Tsu entdecken: Tempelstadt, Tenmusu und Ise-Bucht
Reiseführer · redaktionellTsu hat den kürzesten Ortsnamen Japans, in japanischer Schrift nur ein einziges Zeichen – und wird gerade deshalb oft übersehen. Wer bei einer Reise in die Präfektur Mie auf dem Weg nach Ise hier haltmacht, findet einen der großen Tempel des Reine-Land-Buddhismus, die Burgmauern eines berühmten Festungsbaumeisters und kleine Reisbällchen mit Garnelentempura, die von hier aus ganz Japan eroberten.
Hafenstadt und Burg
Im Mittelalter war Anotsu, wie die Stadt damals hieß, einer der drei großen Häfen Japans, bis ein Erdbeben mit Tsunami 1498 den Hafen zerstörte. Im 17. Jahrhundert baute Tōdō Takatora, einer der bedeutendsten Burgbaumeister seiner Zeit, die Burg Tsu aus und legte die Stadt an. Von der Burg sind die hohen Steinmauern und der Graben im Ochiyama-Park erhalten, ein wiederaufgebauter Eckturm und eine Reiterstatue Takatoras erinnern an ihn. Tsu wurde zur Poststation an der Ise-Kaidō, über die Hunderttausende Pilger jedes Jahr zum großen Schrein von Ise zogen, und ein Sprichwort sagte, Ise verdanke seinen Ruhm Tsu.
Sehenswürdigkeiten in Tsu
Im Stadtteil Isshinden liegt der Senju-ji, Haupttempel der Takada-Schule des Jōdo-Shinshū-Buddhismus. Die riesige Mieidō-Halle aus Holz und die Nyoraidō sind Nationalschätze; um den Tempel hat sich eine kleine Tempelstadt mit Wassergräben, Läden und Gasthäusern erhalten. Im Zentrum steht der Tempel Tsu Kannon, einer der drei großen Kannon-Tempel Japans, mit Märkten in den Gassen ringsum. Das Präfekturmuseum MieMu und das Kunstmuseum der Präfektur Mie zeigen Geschichte und Kunst der Region. Im Westen liegt Sakakibara Onsen, dessen Quellen schon Sei Shōnagon in ihrem Kopfkissenbuch vor über tausend Jahren lobte.
Essen in Tsu
Tsu gilt als Geburtsort von Tenmusu: kleine Reisbällchen, gefüllt mit Tempura von Garnelen und umwickelt mit Nori. In den 1950er Jahren in einem Lokal der Stadt erfunden, wurden sie später in Nagoya berühmt. Eine weitere Spezialität ist Tsu-Gyōza, eine riesige frittierte Teigtasche, die ursprünglich für Schulessen erfunden wurde. Bekannt ist Tsu außerdem für seinen hohen Aal-Verbrauch; viele traditionsreiche Lokale grillen Unagi über Holzkohle und servieren es zu Preisen, die günstiger sind als in Tokio. Aus der Ise-Bucht kommen Austern, Muscheln und Seegras.
Feste und Ausgehen
Im Oktober feiert die Stadt das Tsu-Fest mit dem Tōjin-Odori, einem Tanz in Kostümen, die an die koreanischen Gesandtschaften der Edo-Zeit erinnern, sowie mit Umzügen und Löwentänzen. Abends verteilt sich das Leben auf die Gassen um die Bahnhöfe Tsu und Tsu-Shinmachi und das Viertel Ōmon mit Izakaya und kleinen Bars, in denen auch Sake aus Brauereien der Präfektur ausgeschenkt wird.
Anreise und beste Reisezeit
Mit der Kintetsu-Bahn erreicht man Tsu von Nagoya in rund 50 Minuten, nach Ise geht es in einer weiteren knappen Stunde. Besonders bequem ist das Schnellboot Tsu Airport Line, das in rund 45 Minuten über die Bucht zum Flughafen Centrair fährt. Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst; im Sommer laden Strände an der Ise-Bucht zum Baden ein.
