Niederkalifornien: Grenzstädte, Weintal und Pazifik
Reiseführer · redaktionellNiederkalifornien, offiziell Baja California, ist der nördliche Teil der langen Halbinsel zwischen Pazifik und Golf von Kalifornien. Ein Urlaub in Niederkalifornien verbindet die lebhafte Grenzstadt Tijuana mit Weingütern im Valle de Guadalupe, Surfstränden und fast menschenleeren Wüsten weiter südlich.
Wüste, Berge und zwei Meere
Der Staat reicht von der US-Grenze bis zum 28. Breitengrad, wo Süd-Niederkalifornien beginnt. Längs durch die Halbinsel zieht sich ein Gebirgsrücken, der in der Sierra de San Pedro Mártir mit dem Picacho del Diablo über 3.000 Meter erreicht. Westlich davon kühlt der Pazifik das Klima, Morgennebel und frische Brisen sind typisch. Östlich der Berge liegt die heiße Senke von Mexicali, wo im Sommer Temperaturen weit über 40 Grad keine Seltenheit sind und das Colorado-Delta in den Golf von Kalifornien mündet. Weiter südlich wachsen in der Wüste von Cataviña haushohe Cardón-Kakteen und die bizarren Cirio-Bäume zwischen runden Granitblöcken.
Tijuana, Mexicali und die Küstenorte
Tijuana gilt als eine der meistbesuchten Grenzstädte der Welt. Die Avenida Revolución mit ihren Bars und Souvenirläden ist das alte Zentrum; spannender sind heute die Craft-Brauereien, Märkte wie der Mercado Hidalgo und die Kulturszene rund um das Centro Cultural Tijuana mit seiner Kugelkuppel. Die Landeshauptstadt Mexicali ist eine Industrie- und Landwirtschaftsstadt mit einer überraschend großen chinesischen Gemeinde, deren Restaurants in La Chinesca auf das frühe 20. Jahrhundert zurückgehen. Rosarito südlich von Tijuana ist ein Badeort mit langem Strand, bekannt auch durch Filmstudios, in denen Szenen für „Titanic“ gedreht wurden. Tecate an der Grenze ist Pueblo Mágico und Namensgeber einer bekannten Biermarke. Ensenada, der wichtigste Hafen der Region, empfängt regelmäßig Kreuzfahrtschiffe.
Sehenswürdigkeiten in Niederkalifornien
Das Valle de Guadalupe nordöstlich von Ensenada ist das bekannteste Weinbaugebiet Mexikos. Rund hundert Weingüter, viele mit moderner Architektur aus Holz, Stahl und Recyclingmaterial, bieten Verkostungen an, dazu Restaurants unter freiem Himmel. Russische Molokanen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts hier niederließen, haben Spuren im Tal hinterlassen. Südlich von Ensenada schießt bei La Bufadora Meerwasser durch eine Felsspalte meterhoch in die Luft. Der Nationalpark Sierra de San Pedro Mártir mit seinem astronomischen Observatorium bietet Kiefernwälder und einen der dunkelsten Nachthimmel des Landes. Am Golf von Kalifornien liegen die Fischerorte San Felipe und Bahía de los Ángeles, wo man im Sommer mit Walhaien schwimmen kann.
Essen und Trinken
Ensenada gilt als Heimat des Fischtacos: Frittierter Fisch im Teigmantel, dazu Kohl, Crema und Salsa. Ebenso beliebt sind Tostadas mit Seeigel, Austern und Ceviche. In Tijuana wurde der Caesar Salad erfunden, angeblich im Restaurant des Hotel Caesar's in den 1920er-Jahren, das bis heute existiert. Puerto Nuevo bei Rosarito ist für Langusten mit Bohnen, Reis und Weizentortillas bekannt. Aus dem Valle de Guadalupe kommen kräftige Rotweine aus Nebbiolo, Tempranillo und Cabernet Sauvignon. Die Gastronomie der Region, oft „Baja Med“ genannt, kombiniert mexikanische Zutaten mit mediterranen und asiatischen Einflüssen.
Geschichte am Rand des Kontinents
Jesuiten und später Dominikaner gründeten im 18. Jahrhundert eine Kette von Missionen, deren Ruinen etwa in San Borja oder Santo Tomás erhalten sind. Lange blieb die Region dünn besiedelt. Erst die Prohibition in den USA machte Tijuana und Mexicali in den 1920er-Jahren zu Vergnügungsorten für Gäste aus dem Norden. Baja California wurde 1952 als erstes Territorium der Halbinsel zum Bundesstaat erhoben. Heute leben viele Menschen vom Grenzverkehr, von den Maquiladoras, also Montagefabriken, und vom Tourismus.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Tijuana (TIJ) ist über eine Fußgängerbrücke, das Cross Border Xpress, direkt mit San Diego verbunden. Mexicali (MXL) hat ebenfalls einen Flughafen. Die Küstenstraße von Tijuana nach Ensenada gehört zu den schönsten Fahrten der Region; Fernbusse fahren weiter bis in den Süden der Halbinsel. Beste Reisezeit für die Pazifikküste und das Weintal ist von April bis November; die Weinlesefeste im August locken viele Besucher. Mexicali und San Felipe besucht man besser im Winter. In Tijuana sollte man sich in belebten Vierteln aufhalten und aktuelle Sicherheitshinweise beachten.





