Sevilla entdecken: Alcázar, Flamenco und Orangenduft
Reiseführer · redaktionellIm Frühjahr riecht ganz Sevilla nach Orangenblüten, und abends hallt aus irgendeiner Bar das Klatschen einer Flamenco-Runde. Die andalusische Hauptstadt ist Spanien in konzentrierter Form – maurische Paläste, eine der größten Kathedralen der Welt und Feste, die Hunderttausende anziehen. Eine Reise nach Sevilla lohnt sich zu fast jeder Jahreszeit, außer vielleicht im glühenden Hochsommer.
Das Tor zur Neuen Welt
Schon die Römer kannten Hispalis, nahe gelegen ist mit Itálica sogar die Geburtsstadt der Kaiser Trajan und Hadrian. Über fünf Jahrhunderte herrschten die Mauren, aus dieser Zeit stammen das Minarett der heutigen Giralda und Teile des Alcázar. Nach der Rückeroberung 1248 begann der eigentliche Aufstieg: Ab 1503 lag hier das Handelsmonopol für die amerikanischen Kolonien. Gold und Silber aus Übersee flossen über den Guadalquivir, und Sevilla wurde zu einer der reichsten Städte Europas. Davon erzählen Paläste, Kirchen und das Archivo de Indias, in dem Dokumente zur Kolonialgeschichte lagern.
Sehenswürdigkeiten in Sevilla
Die gotische Kathedrale wurde auf den Fundamenten der großen Moschee errichtet; im Innern ruht in einem prunkvollen Grabmal Christoph Kolumbus. Auf die Giralda führen statt Treppen breite Rampen, damit einst der Muezzin hinaufreiten konnte. Der Real Alcázar, bis heute Residenz der Königsfamilie bei Besuchen, zeigt Mudéjar-Kunst von höchster Feinheit, dazu Gärten mit Palmen und Pavillons – Fans erkennen hier Drehorte von „Game of Thrones“. Die Plaza de España, gebaut für die Iberoamerikanische Ausstellung 1929, umschließt mit einem Halbkreis aus Backstein und Azulejos einen Kanal mit Ruderbooten. Neueres Wahrzeichen ist das Metropol Parasol, eine riesige Holzpilz-Konstruktion an der Encarnación, auf deren Dach man spazieren kann. Südlich davon schließt sich der Parque de María Luisa an, ein üppiger Park mit Teichen, Pavillons und Tauben, der an heißen Tagen der beste Zufluchtsort der Stadt ist. Eine Bootsfahrt auf dem Guadalquivir zeigt schließlich, wie eng Sevilla mit seinem Fluss verbunden ist.
Viertel: Santa Cruz, Triana und El Arenal
Santa Cruz, das alte jüdische Viertel, ist ein Labyrinth aus weißen Gassen, Innenhöfen und kleinen Plätzen voller Orangenbäume. Die Alfalfa ist das Ausgehviertel der Altstadt, Encarnación-Regina mit dem Markt und alternativen Läden das jüngere Gegenstück. El Arenal am Fluss beherbergt die Stierkampfarena Real Maestranza und den Torre del Oro. Rund um das Museo de Bellas Artes, das zweitbedeutendste Gemäldemuseum Spaniens mit Werken von Murillo und Zurbarán, liegt das ruhige Viertel Museo. Über die Isabel-II-Brücke gelangt man nach Triana, dem traditionellen Viertel der Töpfer, Seeleute und Flamenco-Sänger – Keramikwerkstätten und der Mercado de Triana über den Resten einer Inquisitionsburg prägen es bis heute.
Essen in Sevilla: Tapas als Lebensform
Sevilla behauptet, die Tapa erfunden zu haben, und kaum irgendwo wird sie so konsequent gelebt. Typisch sind Espinacas con garbanzos, Spinat mit Kichererbsen, Pringá, ein Brötchen mit geschmortem Fleisch, Salmorejo und frittierter Fisch. Dazu gibt es eiskalten Sherry aus dem nahen Jerez oder ein Bier vom Fass. Die Restaurants in Sevilla füllen sich erst ab 21.30 Uhr, mittags isst man zwischen zwei und vier. Im Winter werden die Orangen der Straßenbäume übrigens nicht gegessen – sie sind bitter und gehen größtenteils nach Großbritannien zur Marmeladenherstellung.
Feste und Flamenco
Die Semana Santa verwandelt die Stadt in eine Bühne: Bruderschaften tragen Heiligenfiguren durch die Nacht, begleitet von Trommeln und Saetas, spontan gesungenen Gebeten. Zwei Wochen später folgt die Feria de Abril mit Hunderten bunten Zelten, Pferdekutschen und Sevillanas bis zum Morgen. Flamenco erlebt man ganzjährig in Triana und in kleinen Peñas, auf eindrucksvolle Weise auch im Museo del Baile Flamenco.
Unterwegs in Sevilla und beste Reisezeit
Der Flughafen San Pablo (SVQ) ist per Bus mit dem Zentrum verbunden, der AVE fährt in rund zweieinhalb Stunden nach Madrid. Das flache Zentrum erkundet man zu Fuß oder mit dem Leihrad. Die beste Reisezeit sind Frühling und Spätherbst; im Juli und August werden oft über 40 Grad erreicht. Ausflüge lohnen nach Córdoba, Carmona oder zu den Ruinen von Itálica.














