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Litauen

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Litauen entdecken: Vilnius, Kurische Nehrung und Seen

Reiseführer · redaktionell

Ein Urlaub in Litauen führt in das südlichste und größte der drei baltischen Länder: barocke Kirchtürme in Vilnius, Wanderdünen auf der Kurischen Nehrung und Hunderte Seen im Osten. Das Land ist überschaubar, die Wege sind kurz, und wer eine Woche Zeit hat, kann Hauptstadt, Küste und Hinterland gut verbinden.

Vilnius: barocke Altstadt und Užupis

Die Altstadt von Vilnius gehört zu den größten erhaltenen in Osteuropa und steht seit 1994 auf der UNESCO-Liste. Anders als in Riga oder Tallinn prägt hier nicht die Backsteingotik, sondern der Barock das Bild: weiße und pastellfarbene Kirchen, die Universität mit ihren dreizehn Innenhöfen, die Kathedrale mit dem frei stehenden Glockenturm. Vom Gediminas-Turm auf dem Burgberg überblickt man die roten Dächer. Das Tor der Morgenröte mit seiner Marienikone ist ein Wallfahrtsort für Katholiken aus Litauen und Polen. Gleich hinter dem Flüsschen Vilnia liegt Užupis, ein früher heruntergekommenes Viertel, das sich 1997 zur „Republik“ erklärte, mit eigener Verfassung, die in vielen Sprachen an einer Hauswand hängt. Ein ernsteres Kapitel erzählt das Museum der Okkupationen und Freiheitskämpfe im ehemaligen KGB-Gebäude. Vilnius war bis zum Zweiten Weltkrieg ein Zentrum jüdischen Lebens, das „Jerusalem des Nordens“; der Holocaust hat diese Welt fast vollständig vernichtet, Gedenkorte und das Jüdische Museum halten die Erinnerung wach.

Kaunas und das Landesinnere

Kaunas, die zweitgrößte Stadt, war zwischen den Weltkriegen provisorische Hauptstadt, weil Vilnius damals zu Polen gehörte. Aus dieser Zeit stammt eine erstaunliche Menge an modernistischer Architektur, die 2023 zum Welterbe erklärt wurde: Banken, Kinos, Wohnhäuser und die Auferstehungskirche, deren Dach man besteigen kann. Die Fußgängerzone Laisvės alėja verbindet Alt- und Neustadt, am Zusammenfluss von Memel und Neris steht die Burg. Kurios ist das Teufelsmuseum mit mehr als 3.000 Teufelsfiguren. Rund eine Autostunde von Vilnius entfernt liegt Trakai mit seiner Wasserburg aus rotem Backstein auf einer Insel im Galvė-See. Die Stadt ist auch Heimat der Karäer, einer turksprachigen Minderheit, deren Holzhäuser stets drei Fenster zur Straße haben. Bei Šiauliai im Norden steht der Berg der Kreuze, ein Hügel, auf dem Pilger über Generationen mehr als 100.000 Kreuze aufgestellt haben – die Sowjetbehörden ließen ihn mehrfach räumen, die Kreuze kehrten immer zurück.

Kurische Nehrung, Klaipėda und Palanga

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Litauen gehört die Kurische Nehrung, eine 98 Kilometer lange Sandzunge zwischen Ostsee und Haff, deren nördliche Hälfte zu Litauen gehört, die südliche zur russischen Exklave Kaliningrad. Hohe Wanderdünen, Kiefernwälder und Fischerdörfer mit blau-braunen Holzhäusern prägen die Gemeinde Neringa. In Nida steht das Sommerhaus von Thomas Mann, der hier in den Jahren 1930 bis 1932 die Sommer verbrachte. Die Parnidis-Düne bietet einen Blick weit über das Haff. Zur Nehrung kommt man per Fähre von Klaipėda, dem früheren Memel, dessen Altstadt Fachwerkhäuser und alte Speicher bewahrt hat. Weiter nördlich liegt Palanga, der lebhafteste Badeort des Landes, mit einer langen Seebrücke, Bernsteinmuseum im Tyszkiewicz-Palast und einem breiten Sandstrand, an dem sich im Juli halb Litauen trifft.

Seen, Wälder und Kurorte

Im Osten und Süden liegen die meisten der rund 3.000 Seen. Der Aukštaitija-Nationalpark bei Ignalina ist ein Paddelrevier mit verbundenen Seen und kleinen Dörfern, in denen noch Holzglockentürme stehen. Im Süden, nahe der Grenze zu Belarus und Polen, liegt Druskininkai an der Memel, ein Kurort mit Mineralquellen, Wellnesshotels und einer ganzjährigen Skihalle. Ganz in der Nähe zeigt der Grūtas-Park die Lenin- und Stalinstatuen, die nach 1991 von den Plätzen des Landes abgebaut wurden. Der Dzūkija-Nationalpark ist bekannt für Pilze und Beeren; im Spätsommer stehen an den Straßenrändern Verkäufer mit Eimern voller Pfifferlinge.

Litauische Küche

Das bekannteste Gericht ist Cepelinai, große Kartoffelklöße mit Hackfleisch- oder Quarkfüllung, serviert mit Schmand und Speckwürfeln. Im Sommer ist Šaltibarščiai allgegenwärtig, eine leuchtend rosafarbene kalte Rote-Bete-Suppe mit Kefir, Gurke und Dill, dazu heiße Kartoffeln. Zum Bier isst man frittiertes Knoblauchbrot, Kepta duona. Ein Erbe der Karäer sind die Kibinai, gefüllte Teigtaschen, die man in Trakai probieren sollte. Zu Festen gibt es Šakotis, einen Baumkuchen, der am Spieß über offenem Feuer gebacken wird und aussieht wie ein Tannenbaum. Litauen hat zudem eine eigenwillige Biertradition mit Landbieren aus dem Norden rund um Biržai, die teils noch nach alten Hausrezepten gebraut werden.

Anreise und Unterwegs

Der wichtigste Flughafen ist Vilnius (VNO), daneben werden Kaunas (KUN) und im Sommer Palanga (PLQ) angeflogen, vor allem von Billigfluggesellschaften. Mit dem Auto fährt man von Berlin über Polen etwa 900 Kilometer bis Vilnius. Von Kiel gibt es eine Fährverbindung nach Klaipėda. Seit einigen Jahren verkehren wieder direkte Züge zwischen Vilnius und Warschau mit Umstieg an der Grenze; innerhalb des Landes verbindet die Bahn Vilnius mit Kaunas, Klaipėda und Trakai zuverlässig und günstig. Für die Küste und die Nationalparks ist das Auto praktischer. Litauen gehört zum Schengen-Raum und zahlt mit dem Euro.

Beste Reisezeit für Litauen

Die beste Reisezeit für Litauen ist von Mai bis September. Im Juli und August klettern die Temperaturen auf 20 bis 25 Grad, an der Ostsee ist dann Hochsaison. Im Juni feiert man Joninės, das Mittsommerfest am 23. Juni, mit Feuern und Blumenkränzen. Mai und September sind gute Monate für Städtereisen nach Vilnius und Kaunas, wenn es angenehm warm, aber nicht voll ist. Der Winter ist kalt, oft mit Schnee und Temperaturen um minus fünf Grad, und die Tage sind kurz. Anfang März findet in Vilnius die Kaziukas-Messe statt, ein großer Handwerksmarkt, auf dem man die typischen Palmbuschen aus getrockneten Blumen kauft.