Slowakei entdecken: Tatra, Burgen und Bratislava
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in der Slowakei verbindet eine kleine Hauptstadt an der Donau mit einem Land, das zum großen Teil aus Bergen, Wäldern und Burgruinen besteht. Die Hohe Tatra ist das kleinste Hochgebirge der Welt, im Osten stehen hölzerne Kirchen, und Thermalbäder gibt es fast in jeder Region.
Bratislava an der Donau
Bratislava liegt direkt an der Grenze zu Österreich und Ungarn, nach Wien sind es nur rund 60 Kilometer. Bis 1919 hieß die Stadt auf Deutsch Pressburg, und von 1563 bis 1830 wurden im Martinsdom die ungarischen Könige gekrönt; eine kleine goldene Krone auf der Turmspitze erinnert daran. Die Altstadt ist überschaubar, mit Michaelertor, Primatialpalais und einigen kuriosen Bronzefiguren, etwa dem Kanalarbeiter Čumil, der aus einem Gully schaut. Über der Stadt steht die Burg mit ihren vier Ecktürmen, die Einheimische gern mit einem umgedrehten Tisch vergleichen. Auf der anderen Seite der Donau ragt die Brücke des Slowakischen Nationalaufstands mit ihrem Restaurant in der „Ufo“ genannten Kanzel auf. Die Blaue Kirche der heiligen Elisabeth ist ein Jugendstilbau, der tatsächlich bis zu den Dachziegeln hellblau ist. Am Stadtrand liegt die Burgruine Devín auf einem Felsen über dem Zusammenfluss von March und Donau.
Hohe Tatra und Niedere Tatra
Die Hohe Tatra erstreckt sich nur über etwa 26 Kilometer Länge, erreicht mit der Gerlachspitze aber 2.655 Meter. Von den Orten Štrbské Pleso, Starý Smokovec und Tatranská Lomnica führen markierte Wege zu Bergseen, Hütten und Gipfeln; der Lomnitzer Spitze nähert man sich bequem mit der Seilbahn. Viele Hochgebirgswege sind von November bis Mitte Juni gesperrt, das sollte man bei der Planung bedenken. Die Hütten werden zum Teil noch von Trägern versorgt, die Lasten von über 80 Kilogramm auf dem Rücken hinauftragen. Südlich davon liegt die Niedere Tatra mit dem Skigebiet Jasná am Chopok, dem größten des Landes. Liptovský Mikuláš ist der Hauptort der Region Liptau, mit dem Stausee Liptovská Mara und mehreren Tropfsteinhöhlen in der Nähe, darunter die Demänová-Eishöhle.
Burgen, Bergbaustädte und Holzkirchen
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der Slowakei gehören die Burgen. Die Zipser Burg im Osten ist eine der größten Burganlagen Mitteleuropas und gemeinsam mit dem Städtchen Levoča und seinem Schnitzaltar von Meister Paul UNESCO-Welterbe; dieser Altar ist mit fast 19 Metern der höchste gotische Holzaltar der Welt. Die Burg Bojnice sieht mit ihren Spitztürmchen aus wie aus einem Märchenfilm, die Orava-Burg thront auf einem Felsen über dem gleichnamigen Fluss und diente als Kulisse für den Stummfilm „Nosferatu“. In der Mittelslowakei liegt Banská Štiavnica, eine alte Silberbergbaustadt mit steilen Gassen, zwei Burgen und einem Kalvarienberg. Kremnica prägt seit dem 14. Jahrhundert Münzen und tut es bis heute. Im Nordosten, an der Grenze zur Ukraine und zu Polen, stehen griechisch-katholische und orthodoxe Holzkirchen, mehrere davon Welterbe. Zu den Slowakei Reisezielen für Naturfreunde zählt außerdem das Slowakische Paradies, eine Schluchtenlandschaft, die man über Leitern, Stege und Eisenketten durchsteigt.
Košice und andere Städte
Košice, die zweitgrößte Stadt, hat eine lange, spindelförmige Hauptstraße mit dem gotischen Elisabethdom in der Mitte und einer „Singenden Fontäne“, die abends zu Musik tanzt. Prešov, etwas weiter nördlich, hat einen ähnlich langgestreckten Platz und ist Zentrum der russinischen Minderheit. Žilina liegt verkehrsgünstig im Nordwesten und ist Ausgangspunkt in die Kleine Fatra, Nitra gilt als eine der ältesten Städte der Slowakei, mit Burg auf einem Hügel. Trnava wird wegen seiner vielen Kirchen das „slowakische Rom“ genannt, und Trenčín wird 2026 als Kulturhauptstadt Europas gefeiert. Banská Bystrica mit ihrem bunten Marktplatz war 1944 Zentrum des Slowakischen Nationalaufstands gegen die deutsche Besatzung und das Tiso-Regime.
Slowakische Küche
Das Nationalgericht sind Bryndzové halušky, kleine Kartoffelnocken mit würzigem Schafskäse Bryndza und knusprigem Speck. In den Salaschen, den Almhütten am Wegesrand, bekommt man dazu Žinčica, die säuerliche Molke, und geräucherten Käse in Zopfform. Kapustnica, eine Sauerkrautsuppe mit Wurst und Pilzen, steht vor allem an Weihnachten auf dem Tisch. In der Westslowakei, an den Hängen der Kleinen Karpaten bei Pezinok und Modra, wird Wein angebaut; Modra ist zudem bekannt für seine blau bemalte Keramik. Zum Abschluss trinkt man gern einen Borovička, einen Wacholderschnaps.
Anreise und Unterwegs
Der Flughafen Bratislava (BTS) wird vor allem von Billigfluggesellschaften bedient, viele Reisende fliegen deshalb nach Wien und fahren mit Bus oder Zug in rund einer Stunde weiter. Košice (KSC) im Osten hat wenige Verbindungen. Die Hauptbahnstrecke verläuft von Bratislava über Žilina und Poprad, den Bahnhof für die Hohe Tatra, nach Košice. In der Tatra verbindet eine elektrische Schmalspurbahn die Kurorte. Für Autobahnen braucht man eine elektronische Vignette. Die Slowakei zahlt mit Euro und gehört zum Schengen-Raum.
Beste Reisezeit für die Slowakei
Die beste Reisezeit für die Slowakei hängt vom Ziel ab. Für Wanderungen in der Tatra sind Mitte Juni bis September ideal, wenn die hohen Wege geöffnet sind; im Tal liegen die Temperaturen im Sommer bei 20 bis 28 Grad, in Bratislava kann es über 30 Grad heiß werden. September und Oktober sind gut für Städte und Burgen, und in den Kleinen Karpaten beginnt die Weinlese. Die Skisaison läuft etwa von Dezember bis März, in Jasná oft bis in den April.











