Staat Mexiko: Pyramiden, Vulkane und Hauptstadtgürtel
Reiseführer · redaktionellDer Bundesstaat, der den Namen des ganzen Landes trägt, legt sich wie ein Hufeisen um die Hauptstadt. Wer eine Reise nach Mexiko – gemeint ist das Estado de México – plant, findet hier die Pyramiden von Teotihuacán, einen begehbaren Vulkankrater und stille Kolonialorte, nur ein bis zwei Stunden vom Großstadtgetümmel entfernt.
Lage und Landschaft
Mit rund 17 Millionen Einwohnern ist der Staat Mexiko der bevölkerungsreichste des Landes. Ein großer Teil von ihnen lebt in den Vorstädten, die nahtlos an Mexiko-Stadt anschließen. Jenseits dieses Siedlungsgürtels wird es rasch ländlich und gebirgig. Im Westen erhebt sich der Nevado de Toluca, ein erloschener Vulkan von über 4.600 Metern, in dessen Krater zwei Lagunen liegen, die Sonnen- und die Mondlagune. Im Osten bilden Popocatépetl und Iztaccíhuatl die Grenze zu Puebla; über den Pass von Paso de Cortés führt eine Straße zwischen beiden hindurch. Kiefern- und Tannenwälder bedecken die Höhen, und im Grenzgebiet zu Michoacán überwintern jedes Jahr Millionen Monarchfalter.
Städte zwischen Industrie und Alltag
Ecatepec de Morelos und Nezahualcóyotl gehören zu den größten Städten Mexikos, sind aber vor allem Wohnorte für Pendler, die täglich in die Hauptstadt fahren. Naucalpan de Juárez, Tlalnepantla und Cuautitlán Izcalli im Nordwesten sind Industrie- und Einkaufszentren; in Naucalpan stehen die Torres de Satélite, die farbigen Betontürme von Luis Barragán und Mathias Goeritz aus den 1950er-Jahren. Atizapán de Zaragoza und Ciudad López Mateos schließen sich nördlich an. Die Landeshauptstadt Toluca liegt auf rund 2.660 Metern und zählt zu den höchstgelegenen Großstädten des Landes. Ihr Zentrum mit den Arkaden der Portales und dem Cosmovitral, einem botanischen Garten unter riesigen Glasfenstern, lohnt einen Besuch.
Sehenswürdigkeiten im Staat Mexiko
Teotihuacán ist das große Ziel. Die Ruinenstadt, deren Blüte zwischen etwa 100 und 550 n. Chr. lag, beeindruckt mit der Straße der Toten, der Sonnenpyramide und der Mondpyramide; im Morgengrauen schweben Heißluftballons über dem Gelände. Im Süden lohnt Malinalco mit einem in den Fels gehauenen aztekischen Tempel der Adler- und Jaguarkrieger. Tepotzotlán bewahrt mit dem ehemaligen Jesuitenkolleg eines der schönsten Barockensembles des Landes, heute das Museo Nacional del Virreinato. Valle de Bravo am Stausee ist das Wochenendziel der Hauptstädter: Segeln, Gleitschirmfliegen und Spaziergänge durch steile Gassen mit weißen Häusern und roten Ziegeldächern. Südlich davon locken die Grutas de la Estrella, Tropfsteinhöhlen bei Tonatico, und das warme Thermalbad von Ixtapan de la Sal.
Kultur und Geschichte
Vor der Ankunft der Spanier lebten im Tal von Toluca Matlatzinca und Otomí, im Osten herrschte der Stadtstaat Texcoco unter dem Dichterkönig Nezahualcóyotl, dessen Name heute eine Millionenstadt trägt. Indigene Sprachen wie Mazahua und Otomí werden in einigen Dörfern noch gesprochen. Metepec ist für seine bemalten Lebensbäume aus Ton berühmt, Tenancingo für handgewebte Rebozos, die traditionellen Schultertücher. In San Juan Teotihuacán und Acolman haben sich Augustinerklöster aus dem 16. Jahrhundert erhalten.
Essen und Trinken
Toluca ist die Hauptstadt der Chorizo, sowohl der roten als auch einer grünen Variante mit Kräutern und Chili. In den Märkten gibt es außerdem Obstlikör aus Toluca, die sogenannten Moscos. Rund um Teotihuacán serviert man Barbacoa, in Agavenblättern im Erdofen gegartes Lammfleisch, dazu Consomé und frische Tortillas. Die Region ist auch bekannt für Pulque; Escamoles, Ameiseneier, und Gerichte mit Kaktusfeigen und Nopales stehen in der Saison auf den Speisekarten.
Anreise und beste Reisezeit
Die meisten Besucher kommen über Mexiko-Stadt. Toluca hat einen eigenen Flughafen (TLC), und seit 2023 verbindet der Interurban-Zug El Insurgente Toluca schrittweise mit der Hauptstadt. Der Flughafen Felipe Ángeles (NLU) bei Zumpango bedient vor allem Inlandsflüge. Zu Zielen wie Teotihuacán und Valle de Bravo fahren regelmäßig Busse. Als beste Reisezeit gilt die Trockenzeit von Oktober bis Mai; die Monarchfalter sind von etwa Mitte November bis März zu sehen. In den Höhenlagen wird es nachts kalt, auf dem Nevado de Toluca sind Frost und gelegentlich Schnee möglich. In Teilen der Vorstädte sollte man sich vor Ort über die Sicherheitslage informieren.












