Nikosia entdecken: Venezianische Mauern, geteilte Altstadt
Reiseführer · redaktionellNikosia ist die letzte geteilte Hauptstadt Europas: Mitten durch die von venezianischen Mauern umgebene Altstadt verläuft die UN-Pufferzone. Eine Reise nach Nikosia führt zu byzantinischen Kirchen, gotischen Kathedralen, die zu Moscheen wurden, Karawansereien und einem Grenzübergang in einer Einkaufsstraße.
Eine Stadt, zwei Seiten
Nikosia ist seit dem Mittelalter Hauptstadt Zyperns. Die Lusignan-Könige bauten gotische Kirchen, die Venezianer im 16. Jahrhundert eine sternförmige Stadtmauer mit elf Bastionen, die bis heute fast vollständig erhalten ist. 1570 eroberten die Osmanen die Stadt, 1878 übernahmen die Briten die Verwaltung. Nach der Unabhängigkeit 1960 kam es zu Konflikten zwischen griechischen und türkischen Zyprern. Seit der türkischen Militärintervention 1974 ist die Insel geteilt; die Nordhälfte der Stadt dient als Hauptstadt der nur von der Türkei anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“. Die Grenzübergänge sind seit 2003 offen, und Besucher können mit Ausweis problemlos zwischen beiden Teilen wechseln.
Sehenswürdigkeiten im Süden
Im südlichen Teil führt die Ledra-Straße, die Haupteinkaufsstraße, direkt zum Grenzübergang. Das Zypern-Museum zeigt archäologische Funde von der Jungsteinzeit bis zur Römerzeit, darunter Hunderte Terrakottafiguren aus Agia Irini. Die erzbischöfliche Residenz und die Kathedrale Agios Ioannis mit Fresken aus dem 17. Jahrhundert sowie das Byzantinische Museum mit Ikonen bilden das Zentrum der orthodoxen Kirche. Das Leventis-Museum erzählt die Stadtgeschichte. Das Viertel Laiki Geitonia mit restaurierten Häusern und Tavernen sowie die Famagusta-Bastion mit Kulturzentrum laden zum Bummel ein. Außerhalb der Mauern ist Nikosia eine moderne Stadt mit Vororten wie Strovolos, Engomi und Aglantzia.
Sehenswürdigkeiten im Norden
Jenseits der Grenze, im Nordteil, steht die Selimiye-Moschee, ursprünglich die gotische Sophienkathedrale aus dem 13. Jahrhundert, an die man zwei Minarette anbaute. Der Büyük Han, eine osmanische Karawanserei von 1572, beherbergt heute Cafés und Kunsthandwerksläden in seinem Innenhof. Die Bedesten, eine frühere Kirche und Markthalle, und das Kyrenia-Tor gehören ebenfalls zu den Höhepunkten. Rund um den Atatürk-Platz und in Vierteln wie Yenişehir und Küçükkaymaklı zeigt sich der türkisch geprägte Alltag.
Essen in Nikosia
Auf beiden Seiten isst man gut. Im Süden bestellt man ein Meze, eine Folge von bis zu 20 kleinen Gerichten mit Halloumi, Souvlaki, Sheftalia, Tahini und Kleftiko. Im Norden gibt es Kebab, Lahmacun und süße Spezialitäten wie Lokum. Die Restaurants in Nikosia an der Altstadtmauer und in den Gassen um die Onasagorou-Straße sind beliebt, abends füllen sich die Bars rund um die Faneromeni-Kirche. Zum Abschluss gehört ein zyprischer Kaffee, stark und mit Satz in kleinen Tassen serviert, oder ein Glas Commandaria, ein süßer Dessertwein, der als einer der ältesten benannten Weine der Welt gilt. Im Norden lohnt ein Glas frisch gepresster Granatapfelsaft vom Straßenstand vor der Selimiye-Moschee.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste internationale Flughafen ist Larnaka, Busse fahren in etwa 45 Minuten nach Nikosia; im Norden liegt der Flughafen Ercan, der nur über die Türkei angeflogen wird. Wer im Süden einreist, kann problemlos über die Grenze in den Norden spazieren, sollte aber Ausweis und Versicherungsbedingungen beachten. Die beste Reisezeit ist im Frühjahr und Herbst, der Sommer wird im Landesinneren sehr heiß, oft über 40 Grad.








