Mexicali entdecken: Wüste, Grenze und Chinesenviertel
Reiseführer · redaktionellIn Mexicali wird man eher mit Chow Mein als mit Tacos begrüßt – eine von vielen Überraschungen der Hauptstadt von Baja California. Für eine Reise an die Grenze zu Kalifornien bietet die Wüstenstadt chinesisch-mexikanische Küche, Grenzkultur und Ausflüge zu Oasen und Kraterlandschaften.
Eine Stadt aus Wüste und Bewässerung
Der Name verbindet „México“ und „California“, ebenso wie die Schwesterstadt Calexico auf der US-Seite. Mexicali entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als Kanäle Wasser des Colorado ins Valle de Mexicali leiteten und Baumwollfelder entstanden. Viele Arbeiter kamen aus China, und als die Plantagen weniger Arbeitskräfte brauchten, blieben viele und eröffneten Läden und Restaurants. So entstand eine der größten chinesischen Gemeinschaften Mexikos. 1952 wurde Mexicali Hauptstadt des neuen Bundesstaats Baja California; heute prägen Industrie und Maquiladoras die Wirtschaft. Auch Landwirtschaft spielt weiterhin eine große Rolle: Im Valle de Mexicali werden Weizen, Spargel, Gemüse und Futterpflanzen angebaut, bewässert durch ein dichtes Netz von Kanälen.
Sehenswürdigkeiten in Mexicali
Das historische Zentrum liegt direkt an der Grenze. Hier befindet sich La Chinesca, das Chinesenviertel mit Restaurants, Läden und einem Netz aus alten Kellern und Tunneln, über das sich Legenden ranken – manche Gänge sollen in der Prohibition für Schmuggel und Glücksspiel genutzt worden sein. Die Catedral de Nuestra Señora de Guadalupe ist das religiöse Zentrum, der Bosque de la Ciudad ein großer Park mit Zoo und See. Das Kulturzentrum Centro Estatal de las Artes und das Museo Universitario der UABC geben Einblick in Geschichte, Kunst und die Kultur der Cucapá, der indigenen Bevölkerung am Colorado-Delta.
Essen in Mexicali
Mexicali soll mehr chinesische Restaurants pro Kopf haben als jede andere Stadt des Landes. Die Küche ist eine eigene Mischung: Chop Suey, gebratener Reis und Gerichte mit süß-saurer Soße, oft serviert mit Tortillas und scharfen Salsas. Daneben ist die Stadt für ihre Carne asada bekannt, denn das Rindfleisch aus dem Norden ist hochwertig. Mittags gibt es Tacos de carne asada und Sonora-Hot-Dogs, nachts Taquerías bis spät. Craft-Bier aus Baja California und Weine aus dem nahen Valle de Guadalupe runden das Angebot ab.
Ausgehen und Alltag
Das Nachtleben konzentriert sich auf Bars und Brauereien im Zentrum und entlang des Bulevar Lázaro Cárdenas. Im Sommer verlagert sich das Leben fast vollständig in die klimatisierten Innenräume und auf den späten Abend, denn tagsüber ist es schlicht zu heiß. Im Herbst feiert die Stadt die Fiestas del Sol, ein großes Volksfest mit Konzerten und Jahrmarkt, das an ihre Gründung erinnert. Die Atmosphäre ist pragmatisch und grenznah: Viele Bewohner pendeln täglich nach Calexico. Wer abends unterwegs ist, findet in den neueren Vierteln im Osten Brauhäuser mit Terrassen, auf denen man nach Sonnenuntergang die abkühlende Wüstenluft genießt. Die Craft-Bier-Szene von Baja California ist in den letzten Jahren stark gewachsen, und Mexicali hat einige eigene Brauereien mit lokalen Sorten.
Unterwegs in Mexicali
Der Flughafen General Rodolfo Sánchez Taboada (MXL) liegt östlich der Stadt, mit Flügen nach Mexiko-Stadt und Guadalajara. Viele Besucher reisen über die Grenze aus Kalifornien ein; vom Flughafen San Diego sind es gut zwei Autostunden. In der Stadt sind Taxis und Fahrdienste üblich, öffentliche Busse sind wenig touristisch. Die Grenzregion hat wie ganz Baja California Probleme mit Kriminalität; Besucher bewegen sich am besten tagsüber in belebten Gegenden und nutzen registrierte Fahrzeuge.
Beste Reisezeit und Ausflüge
Mexicali ist eine der heißesten Städte Mexikos, im Sommer sind über 45 Grad keine Seltenheit. Die beste Reisezeit liegt daher zwischen November und März. Lohnend sind Ausflüge in den Cañón de Guadalupe mit heißen Quellen und Palmen, zur Laguna Salada und in die Sierra de Juárez. Nach San Felipe am Golf von Kalifornien sind es rund zwei Autostunden – ein beliebtes Ziel zum Baden und Fischessen, besonders in den Wintermonaten.