Prag entdecken: Burg, Karlsbrücke und Bierkultur
Reiseführer · redaktionellÜber der Moldau thront die Burg, auf der Karlsbrücke spielen Musiker zwischen barocken Heiligenfiguren, und in den Gassen der Altstadt riecht es nach Trdelník: Prag zählt zu den schönsten Städten Europas. Eine Städtereise nach Prag verbindet tausend Jahre Architektur mit lebendigen Vierteln und der besten Bierkultur der Welt.
Die „Goldene Stadt“
Im 9. Jahrhundert gründeten die Přemysliden-Fürsten die Prager Burg. Unter Kaiser Karl IV. wurde Prag im 14. Jahrhundert Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches, er gründete die erste Universität Mitteleuropas und ließ die Neustadt und die Karlsbrücke bauen. 1618 löste der Prager Fenstersturz den Dreißigjährigen Krieg aus. Um 1900 war Prag eine Stadt der Tschechen, Deutschen und Juden, in der Franz Kafka, Rainer Maria Rilke und Jaroslav Hašek lebten. Nach der Besatzung durch die Nationalsozialisten und Jahrzehnten des Kommunismus brachte die Samtene Revolution 1989 die Freiheit. Seit 1993 ist Prag Hauptstadt Tschechiens, das historische Zentrum ist UNESCO-Welterbe.
Sehenswürdigkeiten in Prag
Die Prager Burg auf dem Hradschin gilt als größte geschlossene Burganlage der Welt. Herzstück ist der gotische Veitsdom mit den böhmischen Krönungsinsignien und Glasfenstern von Alfons Mucha, daneben liegen der Alte Königspalast und das Goldene Gässchen mit winzigen bunten Häusern. Über die Karlsbrücke aus dem 14. Jahrhundert, gesäumt von 30 Statuen, gelangt man in die Altstadt. Auf dem Altstädter Ring ziehen die Teynkirche mit ihren spitzen Türmen und die Astronomische Uhr am Rathaus die Blicke auf sich; zur vollen Stunde ziehen die Apostelfiguren vorbei. Die Josefstadt, das ehemalige jüdische Viertel, bewahrt Synagogen und den Alten Jüdischen Friedhof mit dicht gedrängten Grabsteinen. Der Wenzelsplatz in der Neustadt war Schauplatz der Proteste von 1968 und 1989, am oberen Ende steht das Nationalmuseum.
Viertel zwischen Kleinseite und Žižkov
Prag 1 umfasst die Altstadt und die Kleinseite unterhalb der Burg mit barocken Palais, der Nikolauskirche und der verwunschenen Insel Kampa. In Prag 2, in Vinohrady, säumen Jugendstilhäuser die Straßen, Cafés und Weinbars locken ein junges Publikum, und am Hang thront die Festung Vyšehrad mit dem Friedhof, auf dem Dvořák und Smetana ruhen. Prag 3, das Arbeiterviertel Žižkov, ist für seinen Fernsehturm mit krabbelnden Babyskulpturen von David Černý und für die höchste Kneipendichte der Stadt bekannt. Holešovice in Prag 7 hat sich mit Galerien wie dem DOX und der Markthalle zum Kreativviertel entwickelt. Smíchov in Prag 5 lockt mit der Staropramen-Brauerei und Flussufer, Prag 6 mit dem Kloster Břevnov und der Burg im Grünen.
Museen und Kultur
Die Nationalgalerie verteilt ihre Sammlungen auf mehrere Häuser, vom Kloster der heiligen Agnes für mittelalterliche Kunst bis zum Messepalast für moderne Kunst. Das Mucha-Museum zeigt Jugendstilplakate, das Kafka-Museum auf der Kleinseite das Leben des Schriftstellers. Musik hat Tradition: Mozart dirigierte im Ständetheater die Uraufführung des „Don Giovanni“, im Mai eröffnet das Festival Prager Frühling mit Smetanas „Mein Vaterland“. Schwarzlichttheater und Marionetten sind eine Prager Spezialität.
Essen und Bier in Prag
Tschechien hat den höchsten Bierkonsum pro Kopf der Welt, und in Prag schmeckt das Pilsner frisch gezapft am besten. Traditionsgasthäuser wie U Fleků brauen seit Jahrhunderten eigenes Bier, kleine Brauereien setzen neue Akzente. Zur böhmischen Küche gehören Svíčková, Rinderbraten in Sahnesoße mit Knödeln und Preiselbeeren, Schweinebraten mit Kraut, Gulasch und Smažený sýr, panierter Käse. Zum Bier isst man Nakládaný hermelín, eingelegten Camembert. Restaurants in Prag reichen vom einfachen Wirtshaus bis zur Spitzengastronomie, in Vinohrady und Karlín entstehen ständig neue Bistros.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Václav Havel liegt rund 17 Kilometer westlich; Expressbusse fahren zum Hauptbahnhof, Stadtbusse zur Metro. Drei Metrolinien und ein dichtes Straßenbahnnetz erschließen die Stadt, die Linie 22 fährt malerisch an Burg und Nationaltheater vorbei. Die Altstadt erkundet man zu Fuß. Die beste Reisezeit ist im Frühjahr und Frühherbst. Im Sommer ist es voll, im Dezember verwandeln Weihnachtsmärkte den Altstädter Ring in ein Lichtermeer. Lohnende Ausflüge führen nach Karlštejn, Kutná Hora und Český Krumlov.














