Budapest: Hauptstadt an beiden Ufern der Donau
Reiseführer · redaktionellWer einen Urlaub in Budapest plant, erlebt eine Stadt, die erst 1873 aus drei Orten zusammenwuchs: dem hügeligen Buda, dem flachen Pest und dem alten Óbuda. Die Donau trennt und verbindet sie zugleich, und an kaum einem Ort Europas liegen Thermalquellen, Kaffeehäuser und Prachtbauten so dicht beieinander.
Zwei Stadthälften, ein Fluss
Auf der Westseite steigen die Budaer Berge an, mit Villenvierteln, Wäldern und dem Burgberg, der seit Jahrhunderten über der Stadt thront. Pest im Osten ist eben, dicht bebaut und von großen Ringstraßen durchzogen, die im späten 19. Jahrhundert nach Wiener und Pariser Vorbild entstanden. Dazwischen fließt die Donau, über die heute neun Straßen- und Eisenbahnbrücken führen. Die Kettenbrücke von 1849 war die erste feste Verbindung; ihre steinernen Löwen gehören zu den meistfotografierten Motiven der Stadt. Mitten im Strom liegt die Margareteninsel, ein autofreier Park mit Laufstrecke, Rosengarten, Klosterruinen und einem großen Freibad.
Sehenswürdigkeiten in Budapest
Das Parlamentsgebäude am Pester Ufer, vollendet 1904, ist eines der größten Parlamente der Welt; im Inneren wird die Stephanskrone aufbewahrt. Gegenüber erhebt sich das Burgviertel mit der Matthiaskirche, deren bunt glasiertes Ziegeldach weithin leuchtet, und der Fischerbastei, von deren Terrassen man über die ganze Stadt blickt. Im Burgpalast sind die Nationalgalerie und das Historische Museum untergebracht. Die Stephansbasilika in der Leopoldstadt ist genauso hoch wie das Parlament, 96 Meter, ein Hinweis auf das Jahr 896, mit dem die ungarische Landnahme verbunden wird. Am Ende der Andrássy-Straße, die samt der ältesten U-Bahn des europäischen Festlands zum UNESCO-Welterbe zählt, öffnet sich der Heldenplatz mit dem Millenniumsdenkmal. Dahinter beginnt das Stadtwäldchen mit der Burg Vajdahunyad und dem neuen Haus der Ungarischen Musik.
Bäder und Kaffeehäuser
Budapest sitzt auf mehr als hundert Thermalquellen, und das Baden ist hier Alltag, nicht nur Attraktion. Im neobarocken Széchenyi-Bad spielen ältere Herren im dampfenden Außenbecken Schach, auch im Winter. Das Gellért-Bad am Fuß des gleichnamigen Bergs ist ein Jugendstilbau mit Mosaiken und Säulenhallen, während das Rudas- und das Király-Bad noch auf die osmanische Zeit im 16. und 17. Jahrhundert zurückgehen, mit achteckigen Becken unter Kuppeln. Ebenso fest verankert ist die Kaffeehauskultur: Im New York Café, im Gerbeaud am Vörösmarty-Platz oder im stilleren Centrál sitzt man unter Stuckdecken bei Dobos-Torte oder Esterházy-Schnitte.
Viertel mit eigenem Charakter
Das ehemalige jüdische Viertel im VII. Bezirk ist heute das Ausgehviertel der Stadt. In verfallenen Hinterhöfen entstanden nach 2000 die sogenannten Ruinenkneipen, allen voran das Szimpla Kert, eingerichtet mit ausrangierten Möbeln und alten Trabis. Wenige Schritte entfernt steht die Große Synagoge in der Dohány-Straße, die größte Europas, mit dem Holocaust-Gedenkbaum aus Metall im Hof. Am Donauufer erinnern die bronzenen Schuhe an die Opfer der Pfeilkreuzler im Winter 1944/45. Wer das sozialistische Erbe sehen will, fährt in den Memento Park am Stadtrand, wo die einst aufgestellten Statuen von Lenin und Marx versammelt sind. Ruhiger geht es in Óbuda zu, wo die Reste des römischen Aquincum ausgegraben wurden.
Essen und Trinken
Die Große Markthalle am Fővám-Platz ist der beste Einstieg in die ungarische Küche: Paprika in allen Schärfegraden, Salami, Gänseleber, eingelegtes Gemüse und im Obergeschoss Lángos, frittierte Fladen mit Sauerrahm und Käse. Gulyás ist in Ungarn eine Suppe, kräftig und mit Kümmel; dazu kommen Paprikahuhn mit Nockerln, gefülltes Kraut und Pörkölt. Zum Abschluss gibt es Pálinka aus Aprikosen oder Birnen oder einen süßen Tokajer. Inzwischen hat Budapest auch eine ausgeprägte Spitzengastronomie mit mehreren Michelin-Sternen, und in den Weinbars der Innenstadt lassen sich Rebsorten wie Furmint, Kadarka oder Kékfrankos probieren.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Ferenc Liszt liegt rund 20 Kilometer südöstlich der Innenstadt und ist per Bus 100E direkt angebunden. Fernzüge aus Wien, München oder Berlin erreichen den Ostbahnhof Keleti, dessen Halle Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Vor Ort fährt man am besten mit Metro, Straßenbahn und Bus; die Tramlinie 2 entlang der Donau gilt als eine der schönsten Strecken Europas. Die beste Reisezeit für Budapest sind Frühjahr und Herbst, wenn es angenehm warm ist und die Bäder nicht überfüllt sind. Im Sommer wird es oft heiß, dafür finden Feste wie das Sziget-Festival auf der Óbudaer Werft-Insel statt. Im Dezember locken die Weihnachtsmärkte am Vörösmarty-Platz und vor der Basilika, und ein Bad im heißen Außenbecken bei Frost ist dann ein ganz eigenes Erlebnis.




