Budapest entdecken: Donau, Thermalbäder und Ruinenbars
Reiseführer · redaktionellWenn abends die Lichter des Parlaments, der Kettenbrücke und des Burgpalasts auf der Donau glitzern, ist Budapest wohl eine der schönsten Flussstädte Europas. Eine Reise nach Budapest verbindet Habsburger Prunk, dampfende Thermalbäder und eine verspielte Barszene in alten Hinterhöfen. Für eine Städtereise oder einen verlängerten Wochenendurlaub ist die ungarische Hauptstadt nah, vielseitig und vergleichsweise günstig.
Buda, Pest und Óbuda
Schon die Römer siedelten hier, ihre Garnisonsstadt Aquincum lag im heutigen Óbuda. Im Mittelalter wurde Buda Königssitz, bevor die Osmanen die Stadt 1541 für rund 150 Jahre eroberten – ihr Erbe sind die Thermalbäder. Nach der Rückeroberung durch die Habsburger wuchsen Buda auf dem Hügel und Pest in der Ebene, 1873 wurden sie mit Óbuda zu Budapest vereint. In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg erlebte die Stadt als Hauptstadt der ungarischen Reichshälfte einen beispiellosen Bauboom: Parlament, Oper, die erste U-Bahn auf dem europäischen Festland und prächtige Boulevards entstanden. Krieg, Holocaust, der Volksaufstand von 1956 und Jahrzehnte des Sozialismus haben Spuren hinterlassen, seit 1989 hat sich Budapest zu einer der beliebtesten Metropolen Mitteleuropas entwickelt.
Sehenswürdigkeiten in Budapest
Das neugotische Parlamentsgebäude am Pester Ufer ist eines der größten der Welt, bei Führungen sieht man die ungarische Stephanskrone. Auf der Budaer Seite thront das Burgviertel mit dem Burgpalast, der Matthiaskirche mit ihrem bunten Ziegeldach und der Fischerbastei, von deren Türmchen man über die Donau blickt. Die Kettenbrücke von 1849 war die erste feste Verbindung zwischen beiden Ufern. Am Donauufer erinnern die „Schuhe am Donauufer“ an Juden, die 1944/45 hier erschossen wurden. Die St.-Stephans-Basilika in der Leopoldstadt bewahrt die mumifizierte Hand des ersten Königs. Den besten Rundblick hat man vom Gellértberg mit der Zitadelle und der Freiheitsstatue. Die Margareteninsel zwischen Buda und Pest ist ein grüner Park mit Laufstrecke und Freibad.
Bäder, Museen und Kultur
Budapest sitzt auf über hundert Thermalquellen. Das Széchenyi-Bad im Stadtwäldchen mit seinen gelben Neobarockbauten und dampfenden Außenbecken ist das bekannteste, das Gellért-Bad mit Jugendstilhalle das eleganteste; das Rudas-Bad bewahrt eine osmanische Kuppel aus dem 16. Jahrhundert und bietet ein Dachbecken mit Blick auf die Donau. Im Stadtwäldchen ist mit dem Ethnographischen Museum und dem Haus der Ungarischen Musik ein großes Museumsquartier entstanden, das Museum der Bildenden Künste zeigt alte Meister. Das Haus des Terrors an der Andrássy út dokumentiert die Diktaturen des 20. Jahrhunderts, die Ungarische Staatsoper wurde aufwendig restauriert. Die Große Synagoge in der Dohány-Straße ist die größte Europas.
Viertel: vom VII. Bezirk bis Ferencváros
Der VII. Bezirk, das ehemalige jüdische Viertel Erzsébetváros, ist heute das Ausgehzentrum: Ruinenbars wie das Szimpla Kert in verfallenen Höfen, mit Sperrmüllmöbeln und bunten Lichtern, haben die Barszene der Stadt geprägt. Der VI. Bezirk Terézváros mit der Andrássy út und der Oper ist elegant und lebhaft. Die Innenstadt rund um die Váci utca und den Vörösmarty tér ist touristisch, die Leopoldstadt im V. Bezirk mit Parlament und Basilika ist das Regierungs- und Bankenviertel. Im Bezirk Ferencváros rund um die Ráday utca reihen sich Cafés und Restaurants, das Ufer bei der Bálna ist ein beliebter Abendtreffpunkt.
Essen in Budapest
Die Große Markthalle am Fővám tér ist ein guter Einstieg: Paprika, Salami, Gänseleber und Lángos, frittierte Fladen mit Sauerrahm und Käse. Gulyás, ursprünglich eine Hirtensuppe, Paprikahuhn mit Nockerln, Fischsuppe und gefülltes Kraut sind die Klassiker. Die Restaurants in Budapest reichen vom einfachen Étkezde-Mittagslokal bis zu Sterneküche. In traditionsreichen Kaffeehäusern wie dem New York Café oder dem Gerbeaud gibt es Dobostorte und Esterházytorte. Ungarische Weine aus Tokaj, Villány und vom Plattensee sowie der Kräuterlikör Unicum gehören dazu.
Unterwegs, Reisezeit und Ausflüge
Vom Flughafen Ferenc Liszt fährt der Expressbus 100E ins Zentrum. In der Stadt sind Metro, Straßenbahn und Busse günstig und dicht getaktet; die Straßenbahnlinie 2 entlang des Pester Donauufers gilt als eine der schönsten Strecken Europas. Die Altstadtbereiche erkundet man gut zu Fuß. Die beste Reisezeit sind Frühling und Herbst, im Sommer wird es heiß, und im August feiert die Stadt mit dem Sziget-Festival und dem Nationalfeiertag am 20. August mit Feuerwerk über der Donau. Im Advent locken Weihnachtsmärkte an der Basilika und am Vörösmarty tér. Ausflüge führen ins Donauknie nach Szentendre, Visegrád und Esztergom, nach Gödöllő zum Schloss Kaiserin Sisis und an den Plattensee.














