Illinois: Chicago, Prärie und Lincolns Heimat
Reiseführer · redaktionellMehr als zwei Drittel der Einwohner von Illinois leben im Großraum Chicago, doch hinter den Vororten beginnen endlose Mais- und Sojafelder, die bis an den Mississippi und den Ohio River reichen. Eine Illinois Reise verbindet eine der architektonisch spannendsten Städte der Welt mit dem ländlichen Mittleren Westen. Hier begann die Route 66, und hier lebte Abraham Lincoln.
Landschaft und Lage
Illinois ist überwiegend flaches Präriegebiet, das die Eiszeitgletscher geformt haben. Im Nordosten grenzt der Staat an den Michigansee, dessen Ufer in Chicago von Parks und Stränden gesäumt ist. Die Westgrenze bildet der Mississippi, an dem steile Kalksteinklippen bei Galena und Alton aufragen. Ganz im Süden, im sogenannten Little Egypt, wird das Land hügelig und bewaldet: Der Shawnee National Forest mit den Felsformationen des Garden of the Gods überrascht viele Besucher, die nur die Ebene erwartet haben.
Chicago: Architektur am See
Chicago wurde nach dem Großen Brand von 1871 neu erbaut und zum Geburtsort des Wolkenkratzers. Die Architekturbootstour auf dem Chicago River gilt als bester Einstieg, vorbei an Bauten von Mies van der Rohe, dem Wrigley Building und dem Willis Tower, von dessen Skydeck man in gläsernen Kästen über der Tiefe steht. Im Millennium Park spiegelt die Skulptur Cloud Gate, die „Bohne“, die Skyline; nebenan zeigt das Art Institute Werke von Seurat bis Hopper. Viertel wie Wicker Park, Pilsen mit mexikanischer Prägung oder Hyde Park rund um die University of Chicago zeigen die Vielfalt der Stadt. Im Sommer spielen die Cubs im Wrigley Field, einem der ältesten Baseballstadien des Landes.
Städte und Orte jenseits von Chicago
In den westlichen Vororten liegen Aurora und Naperville, nordwestlich Schaumburg mit einem der größten Einkaufszentren der Region. Oak Park ist ein Pilgerort für Fans von Frank Lloyd Wright, der hier sein Atelier hatte und zahlreiche Häuser baute. Rockford im Norden besitzt japanische Gärten, Peoria am Illinois River ist Sitz des Caterpillar-Museums. Champaign bildet mit Urbana eine lebhafte Universitätsstadt, und Galena im äußersten Nordwesten hat ihre Backsteinfassaden aus dem 19. Jahrhundert fast unverändert bewahrt. Diese kleineren Illinois Reiseziele lohnen sich als Abstecher auf einer Rundfahrt.
Sehenswürdigkeiten in Illinois und Geschichte
Springfield, die Hauptstadt, steht ganz im Zeichen Abraham Lincolns: Sein Wohnhaus, die Presidential Library mit Museum und sein Grabmal sind die meistbesuchten Ziele. Nicht ohne Grund trägt Illinois den Beinamen „Land of Lincoln“. Bei Collinsville liegen die Cahokia Mounds, Reste der größten präkolumbischen Siedlung nördlich von Mexiko und UNESCO-Welterbe; um das Jahr 1100 lebten hier vermutlich mehr Menschen als im damaligen London. Die Route 66 beginnt in Downtown Chicago an der Adams Street und führt über Pontiac und Springfield Richtung St. Louis. Im 20. Jahrhundert brachte die Große Migration Afroamerikaner aus dem Süden nach Chicago, die den elektrischen Chicago Blues und später House-Musik prägten. Das jährliche Chicago Blues Festival im Juni ist kostenlos, ebenso viele Sommerkonzerte im Millennium Park.
Essen und Trinken
Die Deep-Dish-Pizza mit hohem Rand ist Chicagos Markenzeichen, ebenso der Chicago-Style Hot Dog, der niemals mit Ketchup serviert wird, sondern mit Senf, Gurke, Tomate, Zwiebeln und Selleriesalz. Italian Beef Sandwiches, polnische Wurst aus den Einwanderervierteln und eine starke Craft-Beer-Szene ergänzen das Angebot. Auf dem Land isst man Horseshoe-Sandwiches aus Springfield, ein offenes Sandwich mit Fleisch, Pommes und Käsesoße.
Anreise und beste Reisezeit
Chicago O'Hare (ORD) ist eines der größten Drehkreuze der Welt und wird direkt aus Europa angeflogen; Midway bedient vor allem Inlandsflüge. Chicago ist zudem der Knotenpunkt des Amtrak-Netzes, von hier fahren Züge nach Springfield, Champaign und in alle Landesteile. Die beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober: Im Sommer finden Festivals statt und am See weht eine kühlende Brise. Die Winter sind lang, schneereich und durch den Wind vom See bitterkalt – nicht umsonst heißt Chicago „Windy City“.











