Tamaulipas: Golfstrände, Grenzstädte und Sierra
Reiseführer · redaktionellTamaulipas spannt sich vom Rio Grande bis zur Mündung des Pánuco und verbindet Grenzstädte, Lagunen am Golf und den Nebelwald von El Cielo. Eine Reise nach Tamaulipas ist eher etwas für Kenner als für Pauschalurlauber: Der Staat ist von Industrie, Handel und Landwirtschaft geprägt, birgt aber erstaunliche Naturräume und eine lebendige Musiktradition.
Landschaft und Lage
Mit rund 430 Kilometern Küstenlinie liegt Tamaulipas am westlichen Golf von Mexiko. Hinter den Stränden erstrecken sich große Lagunen wie die Laguna Madre, eine flache Salzwasserlagune, die als Überwinterungsgebiet für Zugvögel wichtig ist. Im Landesinneren steigt das Gelände zur Sierra Madre Oriental an, deren Ausläufer im Südwesten mit Nebelwäldern bedeckt sind. Der Norden ist flach und trocken, mit Sorghum-Feldern und Viehweiden. Im Süden, rund um Tampico, wird es tropisch-feucht, mit Flüssen, Mangroven und Feuchtgebieten.
Städte an der Grenze und am Golf
Reynosa, Matamoros und Nuevo Laredo sind Grenzstädte am Rio Grande, der hier Río Bravo heißt. Über ihre Brücken rollt ein großer Teil des Warenverkehrs zwischen Mexiko und den USA, und Maquiladoras, also Montagewerke, prägen die Wirtschaft. Die Landeshauptstadt Ciudad Victoria liegt ruhiger am Fuß der Sierra und ist ein Verwaltungs- und Universitätsort. Im Süden bilden Tampico, Ciudad Madero und Altamira eine zusammenhängende Metropolregion mit Ölhafen, Petrochemie und Industriehafen. Tampico bewahrt ein Zentrum mit Gebäuden im Stil von New Orleans, mit Holzbalkonen und gusseisernen Geländern, die an den Ölboom zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnern.
Sehenswürdigkeiten in Tamaulipas
Das Biosphärenreservat El Cielo bei Gómez Farías ist das bedeutendste Schutzgebiet des Staates: Auf engem Raum folgen tropischer Wald, Bergnebelwald und Kiefern-Eichen-Wald aufeinander, Hunderte Vogelarten und zahlreiche Orchideen leben hier. Bei Ciudad Madero lockt die Playa Miramar mit einem breiten Sandstrand, Promenaden und Strandrestaurants; zur Osterwoche ist sie das Ziel Tausender Familien. Im Zentrum von Tampico lohnen die Plaza de Armas mit ihrem Kiosk und die Kathedrale einen Spaziergang, und das Museo de la Cultura Huasteca zeigt Funde der Huasteken. Tula, eine der ältesten Siedlungen des Staates, ist als Pueblo Mágico für Lederwaren und Cuera-Jacken bekannt. An der Küste bei Rancho Nuevo schützen Biologen die Niststrände der Kemp-Bastardschildkröte, der seltensten Meeresschildkröte der Welt. Zwischen Ende März und Juli kommen die Weibchen zur Eiablage, oft tagsüber und in großen Gruppen. Anglern ist zudem der Stausee Vicente Guerrero bei Padilla ein Begriff, der für Schwarzbarsche bekannt ist.
Kultur und Geschichte
Der Huapango, ein Musikstil mit Falsettgesang und Violine, gehört zur Huasteca, die Tamaulipas mit Veracruz, San Luis Potosí und Hidalgo teilt. Im Norden spielt man dagegen die Norteño-Musik mit Akkordeon. Die Cuera tamaulipeca, eine verzierte Lederjacke mit Fransen, ist das traditionelle Kleidungsstück des Staates. Historisch war Tamaulipas lange ein dünn besiedeltes Grenzgebiet, das erst im 18. Jahrhundert unter José de Escandón als Provinz Nuevo Santander systematisch kolonisiert wurde. Matamoros war während des amerikanischen Bürgerkriegs ein wichtiger Umschlagplatz für Baumwolle.
Essen und Trinken
Die Küche von Tampico ist für die Carne asada a la tampiqueña bekannt, ein dünnes Rindersteak mit Enchilada, Bohnen und Guacamole. Gorditas de Doña Tota, Maistaschen mit verschiedenen Füllungen, sind ein Klassiker aus dem Süden. Krabbencocktails, Jaiba-Krebse und frittierter Fisch werden in Strandlokalen serviert. Im Norden dominieren Fleisch vom Grill, Cabrito und Weizentortillas, und zum Nachtisch gibt es Pemoles, ein Gebäck aus Maismehl.
Anreise und beste Reisezeit
Flughäfen gibt es in Tampico (TAM), Reynosa (REX), Matamoros, Nuevo Laredo und Ciudad Victoria, meist mit Verbindungen nach Mexiko-Stadt. Über Land führen Fernbusse entlang der Küste und durch das Inland. Die beste Reisezeit liegt zwischen Oktober und April, wenn die Hitze nachlässt; im Sommer ist es schwül, und von Juni bis November drohen Hurrikane. Für Tamaulipas gelten wegen der hohen Kriminalität strenge Reisehinweise vieler Regierungen; Fahrten über Land, besonders nachts und in Grenznähe, sollte man meiden und aktuelle Informationen einholen.



