Santiago de Compostela: Kathedrale, Pilger und Regen
Reiseführer · redaktionellAuf der Praza do Obradoiro sitzen Wanderer mit staubigen Schuhen auf dem Pflaster und schauen hinauf zur Fassade der Kathedrale – für viele das Ende eines wochenlangen Weges. Santiago de Compostela ist seit über tausend Jahren eines der großen Pilgerziele der Christenheit, aber auch eine lebendige Universitätsstadt. Eine Reise nach Santiago lohnt sich ebenso ohne Rucksack und Pilgerpass.
Das Grab des Apostels
Der Legende nach wurde der Leichnam des Apostels Jakobus nach seinem Märtyrertod in Jerusalem per Schiff nach Galicien gebracht. Anfang des 9. Jahrhunderts entdeckte ein Einsiedler, so heißt es, durch ein Sternenlicht das Grab – daher wohl der Name Compostela, das „Sternenfeld“. Über dem Grab entstanden Kirchen, und im Mittelalter pilgerten Hunderttausende aus ganz Europa hierher. Heute erreichen jedes Jahr mehrere Hunderttausend Menschen die Stadt auf einem der Jakobswege, die zum UNESCO-Welterbe gehören, ebenso wie die Altstadt selbst.
Sehenswürdigkeiten in Santiago
Die Kathedrale, im 11. bis 13. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut und später mit einer barocken Fassade versehen, ist das Herz der Stadt. Hinter der Fassade verbirgt sich der Pórtico da Gloria von Meister Mateo, eine Vorhalle mit rund 200 Skulpturen, die nach aufwendiger Restaurierung wieder in kräftigen Farben leuchtet. Bei besonderen Messen schwingt der Botafumeiro, ein riesiges Weihrauchfass, an Seilen durch das Querschiff. Rund um die Kathedrale bilden vier Plätze ein einzigartiges Ensemble: Obradoiro mit dem Hostal dos Reis Católicos, einst Pilgerspital und heute Parador, Praterías, Quintana und Inmaculada. Die Granitgassen der Altstadt, Rúa do Franco und Rúa do Vilar, sind von Arkaden gesäumt, unter denen man bei Regen trocken bleibt.
Museen, Parks und Viertel
Das Museum der Pilgerfahrten erklärt die Geschichte des Jakobswegs, das Galicische Zentrum für zeitgenössische Kunst in einem Bau von Álvaro Siza zeigt moderne Werke. Daneben liegt der Park Bonaval mit einem alten Friedhof, der zum Landschaftspark umgestaltet wurde. Vom Parque da Alameda bietet sich der klassische Blick auf die Türme der Kathedrale. Auf dem Monte Gaiás im Osten steht die Cidade da Cultura, ein gewaltiger Kulturkomplex von Peter Eisenman. Die Stadtteile San Lázaro und Biduído liegen an den Ausfallstraßen, über die viele Pilger in die Stadt kommen.
Essen in Santiago
Der Mercado de Abastos, eine Markthalle aus Granit, ist das kulinarische Zentrum: Hier kauft man Meeresfrüchte, Käse wie den brustförmigen Tetilla und Gemüse von den Bäuerinnen aus dem Umland, und an einigen Ständen lässt man die Einkäufe gleich zubereiten. Pulpo á feira, Pimientos de Padrón, Empanada und Caldo galego, eine Suppe mit Kohl und Kartoffeln, gehören auf jede Karte. Zum Nachtisch gibt es die Tarta de Santiago, einen Mandelkuchen mit dem Jakobskreuz aus Puderzucker. Die Restaurants in Santiago und die Tapasbars der Rúa do Franco füllen sich abends mit Studenten und Pilgern, zum Wein gibt es oft eine kleine Tapa gratis.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Rosalía de Castro (SCQ) liegt rund zwölf Kilometer östlich, Busse fahren ins Zentrum. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ist Madrid in etwa drei Stunden erreichbar, A Coruña und Vigo in einer knappen Stunde oder weniger. Die Altstadt ist autofrei und klein genug für Spaziergänge. Santiago gilt als eine der regenreichsten Städte Spaniens; die beste Reisezeit sind die Monate Mai bis September. Am 25. Juli, dem Jakobstag, feiert die Stadt ihr größtes Fest mit Feuerwerk vor der Kathedrale.













