Zapopan entdecken: Basilika, Stadion und Canyon
Reiseführer · redaktionellJeden 12. Oktober wird eine kleine Marienfigur aus Maisstroh von Hunderttausenden Gläubigen in einer stundenlangen Prozession von der Kathedrale Guadalajaras zurück nach Zapopan getragen. Die Romería ist der bekannteste Anlass für eine Reise nach Zapopan, der flächenmäßig größten Gemeinde im Ballungsraum Guadalajara. Doch die Nachbarstadt bietet mehr: ein charmantes Zentrum, moderne Einkaufsviertel, ein WM-Stadion und wilde Natur am Rand der Stadt.
Vom indigenen Dorf zur Großstadt
Zapopan ist älter als Guadalajara selbst: Hier gab es bereits vor der spanischen Eroberung eine Siedlung, deren Name im Nahuatl so viel wie „Ort der Zapote-Früchte“ bedeutet. Franziskaner brachten im 16. Jahrhundert die Marienfigur, die Virgen de Zapopan, die bald als Schutzpatronin gegen Seuchen und Unwetter verehrt wurde. Jahrhundertelang war Zapopan ein Dorf mit Feldern, erst im 20. Jahrhundert wuchs es mit Guadalajara zusammen. Heute ist es eine der wohlhabendsten Gemeinden des Landes, mit Technologieunternehmen, Universitäten und Wohnvierteln, die sich bis in die bewaldeten Hügel ziehen.
Sehenswürdigkeiten in Zapopan
Das historische Zentrum ist überschaubar und lädt zum Bummeln ein. Die Basílica de Zapopan aus dem 18. Jahrhundert mit ihrer plateresken Fassade beherbergt die verehrte Marienfigur, sofern diese nicht gerade auf ihrer jährlichen Rundreise durch die Pfarreien des Ballungsraums ist. Auf dem großen Vorplatz stehen Bänke und Bäume, ringsum Cafés. Von der Basilika führt der Paseo Teopitzintli, eine Fußgängerzone mit Restaurants und Bars, zum Arco de Ingreso, einem Torbogen am Stadteingang. Nebenan zeigt ein kleines Museum Kunsthandwerk der Wixárika, auch Huicholes genannt, mit ihren farbigen Chaquira-Arbeiten und Garnbildern. Im Museo de Arte de Zapopan, kurz MAZ, ist zeitgenössische Kunst zu sehen.
Viertel, Einkaufen und Fußball
Zapopan ist in vielerlei Hinsicht das moderne Gesicht der Metropole. Entlang der Avenida Patria und der Avenida Vallarta liegen große Einkaufszentren wie Andares mit Restaurants und Dachterrassen. Ganz anders wirken Orte wie San Juan de Ocotán oder Río Blanco, alte Dörfer, die die Stadt eingeholt hat und in denen die Kirchenfeste noch nach dörflichem Kalender stattfinden. Im Westen steht das Estadio Akron, Heimat des Traditionsklubs Chivas und Spielort der Fußball-WM 2026. Der Lokalrivale der Chivas spielt dagegen im älteren Estadio Jalisco in Guadalajara.
Essen in Zapopan
Die Restaurants in Zapopan reichen von Taquerías im Zentrum bis zu gehobenen Lokalen in Andares und Puerta de Hierro. Wie überall in Jalisco gehören Torta ahogada, Birria und Carne en su jugo zum Repertoire. Am Wochenende sitzen Familien beim Pozole oder bei Tostadas de cueritos, eingelegter Schweinehaut. Zum Feierabend trinkt man einen Cantarito oder Raicilla, einen Agavenschnaps aus den Bergen Jaliscos, der dem Mezcal ähnelt.
Natur und Ausflüge
Im Norden grenzt Zapopan an die Barranca de Huentitán, eine bis zu 600 Meter tiefe Schlucht des Río Santiago, in die ein steiler Wanderweg hinabführt. Nach Westen erstreckt sich der Bosque La Primavera, ein großes Waldschutzgebiet mit heißen Quellen, Wanderwegen und Mountainbike-Strecken. Der Parque Metropolitano mit Laufstrecken ist am Wochenende beliebt. Weiter entfernt warten der Ort Tequila mit seinen Agavenfeldern und die Pyramiden von Guachimontones bei Teuchitlán, rund eine Stunde westlich.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Guadalajara (GDL) liegt im Süden des Ballungsraums, je nach Verkehr eine halbe bis eine Stunde entfernt. Die Stadtbahnlinie 3 von Mi Tren hält an der Station Zapopan Centro, nur wenige Gehminuten von der Basilika, ansonsten sind Taxis per App am bequemsten. Die Gemeinde gilt in den zentralen und westlichen Vierteln als vergleichsweise sicher, in einigen Randgebieten ist Vorsicht angeraten. Beste Reisezeit ist von Oktober bis Mai, besonders lohnend ist der Oktober mit der Romería. Dann säumen Tänzergruppen in Federkostümen den Weg, Händler verkaufen Süßigkeiten und Heiligenbilder, und die ganze Nacht über ziehen Pilger mit Kerzen durch die Straßen. Wer die Prozession sehen will, sollte früh am Morgen da sein und öffentliche Verkehrsmittel nutzen.


