Prag: Goldene Stadt an der Moldau
Reiseführer · redaktionellHunderte Türme, eine steinerne Brücke über die Moldau und die größte geschlossene Burganlage der Welt machen Prag zu einer der schönsten Städte Europas. Ein Urlaub in Prag führt durch die Gassen der Altstadt, über die Karlsbrücke auf die Kleinseite und hinaus in Viertel, in denen Pragerinnen und Prager ihr Bier trinken.
Stadt und Region
Prag ist Hauptstadt Tschechiens und zugleich eine eigene Verwaltungsregion. Die Stadt liegt in einem Talkessel der Moldau, tschechisch Vltava, umgeben von Hügeln wie dem Laurenziberg, Petřín, und der Burg auf dem Hradschin. Über Jahrhunderte war Prag Residenz böhmischer Könige und unter Karl IV. sowie Rudolf II. Kaiserstadt des Heiligen Römischen Reiches. Hier lebten Tschechen, Deutsche und Juden nebeneinander, was die Stadt kulturell prägte: Franz Kafka, Rainer Maria Rilke und Franz Werfel stammten aus Prag. Da die Stadt im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde, ist der historische Kern vollständig erhalten und Welterbe. 1968 endete der Prager Frühling durch Panzer, 1989 die kommunistische Herrschaft durch die Samtene Revolution.
Sehenswürdigkeiten in Prag
Auf dem Hradschin thront die Prager Burg mit dem Veitsdom, dessen gotische Türme über der Stadt aufragen, dem Alten Königspalast und dem Goldenen Gässchen, wo Kafka eine Zeit lang schrieb. Darunter liegt die Kleinseite, Malá Strana, mit Barockpalästen, der Nikolauskirche und stillen Gärten. Die Karlsbrücke aus dem 14. Jahrhundert, gesäumt von 30 Heiligenstatuen, verbindet sie mit der Altstadt. Am Altstädter Ring stehen die Teynkirche und das Rathaus mit der astronomischen Uhr von 1410, bei deren stündlichem Apostelumzug sich Menschen drängen. Die Josefstadt, das ehemalige jüdische Viertel, bewahrt Synagogen und den Alten Jüdischen Friedhof mit Tausenden übereinanderliegenden Grabsteinen. In der Neustadt führt der Wenzelsplatz zum Nationalmuseum, das Tanzende Haus von Frank Gehry steht am Moldauufer.
Viertel jenseits des Zentrums
Wer der Menge entkommen will, fährt nach Vinohrady und Žižkov, Viertel mit Jugendstilhäusern, Kneipen und dem Fernsehturm, an dem Skulpturen kriechender Babys von David Černý hängen. Vyšehrad, eine Festung auf einem Felsen über der Moldau, birgt den Friedhof mit Gräbern von Dvořák und Smetana. Holešovice ist mit dem Kunstzentrum DOX und der Nationalgalerie im Messepalast Ziel für moderne Kunst. Prag hat auch ländliche Ränder. Am Stadtrand und im direkten Umland liegen Dörfer und Ortsteile, die in alten deutschen Karten Namen wie Radonitz, Pschesletitz, Hodkowitz, Jarau, Roskosch oder Gängerhof trugen; heute sind es ruhige Wohnorte mit Einfamilienhäusern, Gärten und Feldwegen. Im Nordwesten öffnet sich das Wilde Šárka-Tal, ein Naturschutzgebiet mit Felsen, Bach und Freibad, in dem Prager am Wochenende wandern, und im Süden säumen Villen und Bootsclubs das Moldauufer bei Hodkovičky.
Kultur und Musik
Mozart dirigierte 1787 im Ständetheater die Uraufführung des Don Giovanni. Das Nationaltheater, das Rudolfinum und das Gemeindehaus, ein Jugendstilbau, sind Spielstätten von Rang. Jeden Mai eröffnet das Festival Prager Frühling mit Smetanas Mein Vaterland. Dazu kommen Schwarzlichttheater, Marionetten und Jazzclubs. Alfons Mucha, der Meister des Jugendstils, hat Fenster im Veitsdom gestaltet, sein Museum zeigt Plakate.
Essen und Trinken
Tschechien hat den höchsten Bierkonsum pro Kopf der Welt, und in Prag fließt Pilsner, Kozel oder Bier aus kleinen Brauereien. Klassische Gerichte sind Svíčková, Lendenbraten in Rahmsoße mit Knödeln und Preiselbeeren, Schweinebraten mit Sauerkraut, Gulasch und Smažený sýr, panierter Käse. In Kneipen isst man Utopenci, eingelegte Würste. Der Trdelník, ein Hefegebäck vom Spieß, wird an Touristen verkauft, ist aber eher neu. Zum Kaffee geht man ins Café Slavia oder ins Grand Café Orient im kubistischen Haus zur Schwarzen Muttergottes.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Václav Havel ist per Bus mit Metro und Hauptbahnhof verbunden. Direktzüge kommen aus Berlin, Dresden, München und Wien, Fernbusse aus vielen Städten. In der Stadt nutzt man Metro, Straßenbahn und die Standseilbahn auf den Petřín. Die beste Reisezeit für Prag sind Frühling und Herbst; im Sommer ist es voll, im Advent locken die Weihnachtsmärkte am Altstädter Ring und am Wenzelsplatz.







