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Schweden

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Schweden entdecken: Schären, Seen und Lappland

Reiseführer · redaktionell

Ein Urlaub in Schweden beginnt für viele mit einem roten Holzhaus am See, und dieses Klischee ist gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt. Das Land reicht über rund 1.500 Kilometer von den Buchenwäldern Schonens bis zu den Fjällen Lapplands, dazwischen liegen fast 100.000 Seen, zwei Inseln mit mittelalterlicher Geschichte und eine Hauptstadt, die auf 14 Inseln gebaut ist.

Regionen und Landschaften: vom Schärengarten bis zum Fjäll

Im Süden ist Schweden flach und bäuerlich. Schonen, die Provinz um Malmö und Lund, gehörte bis 1658 zu Dänemark, und das sieht man noch an Fachwerkhöfen, Rapsfeldern und Burgen. An der Westküste, in Bohuslän nördlich von Göteborg, schieben sich rosa Granitschären ins Kattegat, Fischerorte wie Smögen oder Fjällbacka leben vom Hummer und von Sommergästen. Småland, die Heimat Astrid Lindgrens, ist ein Land aus Wald, Steinmauern und Glashütten; in Vimmerby steht der Freizeitpark mit Michels Hof und der Villa Kunterbunt. Dalarna rund um den Siljansee gilt als die schwedischste aller Provinzen, hier werden die Dalapferde geschnitzt und Mittsommer am traditionellsten gefeiert.

In der Ostsee liegen Öland mit seiner kargen Kalksteppe und Gotland, wo die Ringmauer von Visby fast vollständig erhalten ist. An der Höga Kusten zwischen Härnösand und Örnsköldsvik hebt sich das Land seit der letzten Eiszeit noch immer um knapp einen Zentimeter pro Jahr. Ganz im Norden schließlich beginnt Lappland mit dem Nationalpark Abisko, den Gletschern des Kebnekaise und dem Welterbegebiet Laponia, in dem Samen bis heute ihre Rentiere zwischen Sommer- und Winterweiden treiben. Möglich wird das Reisen dort auch durch das Jedermannsrecht, das Wandern und Zelten fast überall erlaubt, solange man Rücksicht nimmt.

Stockholm, Göteborg, Malmö: die wichtigsten Städte

Stockholm ist eine Stadt, die man am besten vom Wasser aus kennenlernt. Die Altstadt Gamla stan mit ihren ockerfarbenen Giebelhäusern drängt sich um das Königsschloss, gegenüber auf Djurgården liegen das Freilichtmuseum Skansen und das Vasamuseum, in dem ein 1628 auf seiner Jungfernfahrt gesunkenes Kriegsschiff fast vollständig erhalten ist. Zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Schweden gehört außerdem das Rathaus, in dem jedes Jahr das Nobelbankett stattfindet. Auf Södermalm, der hügeligen Südinsel, gibt es Secondhandläden, Fotografiska und Aussichtspunkte wie die Monteliusvägen. Mit den Pendelbooten erreicht man in einer Stunde die ersten Inseln des Schärengartens, der mit rund 30.000 Inseln vor der Stadt liegt.

Göteborg wirkt entspannter und hat eine starke Hafen- und Arbeitertradition. Durch das Viertel Haga ziehen sich Holzhäuser mit Cafés, die riesige Zimtschnecken verkaufen, die Feskekôrka sieht aus wie eine Kirche und ist eine Fischmarkthalle, und der Vergnügungspark Liseberg öffnet im Winter mit einem Weihnachtsmarkt. Malmö ist seit der Öresundbrücke praktisch ein Vorort Kopenhagens geworden: multikulturell, jung, mit dem verdrehten Hochhaus Turning Torso und Badehäusern am Ribersborgsstrand. Unter den Schweden Reisezielen abseits der Metropolen lohnen Uppsala mit seinem Dom und den Königsgräbern von Gamla Uppsala, die Universitätsstadt Lund und Kiruna, das wegen des Erzbergbaus gerade Stück für Stück umzieht – 2025 wurde sogar die hölzerne Kirche auf Schwerlastwagen an ihren neuen Standort gefahren.

