Nezahualcóyotl entdecken: Neza zwischen See und Metro
Reiseführer · redaktionellAuf dem trockengefallenen Grund des Texcoco-Sees wuchs in wenigen Jahrzehnten eine Stadt mit über einer Million Einwohnern: Nezahualcóyotl, von allen nur Neza genannt. Wer auf einer Reise nach Mexiko-Stadt den Alltag jenseits der Touristenviertel kennenlernen will, findet hier Märkte, Straßenküche und eine Musikkultur mit eigener Geschichte.
Eine Stadt auf dem Seegrund
Bis ins 20. Jahrhundert stand hier das Wasser des Texcoco-Sees. Als er trockengelegt wurde, entstand eine staubige Ebene, auf der ab den 1940er-Jahren Zuwanderer aus dem ganzen Land Parzellen kauften, oft ohne Wasser, Strom oder Kanalisation. Mit Selbsthilfe und Protesten erkämpften die Bewohner nach und nach die Infrastruktur. 1963 wurde Nezahualcóyotl als eigene Gemeinde gegründet, benannt nach dem Dichterkönig von Texcoco aus dem 15. Jahrhundert. Das Straßennetz folgt einem strengen Raster, und die Dichte gehört zu den höchsten des Landes.
Sehenswürdigkeiten und Alltag in Neza
Klassische Sehenswürdigkeiten sind rar, umso interessanter ist das Stadtleben. Auf der Avenida Chimalhuacán und der Avenida Pantitlán drängen sich Läden, Märkte und Garküchen. Der Parque del Pueblo und der Bordo de Xochiaca, wo früher eine Mülldeponie lag und heute teils Freizeitflächen und Einkaufszentren entstanden sind, zeigen den Wandel der Stadt. Im Zentrum erinnert eine Statue an den Namensgeber Nezahualcóyotl. Am Stadtrand liegt der Ortsteil Los Reyes Acaquilpan, der zur Nachbargemeinde La Paz gehört. An Wochenenden verwandeln sich ganze Straßen in Tianguis, Wochenmärkte, auf denen von Obst und Kleidung bis zu gebrauchten Elektronikteilen alles verkauft wird. Wer durch die Viertel schlendert, erlebt eine Stadt, die ihre Identität aus eigener Kraft geschaffen hat und stolz darauf ist.
Rock, Fußball und Kultur
Neza hat einen besonderen Ruf als Wiege der mexikanischen Rockszene der Vorstädte. In den 1970er- und 80er-Jahren entstanden in Garagen und Hinterhöfen Bands, die den Rock urbano prägten, und noch heute gibt es Konzerte in kleinen Hallen und auf Straßenfesten. Fußball spielt ebenfalls eine große Rolle: Im Estadio Neza 86, das für die Weltmeisterschaft 1986 gebaut wurde, spielten verschiedene Profiklubs. Wandbilder an Hauswänden erzählen Geschichten der Viertel und ihrer Bewohner.
Essen in Nezahualcóyotl
Die Küche ist die der Straße und der Märkte: Tacos de suadero, Quesadillas, Tlacoyos und Pambazos, mit Guajillo-Chili getränkte und gefüllte Brötchen. Am Wochenende gibt es Barbacoa und Consomé, abends Elotes und Esquites. In den Mercados bekommt man Säfte, Obst und Comida corrida, das günstige Tagesmenü. Restaurants mit langer Speisekarte sind selten, dafür ist die Auswahl an einfachen Lokalen groß und preiswert. Viele Familien betreiben ihre Garküche direkt vor dem eigenen Haus, und die Rezepte stammen aus den Herkunftsregionen der Zuwanderer – aus Oaxaca, Puebla, Michoacán oder Guerrero. So findet man in Neza auf engem Raum Spezialitäten aus fast ganz Mexiko.
Unterwegs, Sicherheit und Reisezeit
Neza liegt direkt östlich des Flughafens von Mexiko-Stadt. Die Metro-Linie B und die Linie A verbinden die Stadt mit dem Zentrum der Hauptstadt, ergänzt durch Busse und Colectivos. Die Kriminalitätsrate ist höher als im Zentrum von Mexiko-Stadt; Besucher sollten tagsüber unterwegs sein, Wertsachen nicht zeigen und Fahrdienst-Apps nutzen. Die beste Reisezeit ist die Trockenzeit von Oktober bis April. Ein Ausflug führt nach Texcoco mit seinem Markt und zum Baño de Nezahualcóyotl, Resten einer Badeanlage des Dichterkönigs.

