Galicien: Jakobsweg, Rías und Atlantikküste
Reiseführer · redaktionellGalicien ist das Spanien, das nicht in die Klischees passt: Regen, grüne Hügel, Granitdörfer, Dudelsackmusik und eine Küste, an der die Brandung gegen Klippen schlägt. Ein Urlaub in Galicien führt ans Ziel des Jakobswegs, an Fjord-ähnliche Meeresarme und an Tische mit Meeresfrüchten, die anderswo ein Vermögen kosten würden.
Landschaft: Rías, Kaps und grünes Hinterland
Die autonome Gemeinschaft im äußersten Nordwesten der Iberischen Halbinsel grenzt im Süden an Portugal, im Osten an Asturien und Kastilien und León. Rund 1.500 Kilometer Küste mit unzähligen Buchten machen sie zu einer der Regionen mit der längsten Küstenlinie Spaniens. Charakteristisch sind die Rías, tief ins Land reichende Meeresarme: die Rías Altas im Norden, die Costa da Morte an der wilden Westspitze mit dem Kap Finisterre und die Rías Baixas im Süden mit geschützten Stränden. Vor Vigo liegen die Cíes-Inseln, Teil des Nationalparks der Atlantischen Inseln. Im Landesinneren wechseln Eukalyptus- und Eichenwälder mit Weiden und Maisfeldern; die Flüsse Miño und Sil haben tiefe Schluchten in den Fels gegraben, an deren Hängen in der Ribeira Sacra Wein auf Terrassen wächst. Neben Spanisch wird Galicisch gesprochen, eine Sprache, die dem Portugiesischen nahesteht.
Santiago de Compostela und der Jakobsweg
Seit dem Mittelalter pilgern Menschen zum Grab des Apostels Jakobus. Die Kathedrale von Santiago mit ihrem Portico da Gloria und dem Botafumeiro, einem riesigen Weihrauchfass, ist Endpunkt mehrerer Routen, allen voran des Camino Francés. Die Altstadt aus Granit, deren Arkaden bei Regen schützen, ist UNESCO-Welterbe. Auf der Praza do Obradoiro treffen erschöpfte Pilger, Studierende der alten Universität und Reisegruppen zusammen. Viele gehen weiter bis Fisterra oder Muxía an der Küste, wo der Weg symbolisch am Meer endet.
A Coruña, Vigo und die anderen Städte
A Coruña ist eine Hafenstadt mit verglasten Galerien an den Häusern der Avenida da Mariña und dem Herkulesturm, dem ältesten noch betriebenen Leuchtturm der Welt aus römischer Zeit. Lange Stadtstrände wie Riazor und Orzán liegen mitten in der Stadt. Vigo, die größte Stadt, ist Spaniens wichtigster Fischereihafen; in der Rúa da Pescadería öffnen Frauen am Stand frische Austern. Pontevedra hat eine fast autofreie Altstadt mit Plätzen, Ferrol Werften und Militärgeschichte. Lugo ist von einer vollständig erhaltenen römischen Stadtmauer umgeben, auf der man rund zwei Kilometer spazieren kann, Ourense besitzt heiße Quellen wie die Burgas, in denen man kostenlos am Flussufer badet.
Sehenswürdigkeiten in Galicien an der Küste
Zu den beliebtesten Galicien Reiseziele zählt die Ría de Arousa mit Inseln wie A Illa de Arousa und dem Fischerort Cambados, dem Zentrum des Albariño-Weins. Sanxenxo ist der bekannteste Badeort der Rías Baixas, Combarro hat Hórreos, steinerne Getreidespeicher, direkt am Wasser. An der Nordküste lockt die Praia das Catedrais bei Ribadeo, deren Felsbögen bei Ebbe zugänglich sind; Besuche sind im Sommer kontingentiert. Die Klippen von Vixía Herbeira gehören zu den höchsten Europas, und der Wallfahrtsort San Andrés de Teixido liegt hoch über dem Meer.
Pulpo, Percebes und Albariño
Galicien gilt in Spanien als Land der Meeresfrüchte. Pulpo á feira, gekochter Krake mit Paprikapulver, Salz und Olivenöl auf Holztellern, isst man auf Märkten und Festen, besonders in O Carballiño. Percebes, Entenmuscheln, werden an gefährlichen Felsen gesammelt. Die Empanada gallega, ein gefüllter Teigfladen, und der Kuhmilchkäse Tetilla stehen auf jeder Tapas-Theke. Zum Abschluss gibt es Tarta de Santiago aus Mandeln oder eine flambierte Queimada aus Tresterbrand. Der Weißwein Albariño aus den Rías Baixas und der Mencía aus der Ribeira Sacra sind die bekanntesten Weine. Im Sommer finden in fast jedem Dorf Festas statt, manche einer einzigen Spezialität gewidmet.
Anreise und beste Reisezeit
Santiago, Vigo und A Coruña haben Flughäfen; Direktflüge aus Deutschland gibt es vor allem nach Santiago. Hochgeschwindigkeitszüge verbinden Madrid mit Ourense, Santiago und A Coruña in rund drei bis vier Stunden, eine Küstenbahn führt auf schmaler Spur nach Asturien. Die beste Reisezeit ist Juni bis September, wenn es am wärmsten und trockensten ist, ohne dass die Hitze Inlandsspaniens erreicht wird. Im Frühjahr und Herbst ist der Jakobsweg weniger überlaufen, Regenkleidung sollte man aber stets dabeihaben.

















