Baltimore entdecken: Inner Harbor, Krabben und Backstein
Reiseführer · redaktionellÜber dem Fort McHenry wehte 1814 nach einer Nacht unter britischem Beschuss noch immer die Flagge – der Anblick inspirierte Francis Scott Key zur amerikanischen Nationalhymne. Eine Reise nach Baltimore führt in eine Hafenstadt mit Backsteinreihenhäusern, Kopfsteinpflaster und den besten Krabben der Ostküste. Für eine Städtereise, gern kombiniert mit Washington, ist „Charm City“ eine eigenwillige, sympathische Wahl.
Eine Hafenstadt mit Geschichte
1729 gegründet und nach den Lords Baltimore benannt, wurde die Stadt mit ihrem geschützten Hafen an der Chesapeake Bay zu einem der wichtigsten Häfen der USA. Hier entstanden die ersten Linien der Baltimore and Ohio Railroad, der ältesten Eisenbahngesellschaft des Landes. Im 19. und 20. Jahrhundert prägten Werften, Stahlwerke und Einwanderer aus Deutschland, Irland, Polen und Italien die Stadt. Nach dem Niedergang der Industrie wurde der Inner Harbor ab den 1970er-Jahren zum Vorbild für die Umgestaltung von Hafenvierteln weltweit.
Sehenswürdigkeiten in Baltimore
Am Inner Harbor liegen das National Aquarium mit tropischem Regenwald und Haibecken, historische Schiffe wie die Fregatte USS Constellation und das Maryland Science Center. Vom Federal Hill Park blickt man auf Hafen und Skyline. Das Fort McHenry National Monument mit seinem sternförmigen Wall ist per Wassertaxi erreichbar. Im Viertel Mount Vernon steht das erste große Denkmal für George Washington, älter als der Obelisk in der Hauptstadt, umgeben von Stadtpalais und dem Walters Art Museum mit freiem Eintritt. Das Baltimore Museum of Art besitzt die weltgrößte Sammlung von Werken von Henri Matisse, das American Visionary Art Museum zeigt schräge Kunst von Autodidakten. Das Edgar Allan Poe House erinnert an den Dichter, der in Baltimore starb.
Viertel und Essen in Baltimore
Fell's Point mit Kopfsteinpflaster, Pubs und Häusern aus dem 18. Jahrhundert ist das stimmungsvollste Viertel, Canton mit seinen Reihenhäusern und dem Platz O'Donnell Square ein beliebter Treffpunkt. Federal Hill lockt mit Bars, Hampden mit Vintage-Läden, Diners und der skurrilen Weihnachtsbeleuchtung „Miracle on 34th Street“. Die Restaurants in Baltimore leben von der Chesapeake Bay: Blue Crabs werden mit Old-Bay-Gewürz gedämpft und auf Zeitungspapier mit Holzhammer geknackt, Crab Cakes mit viel Krabbenfleisch und wenig Füllung gelten als Kunst. Der Lexington Market, einer der ältesten Märkte der USA, wurde neu gebaut. Zum Nachtisch gibt es Berger Cookies mit dicker Schokoladenglasur.
Kultur und Feste
Baltimore hat eine lebendige Kunst- und Musikszene. Im Sommer verwandelt das Festival Artscape die Straßen rund um Mount Vernon in eine riesige Freiluftgalerie, und im Hippodrome Theatre gastieren Broadway-Produktionen. Baseballfans erleben die Orioles im Oriole Park at Camden Yards, einem Stadion im Retro-Stil, das Vorbild für viele neue Ballparks war. Das Reginald F. Lewis Museum widmet sich afroamerikanischer Geschichte in Maryland, und das B&O Railroad Museum zeigt historische Lokomotiven in einem runden Lokschuppen.
Unterwegs, Reisezeit und Ausflüge
Der Flughafen Baltimore/Washington liegt rund 15 Kilometer südlich der Stadt und ist per Light Rail und Regionalzug angebunden, Amtrak-Züge fahren von der Penn Station nach Washington und New York. In der Innenstadt helfen der kostenlose Charm City Circulator und Wassertaxis. Wie in vielen Großstädten sollte man nachts nicht abseits belebter Viertel unterwegs sein. Die beste Reisezeit sind Frühling und Herbst, die Krabbensaison läuft von etwa April bis November. Ausflüge führen nach Annapolis mit der Marineakademie, nach Washington und an die Strände von Ocean City.














