Belgrad entdecken: Festung, Flüsse und Nachtleben
Reiseführer · redaktionellVon den Mauern der Festung Kalemegdan blickt man auf den Zusammenfluss von Save und Donau, und auf den Flüssen schaukeln die Splavovi, schwimmende Clubs und Restaurants, in denen bis zum Morgen gefeiert wird. Belgrad, die serbische Hauptstadt, ist eine der ältesten Städte Europas und gleichzeitig eine der lebendigsten. Eine Städtereise nach Belgrad bietet Geschichte, Gastfreundschaft und eine legendäre Ausgehszene zu moderaten Preisen.
Die weiße Stadt
Kelten gründeten Singidunum, die Römer machten daraus ein Militärlager. Der Name Beograd, „weiße Stadt“, taucht im 9. Jahrhundert auf. Wegen ihrer strategischen Lage wurde die Stadt in ihrer Geschichte unzählige Male erobert und zerstört, von Byzantinern, Ungarn, Osmanen und Österreichern. Im 19. Jahrhundert wurde Belgrad Hauptstadt des unabhängigen Serbien, im 20. Jahrhundert Hauptstadt Jugoslawiens. 1999 wurde die Stadt im Kosovokrieg von der NATO bombardiert; einige Ruinen sind noch zu sehen.
Sehenswürdigkeiten in Belgrad
Die Festung Kalemegdan mit ihren Toren, Türmen und Wällen ist heute ein großer Park mit dem Denkmal des Siegers, Museen und Aussichtspunkten über die Flüsse. Von dort führt die Fußgängerzone Knez Mihailova zum Platz der Republik mit dem Nationalmuseum und dem Nationaltheater. Der Dom des heiligen Sava im Viertel Vračar ist eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt, seine Krypta und Kuppel sind mit goldenen Mosaiken geschmückt. Skadarlija, eine kopfsteingepflasterte Straße, ist das Bohème-Viertel mit Kafanas und Musikanten. Das Haus der Blumen birgt das Grab Titos und gehört zum Museum Jugoslawiens. Das Nikola-Tesla-Museum erinnert an den berühmten Erfinder.
Neu-Belgrad und Zemun
Auf der anderen Seite der Save liegt Neu-Belgrad, eine Planstadt aus sozialistischer Zeit mit monumentalen Wohnblöcken wie dem Genex-Turm. Am Ufer reihen sich die Splavovi aneinander. Zemun, früher eine eigenständige Stadt an der Grenze zur Habsburgermonarchie, hat sich mit Kopfsteinpflaster, dem Gardoš-Turm und Fischrestaurants an der Donau seinen eigenen Charakter bewahrt. Das Viertel Savamala, früher ein Szenebezirk, wird durch das umstrittene Projekt Belgrade Waterfront stark verändert. Auf der Insel Ada Ciganlija im Süden liegt der beliebteste Badesee der Stadt.
Essen und Ausgehen
Die serbische Küche ist fleischlastig: Ćevapčići, Pljeskavica, ein großer gewürzter Hackfleischfladen, und Karađorđeva šnicla, ein gefülltes, paniertes Schnitzel. Dazu gibt es Kajmak, einen Rahmkäse, und Ajvar aus Paprika. In den traditionellen Kafanas wird Rakija, Obstbrand, getrunken, oft zu Livemusik. Das Nachtleben ist berühmt: Clubs, Bars und die Splavovi an den Flüssen haben bis in die frühen Morgenstunden geöffnet.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Nikola Tesla liegt rund 18 Kilometer westlich, Busse fahren ins Zentrum. In der Stadt fahren Busse, Straßenbahnen und Trolleybusse, seit 2025 kostenlos. Die beste Reisezeit ist das Frühjahr und der Herbst; der Sommer ist heiß, im Winter weht ein kalter Wind, die Košava. Ausflüge führen nach Novi Sad, zur Festung Smederevo an der Donau und in den Nationalpark Fruška Gora. Auf dem Avala-Hügel südlich der Stadt steht ein Fernsehturm mit Aussichtsplattform, und Weinregionen wie Topola mit der Kirche der Dynastie Karađorđević sind gut erreichbar.










