Perugia entdecken: Etrusker, Schokolade und Jazz
Reiseführer · redaktionellAuf einem Hügel über dem Tibertal thront die Hauptstadt Umbriens, und wer hinauf will, nimmt Rolltreppen durch die Gewölbe einer unterirdischen Festung. Perugia ist eine Universitätsstadt mit etruskischen Mauern, gotischen Palästen und einem Ruf für Schokolade und Jazz. Eine Reise nach Perugia lässt sich ideal mit Assisi und den Hügelstädten Umbriens verbinden.
Von den Etruskern bis zum Kirchenstaat
Perugia war eine der zwölf Städte des etruskischen Bundes; der Etruskerbogen, das Arco Etrusco, und Teile der Stadtmauer stammen aus dieser Zeit. Später römisch, im Mittelalter eine selbstbewusste Kommune, geriet Perugia im 16. Jahrhundert unter die Herrschaft des Papstes. Papst Paul III. ließ ein ganzes Viertel der aufständischen Familie Baglioni überbauen und darauf die mächtige Rocca Paolina errichten. Die Perugini rissen die verhasste Festung nach der Einigung Italiens großteils ab, doch die unterirdischen Gassen und Häuser sind erhalten.
Sehenswürdigkeiten in Perugia
Herz der Altstadt ist die Piazza IV Novembre mit der Fontana Maggiore, deren Reliefs von Nicola und Giovanni Pisano Monate, Wissenschaften und Fabeln darstellen. An ihr stehen die Kathedrale San Lorenzo und der Palazzo dei Priori, in dem die Galleria Nazionale dell'Umbria Werke von Perugino, Piero della Francesca und Fra Angelico zeigt. Im Collegio del Cambio, dem Sitz der Geldwechsler, malte Perugino, Lehrer Raffaels, einen prächtigen Freskensaal. Der Corso Vannucci ist die Flaniermeile der Stadt. Durch die Rocca Paolina führen Rolltreppen hinab bis zur Piazza Partigiani. Schöne Blicke bieten die Giardini Carducci und die Kirche San Pietro mit ihrem schmalen Glockenturm.
Feste und Kultur
Im Juli verwandelt Umbria Jazz die Stadt in eine Bühne, mit Konzerten internationaler Stars und kostenlosen Auftritten auf den Plätzen. Im Oktober lockt Eurochocolate Naschkatzen an; die Baci-Pralinen mit Haselnuss und Liebesbotschaft stammen aus Perugia. Die Università per Stranieri unterrichtet seit den 1920er-Jahren Italienisch für Ausländer, weshalb man in der Altstadt viele Sprachen hört.
Essen in Perugia
Umbrien ist eine Region ohne Meer, die Küche dreht sich um Olivenöl, Hülsenfrüchte, Trüffel und Schwein. Porchetta, im Ganzen gebratenes und gewürztes Schwein, gibt es als Brötchen an Ständen, dazu Torta al testo, ein flaches Fladenbrot. Strangozzi mit schwarzem Trüffel, Linsen aus Castelluccio und Wein aus Montefalco und Torgiano runden die Speisekarte ab.
Unterwegs und Ausflüge
Der kleine Flughafen San Francesco liegt rund zwölf Kilometer östlich. Vom Bahnhof unten im Tal bringt die vollautomatische Minimetrò Besucher hinauf an den Altstadtrand. Mit Auto parkt man am besten unten und nutzt die Rolltreppen. Assisi liegt nur 25 Kilometer entfernt, ebenso lohnend sind Spello, Gubbio und der Trasimenische See. Ideal ist die Zeit von April bis Juni und im Herbst, wenn die Olivenernte beginnt und in den Ölmühlen das frische, grünlich-scharfe Öl verkostet wird. Im Sommer ist es tagsüber heiß, doch auf dem Hügel weht abends oft ein kühler Wind. Wer einen Perugia-Urlaub mit Natur verbinden will, wandert durch die Hügel zum Monte Tezio oder radelt am Ufer des Trasimenischen Sees, auf dessen Inseln Fischerdörfer und Olivenhaine liegen.














