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Finnland

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Finnland entdecken: Seen, Sauna und Lappland

Reiseführer · redaktionell

Finnland zählt rund 188.000 Seen und ungefähr drei Millionen Saunen, und beides prägt einen Urlaub in Finnland mehr als jede Sehenswürdigkeit. Zwischen der Designstadt Helsinki im Süden und den Fjells Lapplands im Norden liegen über 1.100 Kilometer Wald, Wasser und Stille.

Seenplatte, Schären und Lappland: Finnlands Landschaften

Die Finnische Seenplatte im Osten und in der Mitte des Landes ist ein Labyrinth aus Wasserflächen, Inseln und bewaldeten Landrücken, die die Eiszeit hinterlassen hat. Der Saimaa, Finnlands größter See, ist Lebensraum einer der seltensten Robbenarten der Welt, der Saimaa-Ringelrobbe. In Savonlinna thront die Burg Olavinlinna auf einer Felseninsel, im Juli wird sie zur Kulisse eines Opernfestivals. Entlang der Südwestküste zerfällt das Festland in die Schären von Turku, einen Archipel aus über 20.000 Inseln, die man auf einer Rundroute mit kleinen Gratisfähren abfahren kann. Weiter draußen liegen die Ålandinseln, autonom, schwedischsprachig und vom Fahrrad aus am schönsten zu erkunden.

Nördlich des Polarkreises beginnt Lappland. Hier werden die Wälder lichter, sanfte Fjellkuppen wie im Nationalpark Pallas-Yllästunturi oder rund um Saariselkä erheben sich über Moore und Flüsse. Rund 200.000 Rentiere leben in der Region, sie gehören Rentierhaltern, auch wenn sie frei umherziehen. Ganz oben, am Inarisee, liegt das Kulturzentrum der finnischen Samen; das Museum Siida erklärt ihre Geschichte und ihr Verhältnis zur Natur.

Helsinki, Turku, Tampere und Rovaniemi

Helsinki ist eine junge Hauptstadt, erst 1812 unter russischer Herrschaft dazu ernannt, und das sieht man am klassizistischen Senatsplatz mit dem weißen Dom. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Finnland gehört die Seefestung Suomenlinna, eine Viertelstunde mit der Fähre vom Marktplatz entfernt und Welterbe. Daneben zeigt die Stadt ihre moderne Seite: die Felsenkirche Temppeliaukio, die Bibliothek Oodi mit ihrem geschwungenen Holzdach, das Designviertel um die Uudenmaankatu und öffentliche Saunen wie Löyly am Meer, in denen man zwischendurch in die Ostsee springt. Im benachbarten Espoo liegt der Nationalpark Nuuksio, eine halbe Busstunde vom Zentrum entfernt.

Turku, die älteste Stadt des Landes, war bis 1812 Hauptstadt. Am Fluss Aura stehen Dom und Burg, auf Restaurantschiffen wird im Sommer bis spät gegessen. Tampere, zwischen zwei Seen gelegen, war das Manchester Finnlands; in den alten Backsteinfabriken sitzen heute Museen, darunter eines für die Mumins, und die Stadt gilt als Hauptstadt der öffentlichen Saunen. Unter den Finnland Reisezielen im Norden ist Rovaniemi am bekanntesten: Das Weihnachtsmanndorf am Polarkreis zieht Familien aus aller Welt an, das Wissenschaftsmuseum Arktikum ist der bessere Grund, länger zu bleiben. Oulu, Europas Kulturhauptstadt 2026, öffnet sich gerade stärker für Besucher, und Kuopio und Jyväskylä sind gute Standorte für die Seenplatte, letztere auch wegen der Bauten von Alvar Aalto.

Kultur und Geschichte: Sauna, Sisu und Design

Finnland gehörte rund 600 Jahre zu Schweden und danach über ein Jahrhundert als Großfürstentum zu Russland, bevor es 1917 unabhängig wurde. Diese Lage zwischen Ost und West erklärt, warum es in Helsinki eine lutherische und eine orthodoxe Kathedrale gibt und warum Schwedisch bis heute zweite Amtssprache ist. Das Nationalepos Kalevala lieferte im 19. Jahrhundert die Grundlage für eine eigene Identität, ebenso wie die Musik von Jean Sibelius. Die Sauna ist dabei kein Wellnessangebot, sondern Alltag: Man geht mit Familie, Kollegen oder Freunden, schlägt sich mit Birkenzweigen und kühlt sich im See ab, im Winter auch in einem Eisloch. Die finnische Saunakultur steht seit 2020 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Und dann gibt es noch Sisu, jenen schwer übersetzbaren Begriff für zähe Ausdauer, auf den die Finnen ziemlich stolz sind.

Essen und Trinken: Karelische Piroggen und Lakritz

Die finnische Küche ist bodenständig und eng an die Jahreszeiten gebunden. Karjalanpiirakka, karelische Piroggen aus Roggenteig mit Milchreis gefüllt, isst man mit Eierbutter; in Kuopio ist Kalakukko zu Hause, ein Roggenbrot, in dem Maränen und Speck gebacken werden. Im Sommer gibt es Muikku, kleine gebratene Maränen vom Markt, dazu frische Kartoffeln und Dill, im Juli und August Blaubeeren, Preiselbeeren und Moltebeeren aus dem Wald. In Lappland kommen Rentiergeschnetzeltes mit Kartoffelpüree und Preiselbeeren, Lachssuppe und Brotkäse mit Moltebeermarmelade auf den Tisch. Die Finnen trinken pro Kopf mehr Kaffee als fast jedes andere Volk, gerne mit einer Zimtschnecke. Salmiakki, salziges Lakritz, ist ein Geschmack, an den man sich gewöhnen muss.

Anreise und Unterwegs in Finnland

Direktflüge aus Deutschland landen meist in Helsinki-Vantaa, im Winter gibt es zusätzlich Verbindungen nach Rovaniemi, Kittilä und Ivalo. Wer mit dem Auto anreist, nimmt die Fähre von Travemünde nach Helsinki, die rund 30 Stunden braucht, oder fährt über Schweden und setzt von Stockholm nach Turku oder Helsinki über. Auch über Tallinn ist Helsinki in zwei Stunden per Schiff erreichbar. Im Land funktioniert die Bahn zuverlässig: Schnellzüge verbinden Helsinki mit Tampere, Turku und Oulu, und ein Nachtzug fährt bis Rovaniemi und Kolari, auf Wunsch mit Autotransport. Auf der Seenplatte sind Mietwagen und Ausflugsschiffe die beste Wahl, viele Ferienhäuser, die Mökkis, liegen weit abseits am Wasser.

Beste Reisezeit für Finnland

Für die Seenplatte und Helsinki ist die beste Reisezeit für Finnland von Juni bis August. Die Temperaturen liegen dann meist zwischen 18 und 25 Grad, an manchen Tagen auch höher, und die Seen werden angenehm warm. Um Mittsommer, das am Wochenende um den 21. Juni mit Feuern am Wasser gefeiert wird, ist es selbst in Helsinki kaum dunkel, in Lappland scheint die Mitternachtssonne. Im September beginnt dort die Ruska, die Laubfärbung, die die Fjells rot und golden leuchten lässt. Der Winter in Lappland dauert von November bis April. Polarlichter sind von Ende August bis Anfang April möglich, am häufigsten über dem Inarisee und in Saariselkä. Im Dezember und Januar herrscht Polarnacht mit blauem Dämmerlicht, für Husky- und Skitouren sind Februar und März mit minus 10 bis minus 20 Grad, viel Schnee und längeren Tagen ideal.