Region · Ebene 2

Andalusien

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Land
Spanien
Städte
144
Zuordnung
über Koordinaten
§ 3

Andalusien: Alhambra, weiße Dörfer und Costa del Sol

Reiseführer · redaktionell

Wer an Spanien denkt, hat oft Bilder aus dem Süden vor Augen: Orangenbäume in Patios, Flamenco in verrauchten Tablaos, Stierkampfarenen und Kalkdörfer an Berghängen. Ein Urlaub in Andalusien verbindet acht Provinzen zwischen Atlantik und Mittelmeer, fast acht Jahrhunderte maurischer Geschichte und eine Küche, die sich am besten im Stehen an einer Tapas-Theke erschließt.

Zwischen Sierra Nevada und zwei Meeren

Andalusien ist die bevölkerungsreichste der spanischen autonomen Gemeinschaften und nach Kastilien und León die zweitgrößte. Im Norden trennt die Sierra Morena das Land von der Meseta, im Südosten steigt die Sierra Nevada mit dem Mulhacén auf rund 3.480 Meter – der höchste Gipfel der Iberischen Halbinsel. Dazwischen fließt der Guadalquivir durch ein breites, fruchtbares Tal, in dem Olivenhaine bis zum Horizont reichen; allein die Provinz Jaén liefert einen erheblichen Teil des weltweiten Olivenöls. An der Mündung des Flusses liegt der Nationalpark Doñana, ein Feuchtgebiet mit Flamingos, Wanderdünen und dem seltenen Pardelluchs. Ganz anders der Osten: In der Provinz Almería wachsen in der Tabernas-Wüste Kakteen, und am Cabo de Gata fallen vulkanische Felsen in klares Wasser. Die Costa de la Luz am Atlantik ist windig, breit und weniger verbaut als die Costa del Sol am Mittelmeer.

Sevilla, Málaga und Granada: die großen Städte

Sevilla, die Hauptstadt, ist der Ort für Prozessionen und Patios. Die Kathedrale mit der Giralda, einem ehemaligen Minarett, gehört zu den größten gotischen Kirchen der Welt, gleich daneben liegt der Real Alcázar mit seinen Mudéjar-Sälen und Gärten. Im Viertel Triana auf der anderen Flussseite wohnen Töpfer und Flamenco-Familien. Málaga hat sich vom Durchgangsflughafen zur Kulturstadt gewandelt: Picassos Geburtshaus, das Museo Picasso, eine Dependance des Centre Pompidou und die maurische Alcazaba über dem Hafen machen sie zu einem eigenständigen Ziel. Granada wiederum lebt im Schatten – und im Glanz – der Alhambra. Gegenüber dem Palastbezirk klettert das Albaicín mit weißen Gassen den Hang hinauf, im Sacromonte wohnten früher Gitanos in Höhlen. Córdoba schließlich bewahrt mit der Mezquita-Kathedrale ein Bauwerk, in dem ein Säulenwald aus dem 8. bis 10. Jahrhundert eine Renaissancekirche umschließt; im Mai öffnen die Bewohner ihre blumengeschmückten Innenhöfe für Besucher.

Sehenswürdigkeiten in Andalusien abseits der Metropolen

Zu den schönsten Andalusien Reiseziele zählen die Pueblos Blancos, die weißen Dörfer in den Bergen zwischen Cádiz und Málaga. Ronda thront über der Schlucht El Tajo, die eine Brücke aus dem 18. Jahrhundert überspannt; Arcos de la Frontera, Grazalema und Zahara de la Sierra liegen an Felskanten oder Stauseen. In der Axarquía östlich von Málaga ziehen sich Dörfer wie Frigiliana und Cómpeta zwischen Avocadoplantagen und Weinterrassen den Hang hinauf. Úbeda und Baeza in der Provinz Jaén sind Renaissance-Ensembles und gehören zum UNESCO-Welterbe. Cádiz, eine der ältesten Städte Westeuropas, ist von Wasser fast vollständig umgeben und feiert im Februar einen Karneval mit satirischen Chören. Wer Wandern sucht, findet in den Alpujarras an der Südflanke der Sierra Nevada Bergdörfer mit Flachdächern und Bewässerungskanälen aus maurischer Zeit.

Costa del Sol und Küstenorte

Zwischen Málaga und Gibraltar reihen sich Torremolinos, Benalmádena, Fuengirola und Marbella aneinander. Torremolinos war in den 1960ern einer der ersten Badeorte des Massentourismus, Marbella mit seiner kleinen Altstadt und dem Jachthafen Puerto Banús steht für das gehobene Segment. Wer ruhiger baden möchte, fährt nach Nerja mit seiner Tropfsteinhöhle, an die Strände von Tarifa – Hotspot für Kitesurfer mit Blick auf Marokko – oder nach Bolonia mit seiner römischen Ruinenstadt direkt hinter der Düne.

Flamenco, Ferias und Tapas

Andalusien ist die Heimat des Flamenco, der seit 2010 als immaterielles Kulturerbe gilt. In Jerez de la Frontera, Sevilla und Granada gibt es Peñas, in denen auch Einheimische zuhören. Die Semana Santa vor Ostern und die Feria de Abril in Sevilla, die Feria de Málaga im August und die Wallfahrt nach El Rocío sind Höhepunkte des Festkalenders. Kulinarisch dreht sich vieles um Olivenöl, Fisch und Schinken: kalte Gazpacho und dickere Salmorejo aus Córdoba, frittierter Fisch (pescaíto frito) in Cádiz und Málaga, Jamón ibérico aus Jabugo in der Provinz Huelva. In Granada gibt es zu jedem Getränk traditionell eine kostenlose Tapa. Dazu passt Sherry aus dem Dreieck zwischen Jerez, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda, wo der Manzanilla gereift wird.

Anreise und beste Reisezeit

Der Flughafen Málaga ist das wichtigste Tor zur Region, dazu kommen Sevilla, Granada, Almería und Jerez. Hochgeschwindigkeitszüge (AVE) verbinden Madrid in rund zweieinhalb Stunden mit Sevilla und Málaga, zwischen den Städten pendeln Regionalzüge und Busse. Für die Bergdörfer ist ein Mietwagen praktisch. Als beste Reisezeit gelten Frühling und Herbst: Im Juli und August klettern die Temperaturen im Guadalquivir-Tal regelmäßig über 40 Grad, während der Winter an der Küste mild bleibt und in der Sierra Nevada Skifahren möglich ist.