Kultur und Bräuche: Fika, Mittsommer und Lucia

Schwedische Feste folgen dem Licht. Zu Mittsommer, am Wochenende um den 21. Juni, wird eine mit Birkenlaub geschmückte Stange aufgestellt, man tanzt den Froschtanz und isst neue Kartoffeln mit Dill und Matjes. Im August folgen die Krebsfeste mit Papierhüten und Trinkliedern, am 13. Dezember ziehen weiß gekleidete Lucia-Chöre mit Kerzenkränzen durch Kirchen, Schulen und Büros. Im Alltag ist die Fika fest verankert, die Kaffeepause mit etwas Süßem, die in vielen Firmen zweimal täglich eingehalten wird. Auch Design gehört zur Kultur: Von Carl Larssons Haus in Sundborn bis zu den Möbelhäusern ist die Vorliebe für Holz, Licht und schlichte Formen überall zu spüren.

Essen und Trinken in Schweden

Köttbullar mit Preiselbeeren, Rahmsoße und Kartoffelpüree sind das bekannteste Gericht, doch wer genauer hinsieht, findet eine Küche voller Fisch. Hering wird in unzähligen Varianten eingelegt und gehört auf jedes Smörgåsbord, Gravlax wird mit Dill und Senfsoße serviert, und Toast Skagen, Krabben mit Mayonnaise auf gebratenem Weißbrot, steht in jedem Stockholmer Restaurant auf der Karte. Im Norden isst man Rentier, Elch und Moltebeeren, an der Küste von Norrland im August den berüchtigten Surströmming, fermentierten Ostseehering, der am besten im Freien geöffnet wird. Im Februar backen die Konditoreien Semlor, Hefebrötchen mit Mandelpaste und Sahne. Alkohol mit mehr als 3,5 Prozent verkauft im Handel nur der staatliche Systembolaget.

Anreise und Unterwegs: Fähre, Bahn und Auto

Von Deutschland aus fahren Fähren von Kiel nach Göteborg sowie von Travemünde und Rostock nach Trelleborg; wer über Dänemark kommt, nimmt die Öresundbrücke oder die Fähre Helsingør–Helsingborg. Mit dem Zug geht es ohne Flug sogar direkt: Ein Nachtzug verbindet Berlin mit Stockholm. Die wichtigsten Flughäfen sind Stockholm-Arlanda, Göteborg-Landvetter und Malmö; die Hauptstadt erreicht man von Arlanda in 20 Minuten mit dem Arlanda Express. Im Land sind die Züge von SJ zwischen den großen Städten schnell, im Sommer fährt die Inlandsbanan gemächlich von Mora nach Gällivare. Für Småland, Dalarna oder die Westküste ist ein Mietwagen praktisch, die Straßen sind ruhig, aber Elche und Rentiere kreuzen gerne, vor allem in der Dämmerung.

Beste Reisezeit für Schweden

Die beste Reisezeit für Schweden liegt für die meisten zwischen Juni und August. In Stockholm werden dann 20 bis 25 Grad erreicht, die Seen sind warm genug zum Baden und die Nächte kaum dunkel; nördlich des Polarkreises, etwa in Kiruna, geht die Sonne von Ende Mai bis Mitte Juli gar nicht unter. Wer Ruhe sucht, kommt Ende August oder im September, wenn die Schwedinnen und Schweden wieder arbeiten und die Wälder voller Pilze und Blaubeeren sind. Für Lappland empfehlen sich Dezember bis März: Bei Abisko liegt die Chance auf Polarlichter dank des oft wolkenarmen Mikroklimas besonders hoch, in Jukkasjärvi wird jeden Winter das Icehotel neu aus Flusseis gebaut. Ab Ende Februar kombinieren sich lange, helle Tage mit sicherem Schnee, ideal für Hundeschlitten- und Skitouren.