Serbien entdecken: Belgrad, Donau und Klöster
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in Serbien beginnt meist in Belgrad, einer Stadt, die bis spät in die Nacht unterwegs ist. Doch das Land reicht von der flachen Vojvodina mit ihren Weinbergen über die Schluchten der Donau bis zu den Bergen und mittelalterlichen Klöstern im Süden – und ist für viele Reisende noch eine Entdeckung.
Belgrad: Festung, Flüsse und Nachtleben
Belgrad liegt dort, wo die Save in die Donau mündet, und die Festung Kalemegdan auf dem Felsen darüber ist der beste Ort, um das zu sehen. Am Abend sitzen hier Familien, Paare und Schachspieler im Park, während die Sonne über Neu-Belgrad untergeht. Von der Festung führt die Fußgängerzone Knez Mihailova in die Innenstadt. Das Bohème-Viertel Skadarlija mit Kopfsteinpflaster und Kafanas, in denen Musiker zwischen den Tischen spielen, erinnert an das 19. Jahrhundert. Im Stadtteil Vračar steht der Dom des heiligen Sava, eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt, deren Inneres mit goldenen Mosaiken ausgekleidet ist. Das Nikola-Tesla-Museum bewahrt die Urne des Erfinders, im Haus der Blumen liegt Tito begraben. Neu-Belgrad auf der anderen Seite der Save ist eine Planstadt aus sozialistischen Wohnblöcken, die zu einem Treffpunkt für Architekturinteressierte geworden ist. Zemun, deutsch Semlin, war bis 1918 eine österreichisch-ungarische Grenzstadt und hat sich den Charakter einer Kleinstadt bewahrt, mit Fischrestaurants an der Donau und dem Gardoš-Turm. Im Sommer verlagert sich das Nachtleben auf die Splavovi, Flöße und Partyschiffe an den Ufern. 2027 richtet Belgrad die Expo aus, wofür im Süden der Stadt neue Viertel entstehen.
Novi Sad und die Vojvodina
Novi Sad an der Donau, die zweitgrößte Stadt, ist barocker und gelassener als Belgrad. Die Altstadt mit der Kathedrale am Freiheitsplatz und der Zmaj-Jovina-Straße ist schnell erkundet. Auf der anderen Flussseite thront die Festung Petrovaradin mit einem Uhrturm, dessen Zeiger vertauscht sind, damit die Schiffer die Stunde aus der Ferne erkennen konnten. Jedes Jahr im Juli findet hier das EXIT-Festival statt, eines der größten Musikfestivals Südosteuropas. Südlich der Stadt erhebt sich die Fruška Gora, ein Mittelgebirge mit rund 16 orthodoxen Klöstern und Weinbergen. Im Städtchen Sremski Karlovci probiert man Bermet, einen gewürzten Dessertwein. Die Vojvodina ist vielsprachig: Ungarisch, Slowakisch und Rumänisch sind hier Amtssprachen, und in Subotica nahe der ungarischen Grenze steht ein Rathaus im ungarischen Jugendstil.
Sehenswürdigkeiten in Serbien: Donau, Berge und Klöster
Hinter Belgrad windet sich die Donau durch das Eiserne Tor, einen Durchbruch durch die Karpaten, der im Nationalpark Đerdap geschützt ist. Am Ufer liegen die Festung Golubac und Lepenski Vir, eine Siedlung aus der Steinzeit mit rätselhaften Fischgesichtern aus Stein. Im Westen gehören Zlatibor und der Nationalpark Tara zu den beliebtesten Serbien Reisezielen. Zlatibor ist ein Hochplateau mit Wiesen, Kiefern und einer langen Gondelbahn, im Tara-Gebirge blickt man von Aussichtspunkten in die Drina-Schlucht. Bei Mokra Gora windet sich die Schmalspurbahn Šargan-Achter in einer Schleife durch die Berge, gleich daneben baute der Regisseur Emir Kusturica das Holzdorf Drvengrad. Mittelalterliche Klöster wie Studenica und Sopoćani mit ihren Fresken aus dem 12. und 13. Jahrhundert sind UNESCO-Welterbe. Im Osten liegt Gamzigrad, der Palast des römischen Kaisers Galerius.
Niš und der Süden
Niš ist die drittgrößte Stadt und Geburtsort Kaiser Konstantins des Großen. Die osmanische Festung im Zentrum ist heute ein Park mit Cafés, und der Schädelturm, gebaut nach einer Schlacht 1809 aus den Schädeln serbischer Aufständischer, ist ein beklemmendes Denkmal. Kragujevac war im 19. Jahrhundert die erste Hauptstadt des modernen Serbiens; die Gedenkstätte Šumarice erinnert an die Massenerschießung von Zivilisten durch die Wehrmacht im Oktober 1941. Wer die Musik des Landes erleben will, fährt im August nach Guča, wo beim Trompetenfestival Blaskapellen tagelang durchspielen.
Essen und Trinken
Die serbische Küche ist fleischlastig und großzügig portioniert. Ćevapi und Pljeskavica, ein großer Hackfleischfladen, kommen vom Grill, die Karađorđeva šnicla ist ein gerolltes, paniertes Schnitzel mit Kajmak-Füllung. Sarma, Kohlrouladen, gibt es vor allem im Winter, Proja ist ein Maisbrot, und Ajvar, die Paste aus gerösteter Paprika, wird im Herbst in vielen Familien selbst gekocht. Zum Frühstück isst man Burek mit Trinkjoghurt. Ein Abend in der Kafana beginnt oft mit einem Glas Rakija, meist Šljivovica aus Pflaumen; serbische Weine aus der Fruška Gora, aus Župa und vom Weingebiet Negotin werden immer besser.
Anreise und Unterwegs in Serbien
Der Flughafen Belgrad (BEG) ist Drehkreuz von Air Serbia und mit vielen deutschen Städten verbunden, Niš (INI) wird von Billigfluggesellschaften angeflogen. Für die Einreise genügt der Personalausweis; Serbien gehört nicht zur EU und nicht zum Schengen-Raum, beim Mobilfunk-Roaming gelten daher keine EU-Tarife. Seit einigen Jahren verbindet eine Schnellbahn Belgrad mit Novi Sad in gut einer halben Stunde und fährt inzwischen bis Subotica. Ansonsten ist der Bus das wichtigste Verkehrsmittel. Autobahnen sind mautpflichtig, bezahlt wird an Mautstellen. Bezahlt wird mit Dinar, Karten werden in Städten fast überall akzeptiert. Kyrillische und lateinische Schrift werden parallel verwendet.
Beste Reisezeit für Serbien
Die beste Reisezeit für Serbien sind Mai und Juni sowie September und Oktober, mit Temperaturen zwischen 20 und 27 Grad. Im Juli und August wird es in Belgrad und der Vojvodina oft über 35 Grad heiß, dann sind Zlatibor und Tara mit ihren kühleren Nächten angenehmer. Der Herbst ist die Zeit der Weinlese und des Ajvar-Kochens. Im Winter fällt in den Bergen Schnee, und auf dem Kopaonik, dem größten Skigebiet des Landes, beginnt die Saison meist im Dezember.











