Zentralserbien: Belgrad, Klöster und die Berge des Südens
Reiseführer · redaktionellZentralserbien, das Kernland Serbiens südlich von Donau und Save, reicht von der Großstadt Belgrad über die grünen Hügel der Šumadija bis zu den Bergen von Zlatibor und Kopaonik. Ein Urlaub in Zentralserbien verbindet eine lebhafte Hauptstadt mit mittelalterlichen Klöstern, Kurorten, Donauschluchten und einer gastfreundlichen Küche, in der Grill und Rakija nie fehlen.
Vom Donautal bis in die Berge
Zentralserbien ist keine offizielle Verwaltungseinheit, sondern bezeichnet den Teil Serbiens, der nicht zur Autonomen Provinz Wojwodina gehört und nördlich des Kosovo liegt. Im Norden bilden Donau und Save die Grenze zur pannonischen Tiefebene, dort liegt Belgrad am Zusammenfluss der beiden Ströme. Südlich davon erstreckt sich die Šumadija, ein Hügelland mit Obstgärten und Weinbergen, dessen Hauptort Kragujevac ist. Die Große, Westliche und Südliche Morava durchziehen das Land von Süden nach Norden. Im Westen erheben sich die Gebirge Zlatibor und Tara, im Süden der Kopaonik, im Osten die Karpaten am Eisernen Tor und das Balkangebirge mit der Stara Planina. Knapp fünf Millionen Menschen leben in diesem Gebiet, davon fast 1,7 Millionen im Großraum Belgrad.
Belgrad: Stadt am Zusammenfluss
Belgrad gehört zu den ältesten Städten Europas und wurde im Lauf der Geschichte Dutzende Male zerstört und wiederaufgebaut. Über dem Zusammenfluss von Save und Donau thront die Festung Kalemegdan, umgeben von einem großen Park; vom Denkmal des Siegers aus genießt man einen der schönsten Ausblicke der Stadt. Die Fußgängerzone Knez Mihailova führt von der Festung zum Platz der Republik mit dem Nationalmuseum. Die Kirche des heiligen Sava auf dem Vračar-Hügel ist eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt, mit einer goldenen Mosaikkuppel im Inneren. Das Viertel Skadarlija mit Kopfsteinpflaster und Musikkneipen, das Nikola-Tesla-Museum und das Mausoleum Titos im Haus der Blumen gehören zu den Klassikern. Jenseits der Save liegt Neu-Belgrad mit seinen sozialistischen Großsiedlungen und dem Palast Serbiens, nördlich der Donau das alte Semlin mit Fischrestaurants und dem Gardoš-Turm. Abends treffen sich Belgrader auf den Flussschiffen, den Splavovi, die als Bars und Clubs an den Ufern festgemacht sind. Wohnviertel wie Voždovac oder Medijana in Niš zeigen den Alltag jenseits der Sehenswürdigkeiten.
Sehenswürdigkeiten in Zentralserbien
Die Klöster sind das kulturelle Erbe des Landes. Studenica, im 12. Jahrhundert von Stefan Nemanja gegründet, ist mit seinen Fresken UNESCO-Welterbe, ebenso das Kloster Sopoćani und die mittelalterliche Stadt Stari Ras bei Novi Pazar. Žiča, Manasija mit ihren Festungsmauern und die Klöster der Ovčar-Kablar-Schlucht liegen ebenfalls in Zentralserbien. Niš im Süden ist die Geburtsstadt Kaiser Konstantins des Großen; die Ausgrabungen von Mediana und der Schädelturm aus dem Ersten Serbischen Aufstand gehören zu ihren Sehenswürdigkeiten. Kragujevac, die erste Hauptstadt des modernen Serbiens, erinnert im Gedenkpark Šumarice an ein Massaker der Wehrmacht 1941. Am Eisernen Tor durchbricht die Donau die Karpaten in einer spektakulären Schlucht, in der auch die prähistorische Siedlung Lepenski Vir liegt. Felix Romuliana bei Zaječar, ein römischer Kaiserpalast, ist ebenfalls Welterbe.
Berge, Kurorte und Natur
Zlatibor ist das beliebteste Bergziel der Serben, mit Kiefernwäldern, Wiesen und einer der längsten Kabinenseilbahnen Europas. Nahe liegt Mokra Gora mit der Schmalspurbahn Šarganska osmica, die in Achterschleifen den Berg hinaufklettert, und das von Emir Kusturica erbaute Holzdorf Drvengrad. Der Nationalpark Tara bietet Ausblicke auf den Canyon der Drina. Kopaonik ist das größte Skigebiet des Landes. Kurorte wie Vrnjačka Banja und Sokobanja haben eine lange Bädertradition, und die Uvac-Schlucht mit ihren Mäandern ist ein Brutgebiet für Gänsegeier.
Essen und Trinken
Die serbische Küche ist fleischbetont: Ćevapčići, Pljeskavica, gegrillte Würste und Lamm vom Spieß. Kajmak, ein Rahmkäse, und Ajvar, eine Paprikapaste, begleiten fast jedes Gericht. Sarma, Kohlrouladen, sind im Winter beliebt. Zum Abschluss wird Rakija gereicht, vor allem Šljivovica aus Pflaumen. In der Šumadija und um Negotin produzieren Winzer zunehmend gute Weine, etwa aus der autochthonen Sorte Prokupac. Kaffee wird türkisch aufgebrüht.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Belgrad Nikola Tesla (BEG) wird aus vielen deutschen Städten direkt angeflogen, Niš (INI) von Billigfliegern. Eine Schnellbahn verbindet Belgrad mit Novi Sad, im Land selbst sind Busse das wichtigste Verkehrsmittel. Die beste Reisezeit ist April bis Oktober; im Sommer finden in Belgrad zahlreiche Festivals statt, im August das Trompetenfestival von Guča. Von Dezember bis März ziehen Kopaonik und Zlatibor Skifahrer an.









