausee in Bystrc baden Brünner im Sommer.

Essen in Brünn

Die mährische Küche ist herzhaft: Svíčková, Schweinebraten mit Kraut und Knödeln, Gulasch und Bramboráky, Kartoffelpuffer. Südmähren ist das wichtigste Weinbaugebiet Tschechiens, und in Weinstuben schenkt man Welschriesling, Grünen Veltliner und Frankovka aus. Dazu gibt es natürlich Bier, etwa von der Brauerei Starobrno. Die Restaurants in Brünn sind preiswerter als in Prag, und die Bistro-Szene ist innovativ.

Anreise und beste Reisezeit

Brünn liegt an der Bahnstrecke zwischen Prag und Wien, nach Wien sind es rund anderthalb Stunden, nach Prag etwa zweieinhalb. Der kleine Flughafen hat nur wenige Verbindungen, die meisten Reisenden fliegen nach Wien. Straßenbahnen erschließen die Stadt. Die beste Reisezeit ist von Mai bis September; im Mai findet das Feuerwerksfestival Ignis Brunensis statt, und auf dem Automotodrom fahren Motorradrennen. Wer die Stadt von oben sehen will, steigt auf den Turm des Alten Rathauses oder auf den Hügel Spilberk, wo man im Sommer im Park picknickt. Lohnende Ausflüge führen in die Tropfsteinhöhlen des Mährischen Karstes mit dem Macocha-Abgrund und zum Schlachtfeld von Austerlitz.